So müsste es sein

Gedankengedicht

von  Redux

 

So müsste es irgendwann sein:

ich fahre durch einen windstillen Abend
in einen Sonnenuntergang
gleich einer Supernova

Und alles ist geregelt.

Der Wagen ist vollgetankt.

Und wenn ich den Horizont erreiche,
falle ich hinunter
wie einst die Menschen des Mittelalters in ihren Ängsten.

Aber ich bin einfach nur da,
und mein Fallen ist anders als je ein Fallen zuvor.

Zum Schluss würde ich ein Haus passieren,
in dem ein kleines Kind herzerweichend weint.

Und wenn ich es zurücklasse,
wird das Kind in den Armen der Mutter lächeln.

Vielleicht ist in dem Haus auch eine Küche
mit einem Herd und einem Topf mit Milch,
die überkocht , sich vergießt
und in die Herdplatte einbrennt.
Viel später, nachts, ist die Herdplatte da,
sauber geputzt und glänzend,
der volle Mond scheint durch das Fenster,
betörend ergießt sich nächtliche Stille
und alles erstrahlt wie ein silberner Traum,
in dessen Mitte eine Fliege schläfrig verharrt
und träge ihre Flügel putzt.
Und am nächsten Morgen
startet sie durch ein offenes Fenster
in den neuen blutjungen Tag.

Und sie lebt wenige Tage länger
als ihre Freunde.

Und vielleicht liegt dort auch abseits ein Haus,
in dem ein Mensch zum ersten Mal begreift,
dass das Universum nicht leer ist.

Und alles ist geregelt.

So oder so müsste es sein.



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Kommentare zu diesem Text


 Aber (23.01.26, 06:16)
Aber zuerst den Feminismus besiegen, lieber Heribert

 Redux meinte dazu am 23.01.26 um 06:18:
...und die überflüssigen Kommentare, lieber Aaron

 AchterZwerg (23.01.26, 07:41)
Ein ganz wunderbarer Abgesang, lieber Redux.

Als ich mich einmal mit 27 in einer final anmutenden Szene befand, verschränkte ich die Arme und dachte nur: "Das war's!"
Seitdem habe ich keine Angst mehr vor dem Tod, allerdings schon noch vor langwierigen Erkrankungen.

Du beschreibst, was auch Schopenhauer behauptet. Etwas verbleibt.
Bei ihm ist es der Wille.

Schöne Grüße
Heidrun
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