Die Zeit des Big Bongo. Satire? 2. Teil

Erzählung zum Thema Achtung/Missachtung

von  KayGanahl

War es vor drei Tagen, vor zwei? Welche Explosion - ? Ja, sie fand statt. James zügelte sich dann nämlich nicht mehr.
Die Zeit des Big Bongo war jedenfalls seit etwa drei Monaten angebrochen. Unser Diktator mit dem Spitznamen Big Bongo wusste um die Bedeutung von polizeilichen Maßnahmen, gerade wenn sie halb illegal waren. Er zeigte weder Rücksicht noch hatte er Skrupel, insbesondere im Bereich Einschüchterung/Provokation der verschiedensten Bürger. Das Netz der „Kleinspürs“ erstreckte sich schon über das ganze Land, nur wenige Teile waren wohl noch nicht ganz in ihrer Hand.
Es war vor drei Tagen: James hatte "seinen" Beobachter vorm Fenster nicht nur rechtzeitig wahrgenommen und mit Augen fixiert, sondern er war dann völlig außer sich in seinen Vorgarten gestürmt, um diesem Menschen praktisch zu verdeutlichen, wo die wahren Grenzen liegen, die Menschen von Menschen trennen. Die werden nämlich von Vermögen, Eigentum und Besitz gezogen. James meinte ja schon immer, dies seien die Grenzen in der Gesellschaft, auf die es am meisten ankommen würde.
Des Ottolos Kleinspür Art, sich in diesem Garten zu platzieren, war für den Eigentümer James dermaßen unverschämt, dass er „seinen“ Beobachter tätlich angriff und denselben schließlich ins Jenseits beförderte, indem er ihm mit einem Spaten, der an der Außenwand des Bungalows angelehnt stand, den Schädel spaltete. James fühlte sich - wofür er sich später sehr schämte! - während der Tat und auch kurz danach bestens. Er verübte das Verbrechen im vollen Bewusstsein eines unvergleichlichen Hochgefühls.
Unfassbar, aber wahr. So eine Tat hätte er sich vorher niemals zugetraut, doch an diesem Tag hatte er gar nicht anders handeln können. Für ihn war es ein paar Sekunden lang eine Tat der Befreiung von der Unbill der Diktatur des Big Bongo, dessen Schergen nun einmal immer wieder auftauchten, um die Bürger einzuschüchtern. Dabei kümmerte es sie nicht, ob sie Gesetze brachen. Die staatliche Willkür, die sich durch ihr Wirken realisierte, war in den Augen der meisten Bürger längst untragbar. Moralisch. Menschlich. Und überhaupt. Das soll James‘ Tat nicht rechtfertigen, auch nicht verharmlosen. Sie war falsch, vor allem weil er dadurch in den Strudel polizeilicher Maßnahmen geriet. Das lag natürlich daran, dass die Leiche Kleinspürs mitten im Vorgarten lag, und so am helllichten Tage von dem einen oder anderen Nachbarn in der Sagen-Straße gesehen wurde. James landete bald in Haft. Der ihn verhörende Kriminalkommissar zog nur eine Schnute; es war sowieso für die Autoritäten schon alles klar. Die Schuld war bestimmt keine Frage.
James erschien sein Handeln inzwischen zwar moralisch fragwürdig, seine Scham war echt. Hingegen sah er immer noch Big Bongo und die „Kleinspürs“ als größtmögliche Bedrohung aller friedliebenden Bürger an, weshalb eben auf alle Fälle etwas gegen die Diktatur unternommen werden müsste.

Copyright by Kay Ganahl, 2019.

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