Grenzen der Kreativität?

Ansprache zum Thema Betrachtung

von  EkkehartMittelberg

In Asche Babylons fand man die Klage,

verbraucht sind die Stoffe der Literatur,

Man könne schreiben dasselbe nur

begrenzte Kreativität , das ist die Frage.

 

Vielleicht ist dein Gedanke schon gedacht.

Wozu ihn ihn also wiederholen,

verfeuerst doch verbrannte Kohlen,

hast wiederholt statt originell gemacht.

 

Bedenke freilich, wer es so gesagt,

wie du mit deiner eignen Sicht gefragt

und neue Noten hast gesungen.

 

Nuancen machen  Kreativität,

die  aus dem Korsett befreit

und Altes ist jetzt neu erklungen.


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Anmerkung von EkkehartMittelberg:

Bild mit KI erstellt

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Kommentare zu diesem Text


 plotzn (03.10.26, 09:29)
Servus Ekki,

je mehr geschrieben wurde, umso schwieriger ist es, was Neues zu Papier (bzw. in die Cloud) zu bringen. Eine neue Nuance oder ein neuer Aspekt eines bekannten Themas sind da eine Möglichkeit. Daneben gibt es auch Fortschritt, Erfindungen, neue Erkenntnisse, die neue Themen eröffnen...

Liebe Grüße
Stefan

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.10.26 um 16:42:
Gracias, Stefan,
an Erfindungen und neue Erkenntnisse als Quellen für neue Themen hat der Autor von Babylon nicht gedacht.
Liebe Grüße
Ekki

 sorrynocoffee (03.10.26, 10:04)
Moin Ekki,
 
ja, vielleicht war alles schon mal da. Auch in der Musik setzen Coverbands auf Wiederholung statt auf Originalität, indem man bspw. versucht, die Stimmen der Originalinterpreten möglichst perfekt zu imitieren. Ich finde das super schade. Wie aus deiner letzten Strophe hervorgeht, machen Nuancen den Unterschied. Zum Glück geht es auch anders. Ob "A Whiter Shade of Pale" Johann Sebastian Bach gefallen würde? Aus einem Schuss "Air" entstand ein völlig neuer Song.
 
Grüßle und schönes Wochenende,
sonoco

 EkkehartMittelberg antwortete darauf am 03.10.26 um 16:49:
Merci sonoco, es ist allgemein nicht so bekannt, dass das Kunstideal der Antike, variable imitatio, bis zum Sturm und Drang galt, als mit der Forderung nach Originalität das moderne Kunstverständnis begann.
Servus und ebenfalls schönes Wochenende
Ekki

 Saira (03.10.26, 10:11)
Moin Ekki,

Gedanken sind ein bisschen wie alte Melodien. Die Töne waren schon lange vor uns da. Und trotzdem klingt eine Melodie anders, wenn ein anderer Mensch sie spielt.

So empfinde ich es auch beim Schreiben. Es muss gar nicht immer etwas völlig Neues sein. Entscheidend ist doch, was ein Mensch aus einem Gedanken macht, was er selbst erlebt hat und mit welchen Augen er darauf schaut.

Über Liebe, Angst, Hoffnung oder Verlust ist schon unendlich viel geschrieben worden. Und trotzdem gibt es Sätze, die uns plötzlich berühren, weil jemand etwas auf seine ganz eigene Weise gesagt hat.

Der Gedanke kann also alt sein. Unser Blick darauf ist es nicht.

Liebe Grüße
Sigi

Kommentar geändert am 03.10.2026 um 10:11 Uhr

 Reliwette schrieb daraufhin am 03.10.26 um 10:20:
Liebe Saira, weise Worte! Ich habe dazu aus einer anderen Perspektive auch etwas zu schreiben.
Lieber Gruß! Hartmut

 EkkehartMittelberg äußerte darauf am 03.10.26 um 16:55:
Grazie, Sigi, so ist es: Das Alte, anders beleuchtet, kann neu funkeln.
Liebe Grüße
Ekki

 Reliwette (03.10.26, 10:17)
Hallo Ekki,
es stimmt; fast alles ist zu allem gesagt,  geschrieben, ha ha und gesungen worden.Themen wiederholen sich, aber Personen und damit in Zusammenhang stehende Ereignisse, welche die gesellschatlichen Zustände betreffen, gehören in die Kunst, und meiner unmaßgeblichen Auffassung nach, die Literatur, denn Literatur kann Kunst sein, wie übrigens die Kunst auch Kunst sein kann, komisch, nicht?
Lieber Gruß!
Hartmut

 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 03.10.26 um 17:03:
Spassibo, Hartmut, du lenkst die Diskussion darauf zurück, dass neben variierten überkommenen Motiven auch der gesellschaftliche Wandel neue Themen erzeugt, die freilich nicht schon deshalb Kunst sein müssen, weil sie neu sind.Lieben Gruß zurück
Ekki

 S4SCH4 (03.10.26, 13:06)
Hallo Ekki, 

dieser dein Beitrag hat, zusammen mit einer Überlegung die ich seit einiger Zeit bereits hatte, zu einem weiterführenden Gedanken in der Sache geführt, den ich separat als Text eingestellt habe. 

 klick it

Ohne Dich wäre der Text mir heute nicht zustande gekommen. 
Ein weiterer Beweis dafür, dass der Mensch nur zusammen vollständig wird, ohne es je zu sein. Zumindest eine Zeit lang.

Danke Dir und allerbeste Grüße. 
Sascha

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.10.26 um 18:32:
Hallo Sascha, 
ich freue mich, dass ich dich zu einem Text inspirieren konnte. Ich brauche noch etwas Zeit, um Altes abzuarbeiten. Dann werde ich gerne auf deinen Text eingehen.
Mit besten Grüßen zurück
Ekki

 Verlo (03.10.26, 17:20)
Ekki, Kreativität ist nicht auf die Kunst beschränkt.

Vielleicht ist die Kunst an sich auch das Feld, wo am wenigsten Kreativität gebraucht wird, weil Kunst für Menschen gemacht wird, und die haben sich seit Urzeiten nicht wirklich verändert.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.10.26 um 18:36:
Hallo Verlo,
dein Hinweis ist wertvoll für alle Künstler, die mehr oder weniger dazu neigen, sich zu wichtig zu nehmen.
Danke
Ekki

 Moppel (03.10.26, 17:27)
natürlich ist das Themenspektrum begrenzt, aber jeder setzt es ja anders um. Und das ist das, was Spass macht. lG von M.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.10.26 um 18:40:
Hallo Moni,
in deinem Kommentar steckt eine wichtige Erkenntnis. Auch in der Modernen ist es neben der Originalität die variable Imitatio, die Kunst ausmacht.
LG
Ekki

 Vaga (05.10.26, 12:25)
Hallo, Ekkehart, dein Gedicht, das - explizit in der letzten Strophe - für die "Nuance" eintritt, die uns aus dem formalen Korsett befreit, verführte mich selbstverständlich mit jeder Zeile zunehmend zum Nachdenken. Beim Lesen bin ich jedoch an einer ganz bestimmten Stelle hängengeblieben – und zwar in der zweiten Strophe:
Wozu ihn ihn also wiederholen
Ich nehme an, du kennst mittlerweile meinen ausgeprägten Spaß daran, zwischen den Zeilen nach Freud’schen Fehlleistungen zu stöbern - und hier bin ich voll auf meine Kosten gekommen ! Ich habe mich gefragt, ob diese Doppelung des Wörtchens ihn ein genial platziertes, bewusstes Stilmittel ist oder ob dir hier einfach eine herrliche unbewusste Fehlleistung unterlaufen ist.
Sollte es Absicht gewesen sein, ist es meines Erachtens eine grandiose performative Ironie: Der Text kritisiert die unoriginelle Wiederholung und führt sie mir im selben Atemzug physisch vor Augen. Es sieht aus wie ein Stottern in der Matrix der Sprache, womit mir die Sinnlosigkeit des Redundanten perfekt inszeniert zu sein scheint.
Sollte es dir jedoch unbewusst unterlaufen sein, wird es wie ich finde fast noch spannender. Dann hätte dein Unterbewusstsein hier als genialer Co-Autor agiert . Während der Verstand das Wiederholen intellektuell verbietet, schlägt das Tippen dem Dichter ein Schnippchen und demonstriert die Wiederholung einfach direkt.
Und wie um diese These zu bestätigen, schleicht sich in der letzten Strophe gleich die nächste unbewusste Fehlleistung ein. Dort schreibst du ja:
Nuancen machen Kreativität, die aus dem Korsett befreit
Eigentlich verlangen die Nuancen (zumindest für mich im Lesefluss) im Plural grammatikalisch nach befreien. Dass das Verb hier im Singular verharrt, tendiert für mich zum nächsten Freud’sche Versprecher: Dein Text wartet gar nicht erst ab, sondern sprengt das grammatikalische Korsett einfach direkt beim Schreiben.
Ob nun bewusster Geniestreich oder unbewusste Fehlleistung: Für mich persönlich sind ausgerechnet diese Brüche die ehrlichsten und lebendigsten Nuancen des ganzen Gedichts. Sie machen die Theorie von der Kreativität sofort zur Praxis.

Lb., schmunzelnde Grüße - Vaga

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 09.10.26 um 12:22:
Hallo Vaga,
ich freue mich, so viel zu deiner Unterhaltung beitragen zu können.
Spendable Grüße
Ekki

 Vaga meinte dazu am 10.10.26 um 09:33:
Lb. Dank für deinen Re-Kommentar, Ekkehart. Es hätte mich wirklich sehr interessiert, wie es zu der Dopplung in Zeile 6 kam. Magst du es mir vielleicht doch verraten?
Herzl. Gruß - Vaga
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