Wintermärchen

Gedicht zum Thema Winter

von  Möllerkies


Der strenge Winter kommt mit Macht,
ich warte auf die weiße Pracht.
Ganz zugefroren ist der See,
das Einzige, was fehlt, ist Schnee.

Ich schau zum Himmel, schau zur Erd’
und hoffe, dass es schneien werd’.
Zum Wettergott ich eifrig fleh:
Sei gnädig und schick endlich Schnee!

Den Wettergott rührt meine Pein,
es fängt tatsächlich an zu schnei’n.
Die weißen Flocken rieseln sacht,
es schneit und schneit, bei Tag und Nacht.

Und weiter schneit’s, die ganze Zeit,
mein Haus ist schon ganz eingeschneit.
Ich bleib zuhaus, ich strick, ich back,
der Schnee, er geht mir auf den Sack.

Was ich auch strickte, was ich buk,
gefällt mir nicht, ich hab genug.
O Wettergott, halt endlich ein!
Er hört mich nicht, er lässt es schnei’n.

Ich strick und back, ich back und strick,
schau auf den Schnee mit leerem Blick.
Mal bin ich wütend, mal bedrückt.
Ich glaub, ich werde noch verrückt. –

Hier ist es friedlich, ist es still.
Ich klingle, wenn ich essen will.
Zum Nachtisch gibt es Pflaumenquark,
und draußen ist ein schöner Park.

Ein Herr kommt im gestärkten Kittel,
mit Stethoskop und Doktortitel.
Das Bett ist weich, das Laken rein,
und draußen sehe ich es schnei’n …
und schnei’n …
und schnei’n …


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Kommentare zu diesem Text


 Pearl (10.01.26, 01:41)
Genial!und in seiner Komik doch tragisch, die letzten Verse stimmen mich traurig, auch wenn der Ausgangsgedanke lustig ist.

Liebe eingeschneite Grüße aus Wien.

Pearl

 AchterZwerg (10.01.26, 08:15)
Das Falsche zur falschen Zeit am falschen Ort gewünscht, kann sich im richtigen Leben nicht bewähren (verzwergter Adorno  :D )

 plotzn (10.01.26, 15:17)
Servus Martin,

an den Naturgewalten kann man schon verzweifeln, aber selten so komisch wie hier. Als Hoffnungsschimmer:

Im Frühjahr liegt kein Schnee ums Haus,
dann kommst du sicher wieder raus...

Liebe Grüße
Stefasn

 Didi.Costaire (10.01.26, 16:00)
Moin Martin, 

hier hat es vorgestern und gestern geschneit und heute auch wieder. Das beunruhigt mich jetzt ein bisschen...

Schöne Grüße, 
Dirk
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