B*E*U*Y*S – GLOSSE ...fehlt nur noch, das Pferd spielt Flöte!

Glosse zum Thema Erinnerung

von  harzgebirgler

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Das Gedicht knüpft an ein berühmtes Motiv der Kunstgeschichte an: „Hieronymus im Gehäus“ (u. a. von Albrecht Dürer). Es zeigt den heiligen Gelehrten, der in der absoluten Stille seiner Studierstube meditiert – bewacht von einem zahmen, friedlichen Löwen sowie einem Hund..

Dieses Bild der kontemplativen Ruhe wird im Folgenden radikal aufgebrochen. Das Gedicht wirft den schamanischen Aktionskünstler Joseph Beuys in das „Gehäus“ der Moderne: mitten hinein in den Trubel von Galerien und Theaterbühnen, wo er mit Kojoten, toten Hasen und Pferden die Kunstwelt aufmischte. Ein humorvoller Streifzug durch drei reale, legendäre Kunst-Aktionen!



Hieronymus hockt im Gehäus

im Beisein eines Hunds und Leus

doch in New York hockt Joseph Beuys

mit Hirtenstab und Filzumhang

viel später quasi tagelang

in einem Raum mit einem Tier

und der Kojote sag ich dir

der guckt erst einmal ziemlich dumm

schnuppert auch zag an Beuys herum

der kein Wort sagt und sich kaum regt

bis sich des Tieres Misstrau'n legt

macht sich alsbald auf Blättern breit

von Zeitungen die Beuys verstreut

[Stroh wird vom Tier total verschmäht

das offenbar auf Druckschwarz steht!]

am Ende mag das Tier den Mann

der es dann sogar streicheln kann

ein Tier das Menschen weislich scheut -

nun ja das hat den Beuys gefreut...



[https://de.wikipedia.org/wiki/I_like_America_and_America_likes_Me]


 

Hieronymus hockt im Gehäus

mit Hund und Leu was ja nichts Neu's

in Düsseldorf hockt Joseph Beuys

  derweil im Raum vor Publikum

und läuft mit einem Hasen rum

macht wieder was mit Schamanie

dass man sich fragt Mensch hat er sie

die Tassen alle noch im Schrank

was soll das bloß ist das nicht krank :

hat sich mit Honig vollgeschmiert

den Kopf den auch noch Blattgold ziert

im Arm den mausetoten Has

erklärt ihm dieses Bild und das -

dem Hasenbalg ist's piepegal

doch Joseph Beuys sorgt wieder mal

mit ner bizarren Kunst-"Aktion"

für Aufseh'n - na man kennt's ja schon...

 

[https://de.wikipedia.org/wiki/Wie_man_dem_toten_Hasen_die_Bilder_erklärt]

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Hieronymus hockt im Gehäus

nur mit dem Leu was schon was Neu's

in Frankfurt aber hockt Herr Beuys

- Hut auf dem Kopf und Weste an

so kannte man ihn ja den Mann -

auf einer Bühne mit nem Pferd

das sich um Beuys nicht wirklich schert

guckt nur bisweilen ziemlich dumm

denn Beuys scheppert mit Becken rum...

dümmer wird des Schimmels Miene

beim Hantier'n mit Margarine

was der Beuys dann auch noch macht

- Dürer hätt' sich glatt totgelacht! -

legt Eisenstücke sich aufs Haupt

was wer's nicht selbst sieht eh kaum glaubt

liest aus Shakespeare vor und Goethe

- fehlt bloß noch das Pferd spielt Flöte! -

und bot mal wieder eine Show

dass prompt die "Kunst"-Welt sagte !WOW!...

 

[https://de.wikipedia.org/wiki/Titus_Andronicus_/_Iphigenie]


*

Ob man es nun genial findet oder den Kopf schüttelt: Joseph Beuys hat die Kunstwelt nachhaltig verändert – und uns eine wunderbare Steilvorlage für diesen lyrischen Streifzug geliefert. Eines ist




Anmerkung von harzgebirgler:

Die drei Kunst-Aktionen von Joseph Beuys in der Zeitleiste:

  • 1965 (Düsseldorf, Galerie Schmela): „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ – Beuys verbrachte drei Stunden mit gold- und honigbeschmiertem Kopf in der Galerie, hielt einen toten Hasen im Arm und flüsterte ihm Erklärungen zu den Kunstwerken zu.
  • 1969 (Frankfurt am Main, Theater am Turm): „Titus / Iphigenie“ – Eine Aktion im Rahmen des „Experimenta 3“-Festivals. Beuys agierte im Filzanzug auf der Bühne mit einem weißen Pferd (Schimmel), Zimbeln, Texten von Goethe und Shakespeare sowie Fettstücken.
  • 1974 (New York, Galerie René Block): „I like America and America likes Me“ – Beuys ließ sich vom Flughafen in Filz gewickelt in die Galerie transportieren und verbrachte dort drei Tage isoliert in einem Raum mit einem wilden Kojoten und Stapeln des Wall Street Journal.

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