Wieder Serienmörder

Kurzprosa zum Thema Mord/Mörder

von  KayGanahl

Aus und vorbei! Die Zeit ist jetzt vorüber, da ich mich rechtfertigen muss. Mit mir läuft jetzt nichts mehr so, wie es sich andere vorgestellt haben. Ich ermorde jeden, der mir passt. Die wenigen Minuten, die den Opfern noch bleiben, wenn ich sie erst einmal in Besitz genommen habe, lassen sich schnell und ganz leicht zählen. Und ich zähle sie ihnen - bisweilen zumindest - laut vor: eine Minute, liebes Opfer, zwei ... drei und so weiter! Ich kann gar nicht sagen, wie ich das genieße! Und als ich kürzlich bei Jolly war, meiner alten Freundin aus Jugendtagen, fand ich eines meiner Opfer, das ich gleich so in Bearbeitung nahm, wie es sich nach meiner Meinung gehört. Es jammerte mir allerdings viel zu laut, so dass ich ihm  eines mit dem Hammer geben musste. Ach du Schreck, es übergab sich - ! Jolly half mir engagiert. Sie zog auch ein Mal mit dem Hammer drüber. Dann war das Opfer still.  Heute habe ich meinen unauffällig aussehenden Van, mit dem ich schon immer ganz leidenschaftlich jede Verkehrsregel in der Stadt gebrochen habe, neben dem Edel-Kaufhaus Werdegang geparkt. Sofort habe ich mich nach einem oder mehreren Opfern umgeschaut, - wurde sehr schnell fündig. Da stolzierte so eine fesche Untervierzigerin an mir vorüber, deren Arroganz ich schon beim ersten Beobachten nicht ertragen konnte. Sie lispelte ihrem Begleiter etwas zu, das ich allzu gern erlauscht hätte. In ihrem weiten schwarzen Mantel, dem grünen Rollkragen-Pulli, und mit ihrer widerwärtigen spitzen Nase empfahl sie sich erstklassig für die Opfer-Rolle. Ich verfolgte beide einige Zeit auf Schritt und Tritt, wobei ich nicht bemerkt wurde. Dergleichen Aktionen machen mich immer so stolz auf mich selbst - ich kann noch viel mehr im Leben erreichen, aber besonders Observationen (diesen Fachterminus verwende ich dafür) fordern von mir im positiven Sinne etwas. Dieses Mal war es für mich keine besondere Herausforderung, muss ich gestehen. Es langweilte mich sogar ein bisschen. Als ich sah, dass die beiden in einem Restaurant verschwanden, da entschied ich mich für das Warten. Ich ging zu meinem Van zurück, mit dem ich dann in die Nähe des Restaurants fuhr, um in Sichtweite zu parken. Von hier aus war alles zu sehen. Aus meinem Fresspaket nahm ich mir eine Frikadelle, weil ich hungrig war. Mit einem kleinen Fernglas, das ich ab und zu an meine Augen setzte, konnte ich alles bestens erkennen. Etwa zwei Stunden später, es war gegen drei Uhr Nachmittag, betraten sie, offensichtlich gut gestimmt, die Straße. Schade, dachte ich dann, dass Jolly nicht dabei ist. Es wird wohl ein prächtiges Schlachtfest werden! Ich riss meine Maschinenpistole unter dem Beifahrersitz hervor, kurbelte das seitliche Autofenster herunter. Alsdann schoss ich sie auf offener Straße nieder. Die Passanten liefen allesamt in heller Panik davon. Am liebsten hätte ich noch so ein paar von denen umgebracht, aber ich ließ das sein. Bald, so vermutete ich ganz richtig, würde die Polizei zur Stelle sein. Und dann würde ich längst ganz weit weg sein müssen, keine Frage.
Deshalb fuhr ich anschließend mit meinem Van rasant fort. Ich war ganz clever. Ich hatte als Mörder keine "Handschrift.



Kay Ganahl
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