Mantra der flüssigen Sterne

Gedicht zum Thema Reflexion

von  Saira

Fließt, Gedanken, fließt,
wie Glühwürmchen über dunkle Seen,
wie Lichtfäden durch die Hände der Nacht.

 

Sei still, Seele, sei still,
erkenne dich im Atem des Anderen,
im Echo, älter als Worte,
im Funken, der aus der Stille fällt.

 

Dreht, Blätter, dreht,
verschiebt euch heimlich,
bis selbst der kleinste Samen
ein Baum aus leuchtender Geduld wird.

 

Schweige, Stimme, schweige,
denn der Fluss der Ruhe poliert
unsere Einwände zu Kieseln aus Licht,
die wir auf geheime Wege legen.

 

Wandere, Zweifler, wandere,
deine Schritte malen Wege in den Schatten,
deine Zweifel tropfen Gold
durch das dunkle Feld.

 

Schreibe, Herz, schreibe,
fühle, umarme und fließe weiter,
denn das Universum hält alles in Bewegung,
biegt Berge, gießt Sonne in Tunnel,
macht selbst die Nacht zum Tanz aus flüssigen Sternen.

 

Danke, Wärme, danke,
dass du durch Hände, Gedanken, Räume gleitest,
unsichtbar und doch unendlich spürbar,
bis jeder Funke, so klein er sei,
ein Universum entzündet.

 

Fließt, Gedanken, fließt.

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026





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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (06.03.26, 13:12)
Liebe Saira,
ist dieser Text schön- voller inhaltsreicher Gedanken. Das verhärtete Herz hat es schwer, diesen Bildern zu folgen! Wer seid "ihr", wer "euch"?
Es sind jene, die getäuscht, gelullt und eingefangen, einbezogen sind in völlig absurde Ideologien, die berauscht sind von dem Gedanken, dass sie es auf  "ihre" Weise  schon richten werden, und es wird sichtbar, dass diese Charaktere niemals den Friedensnobelpreis erhalten werden, so oft und solange sie danach buhlen werden.
Diese Menschen, die nach "ihr" und "Euch" fragen, müssen alles Übernommene ablegen und ihre Persönlichkeit von Grund auf neu gestalten. Es tut mir leid, solche Worte hier auf KV anlässlich Deines Textes auszusprechen.

Lieber Gruß!
Reli

 Saira meinte dazu am 06.03.26 um 19:56:
Lieber Reli,

ich lese in deinem Kommentar den Schmerz darüber, wie leicht Menschen sich von Ideologien betören lassen und wie schwer es ist, den Weg zurück zu sich selbst zu finden. Genau an dieser Stelle berührt sich dein Gedanke mit meinem Gedicht.

Das „ihr“ und „euch“ im Gedicht ist bewusst weit gefasst. Es meint nicht eine bestimmte Gruppe, sondern uns Menschen selbst – die Suchenden, die Zweifelnden, die Verwundbaren. Jene, die fühlen, fragen, auch einmal stolpern und dennoch weitergehen. Gerade weil der Mensch verführbar ist und sich im Dickicht der Gedanken verlieren kann, braucht es diese Bewegung der Besinnung, dieses stille Innehalten, von dem der Text erzählt.

Der Fluss der Gedanken, von dem ich schreibe, soll kein Rausch sein, sondern eher das Gegenteil: ein stilles Zurückfinden. Weg von Parolen und starren Gewissheiten, hin zu jener inneren Weite, in der Zweifel wieder zu etwas Fruchtbarem werden können – vielleicht sogar zu dem „Gold“, das durch dunkle Felder tropft.

Deine Gedanken zeigen mir, dass du den ernsten Kern hinter den Bildern gespürt hast. Dafür danke ich dir sehr.

Herzliche Grüße
Saira
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