WILHELM BUSCH-PASTICHES MIT MAX & MORITZ (2)

Pastiche zum Thema Fantasie

von  harzgebirgler

3 NEUE STREICHE VON DEN 2 STROLCHEN

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Gutsbesitzer Drosselmeier
wollte einst zur Hochzeitsfeier
seiner allerjüngsten Tochter
mit 'nem Anwalt, doch den mocht' er.

Reisefertig stand vorm Gut
Drosselmeiers Frau mit Hut
und er selbst schritt guter Dinge
- in der Tasche die zwei Ringe

für das junge Hochzeitspaar
und den Bund vorm Traualtar -
Richtung Scheuer, hin zum Wagen.
Doch was, Leute, soll man sagen:

Max und Moritz, diese Strolche -
und sie waren wirklich solche -
schlichen, weil sie neidisch waren,
in der Nacht, der dunklen, klaren,

heimlich zu der Scheune hin,
nichts als Missetat im Sinn.
Durch ´ne Luke unverdrossen
klettern sie dank Leitersprossen

in die Scheune, hin zum Ziel,
Drosselmeiers Prachtmobil,
pirschen sich an die Karosse
von des Gutes stolzem Bosse,

chromblitzend und handpoliert
und mit einem Stern verziert!
Der Gewalt muß dieses Zeichen
jetzt im Nu als erstes weichen:

Moritz bricht ihn einfach runter
und wird dadurch richtig munter,
kratzt ins Blech wie´n junger Wilder
mit ´nem Nagel irre Bilder.

Max will, klar doch, auch nicht kneifen
und sticht prompt des Wagens Reifen
glatt kaputt mit scharfer Schneide.
Seht!, schon flüchten die zwei beide

nach getanen Schurkenstreichen
längs des Gutes Ententeichen.
Drosselmeier, der nicht ahnt,
was sich gleich für´n Schock anbahnt,

öffnet froh das Tor zur Scheune
und brüllt: “Ach du grüne Neune!
Himmel, welche Satansbraten
wagen solche Missetaten,

hier bei mir, auf meinem Hof -
spinn' ich denn, bin ich denn doof?!
Voll zerkratzt und platt die Reifen -
nein, es ist nicht zu begreifen,

was so manche Schurken tun,
nachts, wenn brave Leute ruh´n!
Abgebrochen selbst der Stern
und den hatte ich so gern!

Kriege ich die Kerls zu fassen,
werd' ich denen was verpassen -
irgendwann erwisch' ich sie
und dann sind die auch perdu!“

Ja, der Neid ist voller Tücke
und mit scheelem, falschem Blicke
späht er nach Gelegenheiten,
um dir Kummer zu bereiten...

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Strolchen, die partout nichts taugen,
sitzt wie'n Dorn in scheelen Augen
braver Leute Tätigkeit
und sie haben auch viel Zeit
böse Streiche auszuhecken,
um bei ihnen anzuecken.

Ehrbar wirkte Küster Krause
schon seit Jahrn für Gottes Hause,
ging dem Pfarrer treu zur Hand,
der im Rentenalter stand,
läutet' mit Gefühl die Glocke
und entleert' den Opferstocke,

stieg beflissentlich im Hellen
auf den Turm, die Uhr zu stellen
bei Bedarf und aufzuziehn -
ging sie wieder, freut' es ihn!
Küster Krauses Glockenläuten
klang im Ohr schon vielen Bräuten,

ruft zur Kirche fromme Christen,
stört selbst Eulen nicht, die nisten
in des Glockenstuhles Balken
und sogar im Turm die Falken
mags beim Brüten wenig störn,
wenn sie Glockentöne hörn.

Max und Moritz, Satansbraten,
stets bereit zu Übeltaten,
nahmen desterhalb aufs Korn
Küster Krause - ihren Dorn,
der sie barsch zur Ordnung rief,
wenn er konnte, doch er schlief,

weils längst Nacht war, wie fast alle
und lag schnarchend in der Falle.
Dieses nutzten nun die beiden,
die nicht Recht von Unrecht scheiden,
stahln sich auf den Glockenturm,
läuteten, flugs oben, Sturm,

brüllten "Feuer!" in die Runde
mit frech aufgerissnem Munde.
Küster Krause, der ja wusste,
wann er wie was läuten musste,
hört im Traume das Gebimmel,
schreckt empor, denkt: "Herr im Himmel,

hab ich jetzt ein Hirngespinst
oder ist schon Gottesdienst?!"
Schlägt die Bettdecke zur Seite
und verfehlt um Haaresbreite
seinen Nachttopf mit den Füssen,
die doch in die Puschen müssen,

stürzt im Nachthemd aus dem Hause
und sieht grad noch die zwei Lause-
kerle, die er gleich erkannt',
mit den Beinen in der Hand
aus dem Glockenturm entschwinden
und sich schier vor Lachen winden.

"Wartet nur, ich krieg euch noch
und dann wandert ihr ins Loch
für so dreistes Ungemach!",
schimpft der Küster ihnen nach...

Die Moral von der Geschicht':
Taugenichtse kümmerts nicht,
wenn sie dich mit Streichen plagen -
dein Verdruß ist ihr Behagen!...

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Max und Moritz oh die steckten
voller Bosheit und sie heckten
immer wieder gern aus Sachen
worüber nur Strolche lachen:
Nun geriet in ihr Visier
Baurat Timpe des Plaisir
schon bestimmt seit vierzig Jahr'n
bunte Gartenzwerge war'n.

Solch ein Zwerg mit Zipfelmütze
ist ja zu recht wenig nütze,
doch vor allem mit Laterne
hatte er die Kerlchen gerne:
Bunt bemalt von eig´ner Hand,
selbst geformt und selbst gebrannt
in des Küchenherdes Feuer,
waren sie ihm lieb und teuer.

Wohlgelaunt, kreuzbrav und bieder
summte Timpe Wanderlieder
dort im Garten hinterm Haus
und sah recht beschäftigt aus:
In Pension und unbeweibt,
überdies auch recht beleibt,
werkt´ er zwischen Gurkenbeeten
keineswegs mit Baugeräten,

sondern stellte ringsherum
seine Gartenzwerge um.
Stücker acht - aus Ton, nicht Holz -
war´n des Baurats ganzer Stolz
und er fand stets neue Stellen
für die bunten Tongesellen;
denn der Platz, an dem was steht,
unterscheidet den Ästhet

von Banausen, die nicht wissen,
wie sie was plazieren müssen,
um ´ne Wirkung zu erreichen:
Timpe war da ohnegleichen!
Durch die Hecke, dicht am Zaun,
konnten Max und Moritz schau´n
hin zum Baurat, der hantierte
und die Zwerge umplazierte

mit Gefühl für den Effekt,
der in Standortwechseln steckt.
Timpe unterbrach sein Werken,
um sich drinnen kurz zu stärken:
Hunger spürte er und Durst
auf ein Bierchen, auf ´ne Wurst.
Kaum war er nun aus dem Garten,
sah man Max und Moritz starten

und zu solchen Taten schreiten,
die nur Strolchen Spaß bereiten
ganz auf Kosten and´rer Leute -
so war´s früher, so ist´s heute.
Beide gingen gleich furios
auf die Gartenzwerge los:
Flugs bewaffnet mit ´nem Stein,
schlugen sie sie kurz und klein

und war´n über alle Berge
nach dem Angriff auf die Zwerge,
eh´ den Baurat, der schwer hörte,
ein Geräusch beim Vespern störte
und sein Hörgerät notierte,
daß im Garten was passierte.
Timpe, der sein Mahl verkürzte
und sofort nach draußen stürzte,

war vor Schrecken nah am Sterben,
denn was sah er: Nichts als Scherben
blieben von der Zwergenschar,
die sein ein und alles war.
“Diese Strolche, diese Schurken!
Trampeln über meine Gurken
rücksichtslos und ohne Scheu,
kloppen jeden Zwerg entzwei

und zerstör´n mein Steckenpferd -
ach, die Welt ist doch verkehrt!“
Die Moral von der Geschichte:
Gib stets Acht auf Bösewichte!...

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