Chalkidikische Katzen

Verserzählung zum Thema Hunger

von  TassoTuwas

Über dem Weg hinunter zum Strand

flimmert die Luft in der Mittagshitze

aus Unrat und Dreck am Wegesrand

ragt hier wie dort eine Nasenspitze

glanzlos und stumpf das fleckige Fell

spannt sich um die spitzen Knochen

wie ein abgemagertes Rippengestell

hier haben sie sich scheu verkrochen


Und auf der anderen Seite des Pfades

liegen versteckt unter alten Autoreifen

Cousins und Cousinen zweiten Grades

bekämpfen ihr tägliches Magenkneifen

lecken sich langsam die dürren Pfoten

unten am Strand in der Sonne bleichen

ein paar Fischköpfe neben den Booten

heut wird wieder nicht für alle reichen


Manchmal wenden sie alle zugleich ihr schmales Gesicht

hin zum Blau der Ägäischen See und ihre Augen leuchten

denn am fernen Horizont steigen aus Dunst im Gegenlicht

die Trieren des Themistokles auf aus den Wasserfeuchten

Kurs Salamis erschallen Kommandorufe von Bord zu Bord

sie erschnuppern bis hier wie die Ruderknechte schwitzen

sehen die Rüstungen aufblitzen und verstehen jedes Wort

wenn sie in die Windfetzen hinein ihre Ohren spitzen


Beim Hinunterschleichen gebt gut Acht

denn hinter dem Schatten der Taverne

ist der große gefleckte Hund erwacht

der hat euch Katzen besonders gerne

hat die Nase hoch in die Luft gesteckt

sich geschüttelt gekratzt und gelacht

gegähnt das gewaltige Gebiss gebleckt

er hat schon fünf von euch umgebracht 




 





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Kommentare zu diesem Text


 Aber (09.07.26, 05:35)
Hauptsache, der Hund leidet keinen Mangel.

 TassoTuwas meinte dazu am 09.07.26 um 11:22:
Ich hab dich schon immer im Tierschutzverein vermutet.

 Aber antwortete darauf am 09.07.26 um 11:53:
Abteilung Dichtkäfer.

 Saira (09.07.26, 09:29)
Lieber Tasso,

es ist kaum auszuhalten, wie nah Schönheit und Leid manchmal beieinanderliegen. Da ist das glitzernde Meer, die Sonne und gleichzeitig diese Tiere, die jeden Tag ums Überleben kämpfen.

Traurige Grüße
Sigi

 TassoTuwas schrieb daraufhin am 10.07.26 um 13:54:
Hallo Sigi,

leider hat die Achtung vor der Kreatur in südlichen Zonen nicht die Verbreitung gefunden, die für uns selbstverständlich ist.

Liebe Grüße
TT

 Citronella (09.07.26, 11:01)
Nicht nur auf Chalkidiki, lieber Tasso. Ich erinnere mich an eine kleine Taverne auf Ikaria, wo mehrere Katzen das Essen fast unmöglich machten, da sie ständig unter dem Tisch herumlungerten und erst Ruhe gaben, wenn man ihnen kleine Fischbrocken zuwarf. Auch sie sahen bemitleidenswert mager aus. Hunde gab es da allerdings nicht.
Ist aber schon lange her, ich weiß nicht, ob das immer noch so ist.

LG Citronella

 TassoTuwas äußerte darauf am 10.07.26 um 13:59:
Es wird wohl immer noch so sein. Oft liegt es an alten Traditionen oder an der Gleichgültigkeit der Menschen.

Gruß TT

 plotzn (09.07.26, 11:43)
Servus Tasso,

es ist zum Katzenjammern. Arme Kreaturen!

Die dritte Strophe fällt aus der Zeit und der Form. Das ist sicher beabsichtigt, aber ich steige nicht dahinter. Erlöst Du mich?

Liebe Grüße
Stefan

 Aber ergänzte dazu am 09.07.26 um 11:51:
Stimme Stefan zu, der letzte Absatz ist nicht unbedingt nötig.

 TassoTuwas meinte dazu am 10.07.26 um 14:09:
Moin Stefan,

als Erlöser hab ich es mal versucht, ich muss gestehen, ziemlich erfolglos!
Das ständige Vorbild sein kann ganz schön nerven  :ermm: !

Mein Tipp, denk dir was Schönes aus.

Liebe Grüße
TT

 Didi.Costaire (09.07.26, 16:13)
Moin Tasso,

die Gegensätze sind erschreckend und daran sind nur zu einem ganz kleinen Teil die Hunde schuld.

Die Menschen haben es erheblich besser
und wenn in Griechenland die großen Esser
buffetwärts hastig gen Salamis streben,
gibt's Schinken satt zudem und was zu heben,
zu naschen und natürlich auch zu dippen.
Da hat ein jeder etwas auf den Rippen.

Liebe Grüße,
Dirk

 Aber meinte dazu am 09.07.26 um 16:35:
Wobei man sich nach der WM schon ziemlich schämt, Deutscher zu sein, Dirk.

 SiebenÄpfel (09.07.26, 17:54)
Hallo Tasso, die größte Ansammlung von Straßenkatzen sah ich vor über zwanzig Jahren in Rom, einäugig, hinkend, mit irrem Blick wühlten sie in einem Park in einem Haufen Müllsäcke. Dein Gedicht finde ich sehr gelungen, realistische Poesie. Die dritten Strophe ist kompositorisch stark, unbedingt behalten! Liebe Grüße!

 TassoTuwas meinte dazu am 10.07.26 um 09:38:
Hallo SiebenÄpfel,
die dritte Strophe unterscheidet sich ganz bewusst in Länge Thematik, vom den anderen.
Das mag für viele verwirrend sein, gibt aber dem Gedicht m.E. einen besonderen Kick.
Einen Zusammenhang zu finden wird nicht jedem gelingen.
LG und herzlichen Dank
TT

 SiebenÄpfel meinte dazu am 10.07.26 um 09:43:
gibt aber dem Gedicht m.E. einen besonderen Kick.
Ja, das sehe ich auch so, obwohl ich eher Tiefe sagen würde. Liebe Grüße!

 TassoTuwas meinte dazu am 10.07.26 um 09:46:
Du sagst es besser  :) !

 harzgebirgler (09.07.26, 17:56)
bei facebook sind sie auch präsent
und hoffen auf ein happy end
durch tierlieb's herz das angerührt
nebst spendet gern auch adoptiert. 

lg
henning

 TassoTuwas meinte dazu am 10.07.26 um 14:18:
So sind sie also weltbekannt
doch ihr Dasein wird's nicht ändern
sie vegetieren weiterhin am Straßenrand
und träumen von fernen Ländern

LG TT
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