Schwelle

Gedicht zum Thema Leben/Tod

von  Saira

Zwischen Atemzügen

stockt

das Dazwischen.

 

Ein Riss

im Gewebe der Zeit.

 

Kein Davor.

Kein Danach.

Nur der Spalt.

 

Blick

ohne Richtung.

 

Schwere

ohne Fall.

 

Raum.

 

Ein Schritt.

 

Kein Boden.

 

Dichte.

 

Luft

wird Schwelle.

 

Hände.

 

Nicht Berührung.

 

Nachhall

von Berührung.

 

Herzschlag.

 

Körperlos.

 

Echo

des Namenlosen.

 

Alles zugleich.

 

Atem.

Stillstand.

Wärme.

 

Ohne Ursprung.

 

Form

lässt los.

 

Nicht Wille.

Nicht Entscheidung.

 

Nur Nachgeben.

 

Tiefer

als Tiefe.

 

Kein Gegenüber mehr.

 

Gegenwart

wird durchlässig.

 

Der Raum

kippt

ins Unbewegte.

 

Grenzen

verlernen

ihren Rand.

 

Kein Zurück.

Kein Vorwärts.

 

Nur Hinüber.

 

Hinüber

ohne Ort.


 

Anderswelt




©Sigrun Al-Badri/ 2026







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Kommentare zu diesem Text


 Regina (30.06.26, 09:45)
Das ist meiner Meinung nach recht zutreffend beschrieben. LG Gina

 EVdR (30.06.26, 10:37)
Hallo Saira, 

dein Gedicht fasziniert durch seine enorme handwerkliche Dichte und die präzise, fast meditative Struktur, mit der du dieses 'Dazwischen' einfängst.

Spannend ist für mich, wie unterschiedlich wir diese Grenze wahrnehmen: Wo dein Text ein fast friedliches, geordnetes Loslassen und Nachgeben beschreibt, verbinde ich mit dem absoluten Nullpunkt eher eine radikale Orientierungslosigkeit und eine zähe Zeitdehnung – das nackte, fragmentarische Erleben ohne jede Struktur.

Gerade diese Reibung macht dein Gedicht für mich so wertvoll: Es zeigt eine zutiefst tröstliche, fast sakrale Vision der Schwelle. Ein starker, bewegender Text!

Der Mensch hinter und an der Seite von
EVdR
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