Glaube oder Nichtglaube - ein- und dasselbe Irren

Beschreibung zum Thema Reinkarnation

von  LotharAtzert

"Entweder man glaubt an ein Weiterleben nach dem Tode, oder man glaubt es nicht."
So ist das für den akademisch geprägten Bildungsbürger. Man nennt diese Einstellung Dualismus.
Wir Schüler der Präsenz glauben nicht an eines von beiden und verwerfen auch das andere nicht - wir lassen das Sein einfach sein, wie es ist - als offener Raum zB. in dem geschieht, was geschieht.
Natürlich falle ich, als nondualer Anfänger, immer und immer wieder aus der Präsenz und ergehe mich in Vergangenheiten oder wünsche was für die Zukunft. Überhaupt ist das so eine Sache mit der Vergangenheit. Genaugenommen ist alles, was in die Bewußtheit kommt, bereits vergangen. Aber das ist kein Glaube, sondern das sagt mir die einfache Logik: Egal wie schnell ich etwas bemerke - es ist immer ein Quäntchen Zeit vergangen.
Vergangenheit und Zukunft sind ein Mysterium der Zeit: ersteres machte mich zu dem, der ich gegenwärtig bin. Auch das, liebe Freunde, ist keine allzu kühne Schlußfolgerung. Man muß mir da nicht vorhalten, dies sei ein Glaube, womöglich ein buddhistischer Aber-Glaube. Und so ist es auch kein Glaube, daß dieses, was für mich gilt, auch für alle andere Lebewesen gilt: wir sind gegenwärtig das, was wir in der Vergangenheit aus dem Zeitgeschehen für unser Wachstum heraus zogen, auch für die Zeitgenossen hineinlegten und wuchsen damit hier hin. Atmete ich ein, so muß ich jetzt ausatmen; atmete ich aber aus, so starte ich die Einatmung. Die Vergangenheit kann man, bildlich gesprochen, als Wurzel bezeichnen: worin wir wurzeln - seelisch, geistig, spirituell - da fließen uns die Nährstoffe zu. Wo wir keine Wurzel gebildet haben, da haben wir auch kein Wachstum, und somit kein Sein.
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Das Herausfallen aus der Präsenz ist nicht weiter tragisch, wenn man es bemerkt und entspannend zurückkehrt. Selbst wenn es zehntausendmal am Tag geschieht. Dann kehrt man halt zehntausendundeinmal zurück. Tragisch wird es erst, wo es nicht mehr bemerkt, oder "lang-weilig" wird. Einen Grund zum Verdrängen gibt es immer. Er ist im Eigendünkel begründet: wir wollen etwas sein, als etwas gelten, was unsere Unarten in einem besseren Licht erscheinen läßt, oder diese sogar verschwinden läßt, um jene anderen in die Erscheinung zu bringen, die im Volke angesehen sind - und diesen Schwindel lassen wir uns was kosten. Danach gönnt man sich was Standesgemäßes zur "Ab-lenkung".
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Die Präsenz ist das Allheilmittel für jeden. Denn jeder empfängt da haargenau das seine. Freilich ist sie umso schwerer zu halten, je mehr verdrängt wurde. Weil das Verdrängte zieht, es zieht zum Bewußtsein und kostet immer mehr Kraft, es dort nicht zuzulassen. Kraft, die im Alter schwindet, weswegen immer mehr Krankheiten zutage treten.
Glauben? Was kümmert mich ein Glaube. Es ist nur so, ob es einem gefällt, oder nicht, daß alles, was man verursacht hat, sich erst wieder durch Auswirkung (- Erfahren) auflösen muß. Erst danach kann man das Sein endgültig sein lassen. Oder wie meine hoch verehrten Lehrer aus Tibet: als eine freigewählte Inkarkarnation, als "Bodhisattva", dort wirken, wo man der Weisheit bedarf.
Mögen alle Wesen frei von Abhängigkeiten werden.
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Kommentare zu diesem Text

Bette (70)
(27.06.16)
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 LotharAtzert meinte dazu am 27.06.16:
Dankeschön. Ja, Wurzel, Blüte und Frucht sind Synonyme für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die wir alle ... im Blut haben. Die Ordnung der Bilder gehört auf Schulen gelehrt. Statt dessen ...
Gruß
Lothar
Festil (59) antwortete darauf am 30.07.16:
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swetlana (51)
(29.06.16)
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 LotharAtzert schrieb daraufhin am 29.06.16:
Im Punkt 2 sind wir nicht ganz einer Meinung. Wurzel ist eine Metapher für die Herkunft und also für die Vergangenheit. Ein entwurzelter Mensch ist der moderne Mensch: heute hier, morgen dort, immer unterwegs und nie irgendwo ankommend. Was das für Folgen hat: früher, so hörte ich, war die mexikanische Halbinsel Yucatan ein Paradies aus Wald, Pflanzen, Tiere und unterirdischen Grotten mit sauberem Trinkwasser. Heute gibt es da nur noch Flughäfen und Hotels - sonst nichts mehr - weil die Menschen entwurzelt sind. Damit alle zu schönen Landschaften gelangen, werden diese zerstört. Ist das nicht Wahnsinn?
Danke dir
Gruß
L.
Festil (59) äußerte darauf am 30.07.16:
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