Nonsens II

Tagebuch zum Thema Existenz

von  Augustus

Ich hatte viel Freizeit, musst du wissen, also las ich alles was ich in die Hände bekam. Alles.  Didaktisch könnte man sagen bildete ich mich selbständig weiter. Die Ägyptologie faszinierte mich, also lernte ich die Hieroglyphen, ihre Symbolik und Bedeutung. Recht rasch beschäftigte ich mich alsbald mit der Keilschrift, ihrem Uhrsprung und ihrer Entwicklung. Ich saß nächtelang im Zimmer und saugte alles über die Keilschriften auf, die sich über die vergangenen 6 Jahrtausende entwickelten. Ich darf auch behaupten, dass ich mehr als geübt bin in der Welt der Morsezeichen. Manchmal noch tippe ich mit dem Finger auf eine Stelle und sende Morsecodes ab, die ich im Kopf gleich versende und entschlüssele. Schon mal probiert?

 

- - -  -..  ..  -.

 

Eines Tages sollte ich aber bemerken (ein Wink der Frigg) dass ich auf meine Einnahmen als Hypnosetherapeut die Hälfte an den Staat abgeben muss! Stell dir das mal vor. Die vollen 1000 Euro pro Sitzung halbierten sich mit einem Mal. Der Staat war nicht bei meinen Sitzungen anwesend, aber er griff gleich zu auf mein Geld. Nächtelang las ich die schrecklich ausformulierten Gesetze, die Deutschland so über Jahrzehnte zusammengeschustert hat; mit voller Freude aber las ich tagsüber hunderte an Urteilen, die das deutsche Gericht fällte; auch die vom europäischen Gerichtshof und was es für sonstige Gerichte nicht gibt. Natürlich ließ ich mir nicht entgehen, bei so trockener Lektüre, einen guten Portwein hinstellen. Je Nacht saufte ich einen Portwein, meistens einen aus Madeira, noch öfters einen aus Spanien. Was nicht alles in die Deutschland vor die Gerichte kommt!

 

Nach gut gefühlten 3 Monaten hatte ich nach Lektüre und allem  einen Plan ausgeheckt, wie ich all mein mühevoll verdientes Geld für mich behalte, ohne den Staat an meinen Einnahmen zu beteiligen.

 

Dies sah so aus:

 

1 Schritt. Der Baronesse muss eine ärztliche Verordnung vorliegen, dass sie durch einen Arzt, Heilpraktiker oder unter der Aufsicht eines Arztes durch einen seiner fachlichen Mitarbeiter einer Heilbehandlung unterworfen wird.

 

2 Schritt. Die ärztliche Verordnung durch einen Arzt oder Heilpraktiker aus dem EU-Ausland soll erfolgen. Mir gefiel Malta.

 

3. Schritt. Ärztliche Verordnungen fälschen.

 

3. Schritt. Bankkonto eröffnen in Malta.

 

4. Schritt. In Belize eine Firma in Form einer Briefkastenfirma gründen, die Personal an ärztliche Praxen verleiht.Ureinwohner als Direktor anmelden.

 

5. Schritt. Bankkonto in Belize eröffnen.

 

6. Schritt. Gemeinnützige Organisation in Kongo gründen, die Ureinwohner fördert, sowie Hypnosefortbildungen anbietet.Ureinwohner als Präsidenten anmelden. 

 

 

7. Schritt. Bankkonto in der Schweiz eröffnen. Am besten 3. 

 

Es war etwas knifflig, all das auf die Wege zu bringen. Aber am Ende des Tages war ich in Belize für die Briefkastenfirma angestellt, die mich an den nicht existierenden Arzt in Malta verlieh, der der Baronesse eine ärztliche Verordnung verschrieb, die ich unter der Aufsicht des nicht existierenden Arztes, die Hypnosebehandlung durchführte. Ich ließ dazu einen alten Mann im weißen Kittel von seiner Strohhütte aus, aus Kongo per Video dazu schalten, den ich als den vermeintlichen Arzt darstellte, der bei jeder Behandlung zuguckte und nickte, während ich das Video zusätzlich aufnahm.  

 

Nun führte ich meinen Laden nicht mehr selbständig aus, sondern war angestellt und bezog aus Belize Gehalt. Das Gehalt war damals so niedrig, dass ich nur wenig Steuern zahlte. Aber ich zahlte noch welche. Die Rechnung für die ärztliche Verordnung an die Baronesse stellte ich im Namen des Arztes aus Malta aus. Die Baronesse überwies den Rechnungsbetrag auf das maltesische Konto, auf das ich Zugriff hatte.  Nun erstellte ich eine überzogene Rechnung von der Briefkastenfirma von Belize aus für die Personalüberlassung – also mich an den nicht existierenden Arzt – ich saugte quasi den Gewinn aus Malta aus und transferierte diesen nach Belize. Erfreulicherweise hatte Belize 0 Steuern auf Einnahmen, die aus dem Ausland kamen, also Malta. Nun lagerten bald 500000 Euro in Belize auf dem Konto. Dieses transferierte ich auf das Konto in der Schweiz und gab sie an als Spenden an die gemeinnützige Organisation in Kongo. Dort habe ich  aus einem Ureinwohnerstamm den Ältesten als Direktor und Vorsitzenden eintragen lassen. Einen anderen Alten in Belize als Präsident meiner Briefkastenfirma eingetragen. Und als Arzt fungiert niemand anderes als ein real existierender Arzt in Malta, der nicht weiß, dass ich seine Verordnungen fälsche und der einem Ureinwohner sehr, sehr ähnlich aussieht.

 

Letzlich waren mir die paar Steuern, die ich noch zahlte, zu hoch, und ließ Rechnungen von Kongo aus für Online-Weiterbildungen für Hypnosetherapeuten ausstellen. Am Ende machte ich nur Verluste, während ich auf dem schweizerischen Konto mich der ersten Million näherte.  

 

Ein weiteres Konto in der Schweiz eröffnete ich für meinen Direktor und Präsidenten, denen ich den Lohn für ihren Namen auszahlte, pro Monat je 5.000 Euro, also insgesamt 10.000 Euro.

Die Visa – und Masterkarten, die auf deren Namen ausgestellt sind, befinden sich allerdings in meinem Geldbeutel. So bestreite ich meinen Lebensunterhalt. Steuern zahle ich hier keine. In Malta zahle ich auch keine. In Belize auch nicht. In Kongo auch nicht.

Und was machst du so?



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Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (27.09.22, 07:02)
Bei der Höhe meiner Rente lohnt sich der Aufwand nicht, Augustus. :D
Gleichwohl bewundere ich die Findigkeit des Protagonisten: schräg, schrill, doch nah an der Realität.

Neidische Grüße
der8.Rhein-Mainer

 lugarex (27.09.22, 07:53)
Ich verdiene nichts mehr, so zahle ich nichts mehr. Aber der globale Weg ist im Prinzip ein richtiger Weg...

Gruss Luga
Agnete (66) meinte dazu am 27.09.22 um 21:45:
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