Es gibt das N-Wort, das Z-Wort, das F-Wort; wir gendern brav und entgiften unser politisch unkorrektes Vokabular, immer fürchtend, dass wir uns doch wieder verbaler Mikroaggressionen schuldig machen. Klar, dass man da auch in zwanglos-privater Runde schon mal Sprachhygiene betreiben muss…
Hier ein Gedächtnisprotokoll … für den Fall, dass wir uns einmal rechtfertigen müssten.
„Darf man das noch sagen - Männer? Oder gar Frauen?“ Mein Freund Moser-Genderlein fragte das ausgerechnet mich. Um selber gleich weiter zu argumentieren:
„Existentielle Wörter, die im Laufe der Geschichte derart viel Schuld auf sich geladen haben! Sie haben entwürdigt, missbraucht und instrumentalisiert“, ereiferte er sich. Ich mochte da nicht widersprechen.
„Aber wir können inzwischen wenigstens gendern,“ sagte ich - auch, um ihn ein wenig zu beruhigen.
„Mit jeder weiteren Nutzung können sich diese Traumata doch nur weiter verewigen!“ kam es.
Ich nickte beflissen, wobei ich mit Männern und Frauen eigentlich noch ganz gut könnte.
„Nein! Neue, unbelastete Wörter müssen her“, ereiferte sich Moser-Genderlein.
„Und da willst du – vormals noch Mann genannt - bestimmen, wie neuerdings dann dieses andere Geschlecht zu heißen hätte?“
Mein Freund Moser-Genderlein war vorbereitet, und er hatte auf diesen Einsatz quasi gewartet:
„Menstruierende! So würde ich die nennen. Statt des Unwortes Frauen hätten wir damit einen biologisch eindeutigen Begriff, der allen gerecht würde, egal welche Herkunft, Religion oder Klasse“, schlug er geradezu begeistert vor.
„Hmmm,“ machte ich. So ganz mochte ich seiner Begeisterung nicht folgen. Mir klang das zu klinisch. Und dann ein Fremdwort ausgerechnet für die, die uns immerhin das Leben schenken… Aber Moser-Genderlein war so in Fahrt, dass ich ihn da nicht drauf festmachen wollte.
„Und für uns, die wir auf die Herrentoilette müssen? Wie heißen wir dann?“ fragte ich stattdessen weiter.
„Ejakulierende!“ kam es prompt.
Wieder so ein steriles Fremdwort, schoss es mir durch den Kopf. Und dann so lang! Wie sollte ich meinen Freund von diesen misslichen Wortmonstern abbringen? Die biologischen Grundfertigkeiten sind ja nicht alles. Und hier zusätzlich in der Form des Partizips Präsens – als ob das Dauerzustand wäre… Hmm. Ich trat einfach die Flucht nach vorn an.
„Können wir nicht die ganze Gattung Mensch in eins packen“, schlug ich hintersinnig vor. „Kultur- und Geschlechterübergreifend, sozialintegrativ-versöhnlich?“ Moser-Genderlein sollte ruhig merken, dass ich mich lieber aus dieser verstiegenen Wortklauberei heraus mogeln wollte. Er schien meine Ironie aber gar nicht wahrzunehmen, denn er ging tatsächlich darauf ein.
„Ja, wie könnte deine Unisex-Formel denn lauten?“
Ich wusste keine. Nur irgendwie ein Partizip Präsens musste her, um im Bild zu bleiben. Naja, und dann hatte ich nur:
„Wir sind doch alle irgendwie Herumpimpernde – oder?“