Übung

Gedicht zum Thema Sein

von  Tula

zunächst abschalten
der Rabatz um dich herum spielt keine Rolle
Du(!) musst stille halten

nimm dir jetzt ein vergessenes Wort
eines, das schon längst keine Bedeutung mehr hat
zum Beispiel: Kaulquappe
oder
Nautilus
von mir aus
Karottenjeans (moonwashed), Sternenhimmel (oh-oh), vielleicht sogar
Ihren Namen

lass das Wort fallen
(du wirst merken wie leicht es eigentlich ist)
in diesen gähnenden Schlund, den du
Lebenserfahrung nennst

lausche ihm hinterher auf seinem Weg
(nicht mit den Ohren, ich meine den Puls!)
je tiefer es sinkt, umso deutlicher wirst du es vernehmen:
dieses aparte Prasseln (aufbegehrend, abrupte Lohen) bezeugt
die Ionisierung deiner Einsichten

öffne deine Katakomben! lass es in dich hinabstürzen und
hab keine Angst vor seinem Aufprall
der befreit Wärme und das Echo
warst einmal du


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Kommentare zu diesem Text


 Taina (20.11.22, 07:13)
Wer weiss, viell. war ich das wirklich.


Was die Worte betrifft, mir war noch gar nicht aufgefallen, dass Wasserwesen mit au betont werden, das ist klanglich sehr  interessant.

 LotharAtzert meinte dazu am 20.11.22 um 09:44:
Kabel jau?

 Taina antwortete darauf am 20.11.22 um 09:46:
Ka rausche!

 Tula schrieb daraufhin am 20.11.22 um 09:50:
Moin ihr beiden
Ich würde auf jeden Fall die Blaujacke (alter Begriff für Matrosen bzw  Seeleute) dazuzählen  8-)
Auf jeden Fall r-au-scht die See, manchmal faucht sie auch ...

Danke euch beiden und den anderen Lesern
Tula

 Taina äußerte darauf am 20.11.22 um 09:54:

 Tula ergänzte dazu am 20.11.22 um 10:03:
Jo! Spitze  :D

 Agnete (20.11.22, 10:32)
das sind kluge Zeilen, Tula. ja, die alten abgelegten Wörter, sind das nicht wi?Unsere Leben? LG von Agnete

 Tula meinte dazu am 20.11.22 um 17:04:
Hallo Agnete
Mal aus einer anderen Perspektive: Solange wir weiter erfolgreich mit den Wörtern spielen, neuen und alten, und damit anderswo Echos erzeugen, ist noch alles in Ordnung mit uns.

In diesem Sinne, Wünsche für einen kreativen Restsonntag
Tula

 Teolein (20.11.22, 12:06)
Moin Tula,
das ist ja mal was mit tiefem Tiefsinn.
Ich spüre latente Traurigkeit.
Lass den Kopf nicht hängen.
In acht Wochen spielen doch deine Eisernen wieder!
Dir ein fröhliches Wochenende 
LG
Teo

 Tula meinte dazu am 20.11.22 um 17:09:
Hallo Teolein
Bei den letzten Ergebnissen bin ich eher erleichtert, dass sich die Eisernen erst mal ein Weilchen ausruhen können  8-)

Ansonsten keine Traurigkeit, ein Hauch von Nostalgie jedoch bemuttert die zarte Dichterseele.
LG
Tula

 EkkehartMittelberg (20.11.22, 12:06)
hallo Tula,
der Umgang mit alten Worten setzt neue Kreativität frei.

LG
Ekki

 Tula meinte dazu am 20.11.22 um 17:11:
Hallo Ekki
Erst recht bei IHREM Namen und dem einen oder anderen Hit in Zeiten der sogenannten neuen deutschen Welle.

LG
Tula

 Saira (20.11.22, 12:52)
Hallo Tula,
 
ich bin deiner Anleitung gefolgt und mir fiel ein früheres Bratkartoffelverhältnis - vor meiner Ehe! – ein und ich ließ das Wort fallen, und zwar dahin, wo es als Erinnerung ruht.
 
Ein interessantes Gedicht! Wir sind, was wir sind, durch das was war und heute ist. It´s life😊
 
Liebe Grüße
Sigrun

Kommentar geändert am 20.11.2022 um 16:10 Uhr

 Tula meinte dazu am 20.11.22 um 17:14:
Hallo Sigrun
Bei Bratkartoffeln fallen mir gleich die dazu passenden Zwiebelworte ein. Manche schön goldig brutzelnd und lecker, aber bei anderen kommt einem doch das innerliche Heulen  :D

LG
Tula

 Saira meinte dazu am 20.11.22 um 17:32:
:silly: :D :P

 uwesch (20.11.22, 13:58)
Interessante Methode des Loslassens :)  LG Uwe

 Tula meinte dazu am 20.11.22 um 17:18:
Hallo Uwe
Stimmt, Erinnerung und Loslassen gehen Hand in Hand. Loslassen sollte ja auch nicht Vergessen bedeuten.

Kein alter Baum ohne Wurzel. Der Leben spendende Saft wird nachwievor aus der Tiefe hochgezogen, nicht von der Oberfläche.

LG
Tula

 harzgebirgler (30.11.22, 09:26)
hallo tula,.

das sprechen von worten ruft gerne viel hervor,
führt tief hinab dabei bisweil'n wie hoch empor.

lg
harzgebirgler

 Tula meinte dazu am 01.12.22 um 23:57:
Hallo harzgebirgler

Das Wort des alten Bösewichts
dröhnt in der Tiefe immer noch.
Manch liebes Wort verhallt im Nichts.
Die Seele hat wohl doch ein Loch.

LG
Tula

 eiskimo meinte dazu am 07.12.22 um 17:23:
Ich hab zuletzt mal eine ganze Bemerkung fallen lassen, es fiel mir tatsächlich leicht - gefiel nur der Dame gegenüber gar nicht. Ihr Name?  ... ist mir auch grad entfallen.
Haltlos Grüße 
Eiskimo

 Tula meinte dazu am 07.12.22 um 22:52:
Hallo eiskimo
deine Bemerkung wird wohl noch um Äonen in der Tiefe ihrer Seele hallen  ;)

Dankend lieben Gruß
Tula

 Naja (20.12.22, 16:30)
Teolein hat es auf der Startseite empfohlen und ich bin brav gefolgt - und was soll ich sagen? Ich habe vergessene, für mich schöne Worte hervorgekramt, z.Bsp. Scharmützel oder Kemenate, und habe jedes in den gähnenden Schlund geworfen. Erst habe ich gedacht: Nixda, von wegen Lebenserfahrung - das ist der finstere Schlund des Vergessens, so alt und von Gestern wirken diese Worte! Und natürlich habe ich Jedes fein einzeln da hineingeworfen ... ich hatte ein Kopfkino, kann ich Dir schreiben! 
Ein feines Spiel, ein Musenspiel, ich werde es jetzt regelmäßig spielen! Und jetzt gehe ich erstmal wieder zu Blücher, der wartet beim Scharmützel und ist noch lange nicht zu Ende gedacht! Das Gedankenfeuer der Kemenate kann ich hier freilich nicht preisgeben. Auf jeden Fall aber ein dickes: Daaaannnnke! :)

 Tula meinte dazu am 20.12.22 um 23:53:
Hallo Naja
Danke dir für deinen herzhaften Kommentar. Ich sehe, es kann funktionieren, man muss nur die richtigen Wörter hineinfallen lassen. Kemenate klingt jedenfalls sehr aufregend  ;)

Dankend lieben Gruß
Tula
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