Licht

Kurzprosa zum Thema Alles und Nichts...

von  Ganna

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Die Schatten sind die Berghänge hinaufgestiegen und haben die Sonne verdrängt, die sich geschlagen zurückzieht und hinter dem Gebirge versinkt. Klarheit bleibt zurück.

Nun ist der Rest der Welt unter sich und die Stille wird noch größer, alles fällt ins Grau.

Über dem gewölbten Horizont bildet sich ein rosa Licht, mischt sich mit Vanillegelb und winkt zum Abschied. Dann taucht die Welt in Dunkelheit und das Leben scheint zu entschwinden.

Nun geht die Sonne den Weg, auf dem ich ihr nicht folgen kann und lässt mich mit mir allein.

Ich gehe in meine Hütte. Rauchschwaden aus dem Ofenrohr nebeln die starren Äste des Waldes ein, gleiten dann langsam zu Boden und kriechen in das trockene Laub.

Ab und zu knackt ein Scheit, eine Kerze flackert, der Ofen wärmt und die Stille in mir wächst. Die Flamme der Kerze verrät ihre Unfesten durch den diffusen Schein.
So reglos und durchsichtig wie dieser Schein werde auch ich, als löse sich meine Materie langsam auf und drifte auseinander. Ich verflüchtige mich und mein Geist wird weit, weit und nimmt eine Stille in sich auf, die einer grenzenlosen Liebe gleichkommt.

Das Fehlen jeglichen Getriebenseins eröffnet eine andere Welt. Aber welche? Ich weiß es noch nicht. Noch weiß ich nicht, ob ich in dieser Stille verharre endlos lang bis alle Zeit vergangen ist oder ob ich mich noch einmal verfestige, um nach dem Leben zu schauen, mich noch einmal hinauswage, vorsichtig, um mich von der Liebe irritieren zu lassen, mich ihr hingebe oder mich von ihr ein letztes Mal vielleicht mittragen lasse.

Noch nehme ich die Freiheit von Zielen war und die Freiheit vom Denken, ich bin ohne zu tun und ohne mich beweisen zu müssen. Wie bei einer Pflanze suchen meine Wurzeln nach Halt, suchen nach einer Spiegelung meines Urgrundes, der in mir liegt, in dieser tiefen Schwärze, die tiefer ist als das schwärzeste Schwarz, weil es sich in alle Unendlichkeit zieht.

Inmitten in dieser Finsternis leuchtet ein kleines Licht. Es wirft einen warmen Schein auf die Dunkelheit. Dort in diesem Licht bin ich. Dort sind ich und du und das Licht eins.

Kommentare zu diesem Text


 Hoehlenkind (24.01.13)
Schön mal wieder etwas Neues von dir zu lesen. Du nennst es Kurzprosa, doch für mich ist es durch und durch tiefsinnige Poesie.
(Kommentar korrigiert am 24.01.2013)

 Ganna meinte dazu am 25.01.13:
Danke, es freut mich, dass Du es so empfindest.

 Jorge (25.08.13)
Eine beispielhafte tiefenphilosophische Bestandsaufnahme vom "Ich" entre Dunkelheit und Helligkeit.
Wie immer sehr wortsicher.
LG Jorge
(Kommentar korrigiert am 25.08.2013)

 Ganna antwortete darauf am 25.08.13:
...ich danke Dir, Du machst mir wie immer Mut, mehr zu schreiben...

LG Ganna
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