Vom Krieg, den Kriegern, den Soldaten
Essay zum Thema Krieg/Krieger
von LotharAtzert
Teil 1
Bevor man über den Krieg reden kann, sollten wir unterscheiden zwischen Kriegern und Soldaten. Erstere kommen stets aus dem, wie es heute heißt, „indigenen“ Umfeld, während Soldaten, Sold empfangend, im Kriegsfall staatlicherseits den Auftrag zur Abwehr des so genannten Feindes haben, was in aller Regel das Töten von humanem Leben beinhaltet.
Eines der Länder ohne Armee war Tibet. Was passiert ist, wissen wir: Tibeter sind heute nur noch Geduldete im eigenen Land, vorausgesetzt sie haben sich der kommunistischen Partei Chinas unterworfen. (Eine Zeitlang war es Mode, aus goldenen Buddhastatuen Aschenbecher für Spielkasinos zu machen)
Ein heutiger Industriestaat ohne Armee – ich weiß gar nicht, ob es den noch gibt, selbst die Schweizer haben sie – wäre hochriskant, vor allem wenn der Staat das hat, was andere wollen: Bodenschätze, strategische Zugänge zum Meer usw. usf.
Und weil es sinnvoll oder „vernünftig“ ist, Bündnisse gegen übermächtige Armeen mit anderen einzugehen, wurde einst die Nato gegründet.
Es ist ein bißchen wie mit dem Automobil: es ist eindeutig schädlich für den Planeten. Und doch brauchen wir es inzwischen alle, und sei es auch nur, um raus zu kommen aus der Großstadt, vorbei an tristen (zerstörten) Vorstädten, sowie industriellen Ansammlungen, dorthin … wo wir auch keine Ruhe mehr finden, weil immer mehr Menschen genau da hin wollen und das, was sie aufsuchen, mit Gleichgesinnten … aufheben, was sich dann wiederum nur die Reichen leisten können: teure Hotels, Survivaltraining usw.
Und ganz so, wie niemand mehr sein Auto aufgibt, (wenige Idealisten mögen das tun, ihre Zahl bleibt gering) um zu Fuß zu gehen, so ist es nicht mehr möglich, auf die Präsenz von Abschreckmaßnahmen zu verzichten. Schon Aldous Huxley wies darauf hin, daß wenn eine Erfindung gemacht ist, diese, auch wenn die Schädlichkeit erkannt wird, nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.
Klar, befragt man die Chinesen, so haben sie die Tibeter aus den Fängen eines feudalistischen Systems befreit. Und es finden sich genug Einheimische, die für Geld, oder andere Zuwendungen oder auch nur das Ersparen von Folter fähnchenschwingend jubeln. Alles das ist bekannt. Ebenso, daß der tibetische Buddhismus viele große Geister wie Richard Gere inspiriert und es weiter tut, so auch mich, den kleineren rockzipfeligen …
Umso befremdlicher wirkt es, wenn Menschen die Abschaffung von Waffen fordern, dazu die Schlächter der Menschheit relativieren, ihnen treuherzig Tür und Tor öffnen und nicht bedenken mögen, daß beispielsweise die Ukraine von der Landkarte verschwinden würde, gäbe es nicht die Unterstützung durch viele Länder. Russland ist eindeutig der Aggressor, der jedes Friedensangebot ablehnt. Daß ich das so sagen darf, ist in Deutschland möglich, aber in Putins Staat brächte es Gefängnis, Folter und oft auch den Tod.
Jetzt hab ich den Krieger ganz außer Acht gelassen. Heraklit, ja, auf den komme ich immer wieder, sagte „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“. Daß ein von Kollegen hochgeachteter Philosoph leichtfertig Gewalt propagiert, darf ausgeschlossen werden. Krieg bedeutet aud jeder Ebene was anderes. Physisch ist er grauenvoll, ganze Völker wurden in der Vergangenheit abgeschlachtet, bis heut und wahrscheinlich auch in der Zukunft, aber im Geist bedeutet er doch vielmehr, gegen Gier, gegen Haß, gegen Unwissenheit aller Art nicht zu kämpfen, sondern Gier umzuwandeln in Mitgefühl, Haß umzuwandeln in Güte, Unwissenheit umzuwandeln in Weisheit. Ein geistiger Krieger zu sein ist praktisch das Gegenteil vom physischen Soldaten. Das Schlachtfeld ist das eigene Ich.
Der indigene Krieger verteidigt seinen Stamm, seine Gemeinde, seine Familie. seine Frau, Kinder, den Häuptling, den Medizinmann, den Schamanen, die Natur, die Geister der Ahnen.
Heraklit lebte als Einsiedler. Er wußte, was vom Menschenwort zu halten war.
Wenn es um Frieden geht, setzen viele auf die Vernunft, doch die kommt erst bei Erschöpfung zum tragen und ist nicht sehr zuverlässig, da alle Taten und Absichten, aller Hass in die Gene übergeht, übertragen wird und der Konflikt Generationen später, selbst nach Jahrhunderten wieder aufflammen kann, ohne daß die Nachkommen es sich erklären können – falls nicht einer unter ihnen sich all dem Verdrängten widmet und bewußt macht.
Nur im Geist und bei vollem Bewußtsein lassen sich Geistesgifte wie oben erörtert umwandeln in befreiende Weisheit.
Mögen alle Glück und die Ursache zum Glück haben,
mögen sie getrennt sein von Leid und der Ursache hierzu,
mögen sie nicht getrennt sein vom größten Glück, welches
frei von Leid ist. Mögen sie im großen Gleichgewicht ruhen,
ohne Anhaftung an Nähe, oder Widerwille gegen Andere.
So sei es.