Die hohe Kunst des Doppelkopfs

Gedicht zum Thema Spaß

von  Saira

Vier sitzen da, das Blatt zur Hand,
und jeder hält sich für brillant.
Noch eh das erste Spiel beginnt,
glaubt jeder schon, dass er gewinnt.

 

Die Dulle sticht, das Schweinchen lacht,
der Fuchs wird sorgsam gut bewacht.
Ein jeder plant mit klugem Blick,
und hofft dabei auf Kartenglück.

 

„Bedienen!“, mahnt man voller Pflicht,
doch einer meint: „Das muss ich nicht!“
„Die Farbe fehlt, nun bin ich frei!“
Schon ist die Tischruh’ fast vorbei.

 

Die Farbe fehlt, der Trumpf kann ran,
weil man nun endlich stechen kann.
Doch fällt der Fuchs dem Gegner zu,
ist’s aus mit Freundschaft, Fried und Ruh.

 

Die Damen stolz, die Buben keck,
sie trumpfen jeden König weg.
Das Ass war eben noch ganz groß,
nun ist es seinen Hochmut los.

 

Die Hochzeit kündigt sich nun an,
die beiden Alten sind nun dran.
Kein Ring, kein Kuss, kein Blumenstrauß,
nun sucht die Braut den Partner aus.

 

Der erste Fremde holt den Stich
und denkt beglückt: „Sie nimmt wohl mich!“
So schnell kommt man wohl selten dran,
als frisch erwählter Ehemann.

 

Und findet sich partout kein Mann,
fängt sie ihr Solo selber an.
Die Braut spielt lieber ganz allein,
als schlecht vermählt im Spiel zu sein.

 

Doch plötzlich heißt es: „Solo!“ – „Nein!“
Nun kämpft der Spieler ganz allein.
Ob Trumpf, ob Farbe – ganz egal,
für einen Lust, für drei die Qual.

 

Beim Bubensolo herrscht der Bub
und führt allein den ganzen Klub.
Beim Damensolo dreht sich’s um,
da bleiben alle Buben stumm.

 

Beim Fleischlos herrscht ein neuer Brauch,
die Trümpfe schweigen, Damen auch.
Nun zählen König, Zehn und Ass,
ein Spieler wird vor Ärger blass.

 

Vier Spieler, jeder gibt sich schlau,
doch keiner weiß es ganz genau.
Man blufft und rechnet voller List,
bis keiner weiß, woran er ist.

 

„Re!“ tönt es kühn. „Kontra!“ zurück.
Nun zählt das Können und das Glück.
Der eine jubelt hoch entzückt,
der andre schaut schon leicht bedrückt.

 

Kaum ist der letzte Streit vorbei,
sind alle wieder sorgenfrei.
Schon wird das nächste Blatt verteilt,
bis neuer Ärger sie ereilt.

 

„Du musst doch Trumpf bedienen hier!“
„Was willst du eigentlich von mir?“
„Den Fuchs spielt man doch niemals aus!“
„Ach komm, nun mach kein Drama draus!“

 

Und wer nach vierzig Jahren meint,
dass Doppelkopf die Menschen eint,
der weiß, was dieses Spiel verspricht:
Ganz ohne Herzblut geht es nicht!

 

Denn Taktik, Freundschaft, Glück und Zoff
gehören fest zum Doppelkopf.
Kaum ist die letzte Karte fort,
beginnt der Streit ums letzte Wort.

 

Man packt schon seine Sachen ein,
da fällt dem Ersten wieder ein:
„Ein letztes Spiel, dann ist auch Schluss!“
Was jeder hier bezweifeln muss.

 

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026

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Bild mit KI-Hilfe erstellt.

 

 

*die Alten = Kreuz-Dame plus  Kreuz-Dame









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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (12.08.26, 11:05)
Hallo, Saira, 18 Strophen Doppelkopf,
gezählt und gewogen! Meine Güte. Und so realistisch!
Die zweite Herz 10 sticht die Erste? Ach, es gibt so manche Variation, die noch mehr Aufregung verspricht. Das ist wie beim Skat - Grand ohne vier Buben!
Gerne gelesen!
Lieber Gruß!
Reli

Kommentar geändert am 12.08.2026 um 11:06 Uhr
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