Ein informatives Gespräch

Text zum Thema Begegnung

von  niemand



Sag mal, ist das nicht der Zug nach Dingsbums,

der von, du weißt schon? Ja, nee. Wie damals,

als du. Ich denk ja heute noch daran, wie dieses,

wie hieß das nochmal? Genau! Mann, war das

ein Ding. So was von, das glaubste nicht. Und dann

die vielen, na, die immer so, wie wir auch. Vielleicht

ab und zu mal anders, aber sonst. Kannste dich

an den, wie hieß er denn noch, erinnern? Das war einer

mit so einem „Bzzzt“ auf dem Schädel. Weißt du nicht mehr,

was? Ist ja auch lange her. Aber seine Dingsda, die immer

so mit den Schultern, so als ob. Genau. Nee, weiß du auch

nicht. Wenn du dich nicht an ihn erinnerst, dann haste

auch sie nicht im Kopf. Apropos Kopf, die hatte

vielleicht einen, da sagste nix, das war vielleicht,

nee. Das war doch damals, wie hieß denn dieser Ort nochmal?

Ach, so, hab ich jetzt nicht gedacht. Ich dachte anders,

so vom Klang her, wie sagt man? Wir könnten doch eigentlich,

oder nicht? So einfach, ohne zu überlegen, ganz spontan. Was

meinste? Du willst nicht nach dort? Na, ja, nach irgendwo geht

nicht, da musste schon wissen wo. In zehn Minuten ist

Abfahrt. Warum eigentlich nicht? Auf jeden Fall weiter

als Dingsbums. Vielleicht nach Soundso? Da war doch mal

was. Fällt mir nur nicht mehr ein. Du willst gar nicht? Dann

fahr ich alleine. Ich ruf dich an! Bestimmt! Oder ruf du mich

an, wenn du in, na sag mal, angekommen bist. Ja, ja, so heißt

es, jetzt weiß ich es wieder. Also, ruf an! Meine Nummer?

Irgendwas mit 2 und 5. Hab ich vergessen, sag ich dir aber

wenn ich anrufe. Ganz bestimmt! Also ruf mich an, ja?



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Kommentare zu diesem Text


 Vaga (11.08.26, 21:03)
Ich muss ja fast wieder durchweg schmunzeln, liebe Irene, (u.a. wegen des gekonnten Jargons, den du hier beispielhaft imitierst) obwohl mir andererseits der tragische Tenor dieses Erlauschten durchaus bewusst wird: 
Da treffen sich zwei Typen zwar physisch (auf einem Bahnhof), aber geistig verfehlen sie sich komplett. Verstehen, um es mit einer gebräuchlichen Redewendung zu untermalen (und zu deiner gewählten Location passend), noch nicht einmal Bahnhof

Im Alltag begegnen uns ja solche Gesprächssituationen hin und wieder, wenn sich die Gelegenheit ergibt, zuhören zu müssen, ohne selbst involviert zu sein. Da wird munter aneinander vorbeigeredet in aufs Knappeste zugeschnittenen Wortreihen und verbalen Abbrüchen an den Satzenden. Manchmal nimmt dann - so wie hier von dir so eindringlich bewortet - eine Person sogar die (alleinige) Gesprächsführungsposition ein und lenkt sein Gegenüber verbal dermaßen in die Irre, dass es einem (zuhörend) schwerfällt, sich nicht einzumischen bzw. den Mund fein geschlossen zu halten .
Das Phänomen einer Nicht-Begegnung (auf Augenhöhe) hast du hier total gut geschildert, ja fast bebildert, denn ich kann es mir auch visuell unheimlich gut vorstellen. Diese Kombination aus Bruchstückhaftem und Entgegnungsschwierigkeiten macht das Fortfahren eines Gesprächs zum Zwecke des Informationsaustauschs m. E. ohnehin unmöglich. Der Zug
nach Dingsbums
ist für beide bereits ab dem ersten Satz abgefahren und zum Aufspringen auf den Zug
nach Soundso?
ist es am Ende für beide zusammen, vor allem für das dumm und dämlich gequasselte Gegenüber, auch zu spät.  

LG - Vaga 

Kommentar geändert am 11.08.2026 um 21:04 Uhr
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