Märchenerzählers Schlaflied

Kindergedicht zum Thema Märchen

von  GastIltis


Ein Feldstecher sticht nicht ins Feld.

Kein Wolkenkratzer kratzt dich.

Der Wiedergänger hat bestellt,

er sei schon wieder gnatzig.


Ein Pferdeschwanz hängt auch am Pferd.

Sonst wirkt er ziemlich niedlich.

Ein Untoter hat uns erklärt,

er wäre gar nicht friedlich.


Ein Hemm- ist ein besonderer Schuh.

Er liegt gern auf der Schiene.

Von dort winkt er dem Werwolf zu,

und zwar mit ernster Miene.


Der Springinsfeld sieht müde aus.

Er hat beim Sprung gerissen.

Der Reiter ohne Kopf, oh Graus,

er hat ins Gras gebissen.


Ein Lindwurm, wenn man ihn denn fragt,

hält sich für einen Drachen.

Der Held, der ihn ins Bockshorn jagt,

kann sich ins Fäustchen lachen.


Was sonst in dieser Nacht geschieht?

Man sieht nur noch Gespenster.

Drum mach die Luken dicht. Es zieht.

Schlaf nicht bei offnem Fenster.


Nun schlafe gut bis morgen früh,

und merk dir deine Träume.

Und morgen früh erzählst du sie,

damit ich nichts versäume.




Anmerkung von GastIltis:

Empfohlen von: tueichler, Saira, Tula, AZU20, plotzn, franky, EkkehartMittelberg, Didi.Costaire.
Schlaf gut!

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 plotzn (14.08.23, 11:27)
Servus Gil,

hoffentlich bekommen Deine Enkel keine Albträume nach diesem Schlaflied Ob's am Text oder am Sänger liegt, entzieht sich meiner Kenntnis...

Phantastisch ist es allemal.

Liebe Grüße
Stefan

 GastIltis meinte dazu am 14.08.23 um 19:53:
Lieber Stefan,
wenn es die Enkel sind, die bei den Großeltern für Albträume sorgen, dann muss man die Ursachen oft woanders suchen. Zumal sich bei vier Enkeln das Alter von 36 über 12, 10 hin bis zu 3 verteilt.
Im vorigen Jahr haben die beiden Mittleren uns damit überrascht, dass sie trotz ausdrücklichen Verbotes plötzlich spontan über den 300 m breiten See geschwommen sind, ohne auch nur ansatzweise Bescheid zu sagen. Dabei hatte ich die Aufsicht und hatte nur durch ein Gespräch mit einem Nachbarn versäumt, jede ihrer Bewegungen zu beobachten. Als dann ihr Papa plötzlich nach ihnen fragte, waren sie völlig außer Sichtweite geraten. Da kannst du dir die Aufregung vorstellen. Der Tag (und die Nacht) waren gelaufen! Da sind dann auch Tränen geflossen. Dabei hatte die Große noch gesagt, dass sie sich nicht über den Schilfgürtel hinus bewegt, weil draußen Riesenalgen lauern, die sie angeblich in die Tiefe ziehen. Woher sie diese Furcht hatte, die ich ihr versucht habe auszureden, ist mir unbekannt.
Danke und sei vielmals gegrüßt von Gil.

 EkkehartMittelberg (14.08.23, 18:10)
Mallo Gil,

mich würde interessieren, ob es gut ist, Kinder mit grausamen Märchen abzuhärten oder ob man ihnen schadet?

LG
Ekki

 GastIltis antwortete darauf am 14.08.23 um 20:11:
Ja Ekki, deine Frage ist berechtigt!
Aber, um es andeutungsweise mit Helmut Kohl zu sagen: Die Wahrheit ist anders als die Realität! Soll heißen: Oft sind die familiären Bedingungen härter als sie das Leben wünscht. So bei unserer großen Enkelin, deren Vater, der sich als freiester Mann Osteuropas bezeichnete, verstarb, als sie wirtschaftlich noch nicht selbständig war, bei den beiden Mittleren haben sich die Eltern getrennt, als der Kleine noch im Kindergarten war, und auch die Lütte ist ein Problemfall, weil ihre Mutter, eine Bulgarin, sie partout nicht los lässt.
Aber eigentlich sind alle liebenswert, und wir haben viele Abende mit Rätseln, die ich vorgelesen hatte (übrigens aus einem Buch einer Leselupe-Userin) zugebracht, aber auch mit eigenen Schöpfungen, die tiefe Einblicke in die Seelen der Kinder zugelassen haben. (Ich zitiere mal einen Satz: „Die Oma lebt; wir müssen nicht verhungern!“).
Verzeih mir die Offenheit, aber manchmal sollte es so sein.
Liebe Grüße von Gil.

 Didi.Costaire (14.08.23, 21:55)
Hallo Gil,

mit einem Feldstecher kann man ja leben, selbst wenn er mal auf Abwege gerät. Gerät man aber an einen Abstecher, sollte man den lieber nicht in die Gutenachtgeschichte einbauen und lieber ein Wenigerchen erzählen. 8-) 

Herzliche Grüße,
Dirk

 GastIltis schrieb daraufhin am 15.08.23 um 14:25:
Lieber Dirk,

ein Feldstecher hat die Vorteile,
man sieht, wenn jemand, der in Eile,
der ab und zu nicht nur beim Dichten,
oft auch beim VielvielMärverrichten
sich sehen lässt in Wald und Flur:
Mein Kind, was machen die da nur?

Danke und sei herzlich gegrüßt von Gil.

 Saira (17.08.23, 10:48)
Lieber Gil,
 
singt man dein Schlaflied einem Kindchen vor, kann es danach ganz sicher nicht mehr einschlafen und falls doch, sind ihm Alpträume vorbestimmt.

Märchen sind ja auch meist grausam, lieber Gil, aber sollte ein Schlaflied nicht eher beruhigend wirken?
 
Nachdenkliche Grüße
Sigi

 GastIltis äußerte darauf am 21.08.23 um 12:09:
Danke Sigi,
natürlich stimmt es, was du schreibst. Vielleicht sollte ich den Web anschreiben, dass er eine neue Kategorie einführt, nämlich „Kindergedicht für Erwachsene“, damit auch die großen Kinder, und zwar die, die bei den üblichen Krimis im TV eben nicht einschlafen, auch bei etwas harmloseren Gedichten wie dem von mir, in dem nicht ein Tropfen (falsches) Blut fließt, länger wach bleiben dürfen. Aber glaubst du, dass Jan auf mich hört? Ich nicht!
Sei herzlich und mit Vorfreude gegrüßt von Gil.
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram