Ein Junge, der Trump hieß, träumte von Macht,
vom Namen in goldenen Lettern,
vom Turm, der höher ragte
als jedes Gewissen.
Er wollte bestimmen,
wer steigt, wer stürzt,
wer spricht, wer schweigt,
wer sich beugt.
Mit den Jahren wuchs der Traum nicht –
er verhärtete sich,
fraß sich wie Rost in sein Denken,
ein Fieber unter der Schädeldecke,
ein Kranz aus kaltem Stacheldraht,
um sein Bewusstsein geschlungen.
Früh lernte er,
dass nicht Wahrheit sticht,
sondern der Trumpf,
kalt kalkuliert ausgespielt.
Er suchte nicht Wissen,
er suchte Wirkung,
Hebel, hinterhältig verborgen,
Worte, wirkungsschwer gesetzt.
Taktiken, die Wirklichkeit bogen,
Parolen, die Finsternis fütterten,
Sätze, die Lüge
zur Wahrheit hämmerten.
Er lernte, Menschen zu führen,
sie zu lenken,
sie leise gegeneinanderzustellen,
wie Figuren
auf flackerndem Feld.
Mit jedem Zug seiner Hand
tat sich der Abgrund weiter auf –
ein Sog,
schwarz, schweigend,
alles Denken krümmend.
Er setzte Lügen in Marsch,
maskiert als Tatsachen,
ließ Worte fallen,
die wie Gift die Wände hochkrochen,
wie Schimmel still in Köpfen wuchsen,
wie rostige Nägel
ins Gedächtnis schlugen.
Er versprach Größe
und säte Spaltung.
Rief nach Stärke
und streute Hass.
Und über allem
lag sein Lachen:
trocken, triumphierend.
Denn er wusste:
Die Angst, die er säte,
war stärker als jede Wahrheit.
Er rief keine Musen –
er rief Täuschung.
Ließ Misstrauen rieseln,
ließ Institutionen sinken,
wie Küsten,
vom schwarzen Wasser zerfressen.
Er zog an den Fäden der Macht,
Regisseur des Verfalls.
Die Schreie der Welt: seine Musik.
Der Aufruhr: sein Taktstock.
Er spielte mit Märkten,
mit Mauern,
mit müden Bündnissen aus Papier.
Er ließ Wahrheiten fallen
wie Karten aus gezinkter Hand,
schob Staaten,
schwere, schwankende,
über ein Brett aus Furcht.
Und immer lag er obenauf:
der ausgespielte Trumpf
im taumelnden Spiel der Wirklichkeit.
Er ließ Krieg in Köpfe sickern
wie Rauch
in verriegelte Räume.
Die Welt wurde Schlachtfeld,
und er – der große Stratege –
stand darüber,
stumm staunend,
wie sie zerbrach.
Er zog nicht nur Fäden.
Er spann Netze.
Aus Lüge.
Aus Lärm.
Aus Wahn.
Das Böse war sein Werkzeug,
sein Hochmut der lautlose Griff.
Als das Chaos die Welt verschlang,
brüllte er nach mehr Macht,
rang nach ihr wie nach Luft,
mehr Zerstörung, mehr Leid,
mehr Risse im runzelnden Gefüge der Welt.
Mehr Feinde zum Formen.
Mehr Feuer zum Führen
Er wusste, er hatte gewonnen,
denn in seinem Spiel
war nichts mehr sicher,
kein Gedanke frei,
keine Wahrheit unversehrt.
Er hatte das Böse nicht entfesselt.
Er hatte ihm ein Podium gebaut.
Und wurde selbst:
Ein Mahlstrom aus Stimmen,
ein schwarzes Gravitationsfeld,
ein Riss im rauschenden Denken der Welt,
ein Spiegel,
der nur Verzerrung gebar –
der Wahnsinn selbst,
der alles verschlang.
©Sigrun Al-Badri/ 2026