Das Rot hat sich ins Land gebrannt,
der Abend trägt ein fremdes Kleid.
Sie steht am Saum von Staub und Sand,
ihr Blick durchschneidet Raum und Zeit.
Das weiße Tuch umschließt ihr Haar,
als trüge sie ein Stück vom Meer.
Die Stirn bleibt kühl, die Augen klar,
der Tag versinkt, die Luft wird schwer.
Die Glut zerfließt auf ihrer Haut,
die Ferne schweigt im Niemandsland.
Ihr Blick bleibt wach und unvertraut,
die Nacht zerreibt den Wüstensand.
Der Wind hat jedes Wort verweht,
die Erde hütet ihren Grund.
Was tief in ihren Augen steht,
bleibt ungesagt in ihrem Mund.
Ein heller Stoff umhüllt die Zeit,
in seinen Falten ruht ein Traum.
Er trägt die Last der Ewigkeit
und schenkt dem Ungesagten Raum.
Kein fremdes Zeichen hält sie fest,
kein Urteil reicht an sie heran.
Was sie der Welt im Stillen lässt,
fängt erst in ihren Augen an.
Die Stunden büßen ihren Lauf,
das letzte Licht versinkt im Staub.
Die Schatten steigen langsam auf,
der Wind verfängt sich tief im Laub.
Und hinter ihr verglüht die Welt,
der letzte Schein im Dunkel bricht.
Sie steht, von keinem Wort erhellt,
und trägt ihr eigenes Gewicht.
©Sigrun Al-Badri/ 2026

Acryl auf Leinwand, gemalt von Sigrun Al-Badri/ 2016