Anagarika Govindas Gedicht „Wegscheide des Wissens“

Essay zum Thema Unsterblichkeit

von  LotharAtzert

In meinen Büchern fand ich ein Gedicht, als der Name Lama Govinda beim User B  genannt wurde, dessen -Lama Govindas - Schüler nicht wenige überzeugt waren, er sei die Reinkarnation von Novalis (Friedrich von Hardenberg). Es steht mir nicht zu, mich auf die eine oder andere Seite zu schlagen, doch ich kramte das Buch „Mandala“ vom Rascher Verlag Zürich aus einem staubigen Büchereckchen hervor und wollte dem B ein Gedicht von Rimpoche als Kostprobe schicken zum Selbstüberpruf, doch dann …  hielt mich etwas zurück und ich mich aus unersichtlichem Grunde urplötzlich umentschied für dieses Poem:

 

Wegscheide des Wissens

Nicht ist der Tod

ohne das Wissen vom Tode.

Nicht ist das Leben

ohne das Wissen vom Leben.

Aber das Wissen vom Leben

erwächst aus dem Wissen vom Tode.

 

Sterblich sind alle, die wissen,

ohne weise zu sein.

Todlos sind alle die Wesen,

die ohne Wissen vom Tode,

Aber unsterblich allein ist,

wer Leben und Sterben

durchschaut.

 

Als ich die Wegscheide des Ehrwürdigen als Kommentar zu Bs. Werk abschickte, durchrieselte mich eine unbeschreibliche Freude, nicht meiner, sondern Rimpoches eigener Auswahl gefolgt zu sein und empfand seinen Segen für das Tun. - Ein Zaunpfahlwink vielleicht für den bibeltreuen B? Erst jetzt nach über 30 Jahren las ich das Gedicht wieder und dachte: genau so ist es. Das ist mir beim ersten Lesen so nicht bewußt gewesen, so einfach, die Wegscheide. Da ist eigentlich nichts mißzuverstehen. Leben und Sterben durchschauen. … bei sich, immer bei sich im Bewußtsein. Das Prinzip von Körper, Rede und Geist als stetig dreieinig. *Wo gehen wir denn hin? Immer nach hause.

PS. ich poste das hier, weil dieses wundersam offene Gedicht bei B höchstwahrscheinlich keine Würdigung erfährt und das wäre einfach schade. Ob aber Govinda die Wiedergeburt von Novalis war, oder nicht, - das Werk zählt.

Allerdings beidemale Stier, wie Kant, wie Freud, wie Marx: die Herdenrufer. ...

 

 




Anmerkung von LotharAtzert:

Lama Anagarika Govinda (* 17. Mai 1898 in Waldheim, Sachsen als Ernst Lothar Hoffmann; † 14. Januar 1985 in Mill Valley, Kalifornien) war ein moderner deutscher Interpret des Buddhismus und Daoismus, Schriftsteller, Kunstmaler und Gründer des Ordens Arya Maitreya Mandala.

Gestorben: 14. Januar 1985 in Mill Valley, Kalifornien
 
Govinda sei einem Dämon verfallen gewesen, meinte B. 

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Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (20.04.26, 07:20)
In der Tat: Einganz wunderbares Gedicht!

Von seiner danklen Seite her betrachtet ist das Bewusstsein die Geißel der Vernunftbegabten. - Über Verstand (aus der Anschauung erwachsend) verfügen viele Wesen; Vernunft (Abstraktionsvermögen) wird bisher nur den Menschen zugestanden.

Mir wird an diesem Werk wieder einmal klar, wie sehr sich mein Philosophenschnucki, der Herr Schopenhauer, auf buddhistische Weisheit beruft.

Liebe Grüße

 LotharAtzert meinte dazu am 20.04.26 um 09:28:
Die 
Geißel der Vernunftbegabten
trifft es. Von den deutschen Philosophen ist Schopenhauer die beste Wahl. Lange stand er im Schatten Hegels, die beiden standen auch tierkreismäßig in Opposition. Hegel als "vernunftbegabte" Jungfrau und Schopenhauer als Fische.

Ich danke Dir sehr und
liebe Grüße auch an Dich
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