Unbekannter Soldat

Aphorismus zum Thema Krieg/Krieger

von  Saira

Wir schicken Menschen mit Namen in den Krieg und errichten Denkmäler, wenn keiner mehr weiß, wie sie hießen.

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (22.09.26, 18:01)
Liebe Saira,
Wer Menschen in den Krieg schickt, sie zwingt zur Waffe zu greifen und diese gegen Menschen zu richten, entzieht sich meinem Verständnis.
Ich war 18 Monate Soldat und wurde gezwungen, den Fahneneid abzulegen, aber Pustekuchen, ich habe nicht mitgesprochen, hat niemand gemerkt... 

Lieber Gruß!
Reli

 AchterZwerg meinte dazu am 23.09.26 um 07:43:
Pfui, du Unpatriot!  :(

 Saira antwortete darauf am 23.09.26 um 18:17:
@Reliwette

Lieber Reli,

hinter jedem „Soldaten“ bleibt ein einzelner Mensch mit Namen, Gewissen und eigener Entscheidung. Staaten können Gehorsam verlangen. Über das Denken des Einzelnen verfügen sie damit nicht.

Liebe Grüße
Saira

 Reliwette schrieb daraufhin am 23.09.26 um 19:02:
Liebe Saira,
 ich stimme dir zu. Ich habe in Steenfelde die sechste Stele aus unvergänglichem Edelstahl vor eine Reihe Steinstelen setzen lassen, auf denen die Namen so vieler gefallener Soldaten eingemeißelt sind. Meine Stele hat keinen einzigen Namen, dafür ein Stück rostroten Stacheldraht als Warnung für alle noch in Frage kommenden Kriegsgedanken, denen Menschen künftig ausgesetzt sind. Wer aus Afghanistan in einem Kunststoffbeutel zurückgeführt wurde, war Freiwilliger. Und wofür sind diese Menschen gestorben? Für nix und wieder nix!

Lieber Gruß!
Reli

Antwort geändert am 23.09.2026 um 19:06 Uhr

 AchterZwerg (23.09.26, 07:45)
Stimmt!

Aber für eine so gute Sache wie den Krieg lohnt sich das Sterben allemal. Oder nicht?  :(

 Reliwette äußerte darauf am 23.09.26 um 09:21:
Diejenigen, die für Kriege verantwortlich sind, sollten das unter sich ausmachen. Mann gegen Mann oder Ageordnete gegen Idumamitglieder, alle, die dafür gestimmt  oder kassiert haben.
Verlogene Welt voller Betrüger. Wer Giftgas herstellt, sollte in einen Raum gesperrt werden und das Zeug solange inhalieren bis er umfällt.
Erst dann wird der Rettungsdiernst gerufen, aber vorher wird gelüftet, sonst fallen die Helfer auch noch um.
Es gäbe nie wieder Krieg!

 LotharAtzert ergänzte dazu am 23.09.26 um 10:31:
Das ist, mit Verlaub, Un-Fug. Wenn Heraklit sagt, der Krieg sei der Vater aller Dinge, so meint er eigentlich den Dualismus: die Gegenkraft (Aufstieg und Verfall) gehört zur Welt. Solange man das nicht begreift, mutmaßt man bloß. Wer Frieden in die Welt bringen will, bringt den Krieg.
Wahrer Frieden fängt bei mir selbst an, die Widersprüche in mir selbst zu bereinigen.

Reliwette - hast Du jemals daran gedacht, daß, sobald Du "Nahrung" zu Dir nimmst, Kindern ihre Eltern nimmst? Das gilt für Vegetarier etwas weniger, doch das Prinzip ist gleich: auch Pflanzen sind Lebewesen.
Über solches diskutierten wir vor 60 Jahre - heut geht das nicht mehr, wegen Euch gefräßigen "Friedensapostel", die sich für gute Menschen halten. Aber es steht jedem frei, mit dem Finger auf andere - am Besten gleich auf mich - zu zeigen. ...

 Reliwette meinte dazu am 23.09.26 um 15:27:
Atzert, du bist schon eine komische Nudel. Wer so einen Irrsinn verbreitet, der muss natürlich damit rechnen, dass Menschen mit dem Finger auf ihn zeigen. Wenn jemand eine Straße überquert, auf der Schienen verbaut sind, muss er damit rechnen, dass dort eine Straßenbahn fährt. Das bedeutet, dass er sich auf eine gefährliche Situation einstellen muss und nicht auf so ein Geschwafel, wie du es in deiner verklärten Religion zur Anwendung bringst. Wer das sagt, ist der große Lehrer PENG FUTSCH EIWEG.

 LotharAtzert meinte dazu am 23.09.26 um 16:15:
Was ist denn das Komische an der Nudel?- ich würds gern verstehen.
Und wenn Du ein Kalbsschnitzel verzehrst, hast Du das Kind eines Elternpaares auf dem Gewissen. Das ist die Wahrheit, der Du Dich nicht stellen willst und bei mir von Irrsinn sprichst. Geschenkt, ich geb's auf.

 Reliwette meinte dazu am 23.09.26 um 18:29:
Ich habe auf einen Ahorismus von Saira reagiert. Lies ihn noch einma durch und dann erkläre mir bitte den Zusammenhang mit dem Kalbschnitzel.

Kriegsteilnehmer, verpflichtete Soldaten, werden von ihren Regierungen gezwungen,Menschen zu töten, egal ob sie Veganer sind oder Pommes frites essen oder sogar Kalbsschnitzel. Menschen ernähren sich, um zu überleben wenn sie z.B. ein Radieschen verzehren. Du solltest aufpassen, wenn du über eine Wiese gehst. Du könntest eine Ameise zertreten! Die Eltern der Ameise werden dir was ganz anderes erzählen auf der Beerdigung. Aber es reicht schon, wenn du auf die Straßenbahn achtgibst, wenn du eine Straße überquerst, auf der Schienen verlegt sind.
Ein gesundes Misstrauen ist vor allem bei einem Fahneneid angebracht. Ist der erst einmal geleistet, bist du automatisch auch einem Döspaddel gegenüber verpflichtet, wenn der den alten ersetzt. So, und nun brüte darüber nach, was ich dir sagen will, mein lieber Atzert.

 Saira meinte dazu am 23.09.26 um 18:30:
@AchterZwerg

Merkwürdig ist nur, dass diejenigen, die das Sterben zur „guten Sache“ erklären, dafür erstaunlich häufig andere vorsehen.

Vom Rednerpult klingt Heldentod vermutlich erhebender als aus dem Schützengraben.
 
@Reliwette 

Lieber Reli,

ich verstehe sehr gut, worauf deine Wut zielt: auf die ungeheure Distanz zwischen denen, die über Gewalt entscheiden, und denen, die deren Folgen erleiden.

Deinem Giftgasbeispiel kann ich gefühlsmäßig absolut folgen.

Liebe Grüße
Saira

@ Lothar

Hallo Lothar,

Frieden bei sich selbst beginnen zu lassen, halte ich für einen schönen Gedanken. Ich würde dort allerdings nicht aufhören.

Denn auch ein Mensch, der seine inneren Widersprüche vollständig befriedet hätte, könnte morgen von einer Bombe getroffen werden, über deren Einsatz andere entschieden haben. Innerer Frieden entbindet uns deshalb nicht von der Frage nach äußerer Verantwortung.

Das Kalbsschnitzel führt uns inzwischen ziemlich weit vom unbekannten Soldaten weg.

LG
Saira

 LotharAtzert meinte dazu am 24.09.26 um 08:45:
@ Reliwette.

Das Ganze ist in zwei Sätzen nicht beantwortbar und so werde ich einen eigenen Text schreiben, mit dem Schwerpunkt auf der Unterscheidung zwischen Soldaten und Krieger (indigen), der meines Erachtens noch nicht gemacht wurde, obwohl der doch ins Auge springt.
Gedulde Dich also ein wenig- ob der Text heut fertig wird, weiß ich noch nicht. ... und ob Du ihn überhaupt lesen wirst, auch nicht.


"Fahnenflucht" hab ich selbst einst begangen und war deshalb auch im Gefängnis, also Vorsicht ...

 TassoTuwas (23.09.26, 09:35)
Hallo Sigi,

über den namenlosen Tod entscheidet kein grausames Schicksal, sondern gewissenlose Verbrecher.

LG TT

 LotharAtzert meinte dazu am 23.09.26 um 10:45:
Und wer entscheidet über den Tod gewissenloser Verbrecher?

Wenn man das Ursache-Wirkungs-Prinzip (auch Karma genannt) außer Acht läßt, kann man das so sehen. Aber wenn man das so sieht, wird man dieses Denken bis zum Sankt Nimmerleinstag fortsetzen und es wird bloß immer schlimmer. Es wird täglich schlimmer, aber, Tasso, wenn der eigene Tod vor der Tür oder wo immer steht, dann nutzt das nichts mehr. Und wir sind in einem Alter, wo das stündlich geschehen kann. Ich habe von meinen Lehrern gelernt, neben dem Mitgefühl für alle Lebewesen in der Einatmung das Leben zu begrüßen und beim Ausatmen Abschied zu nehmen. Ob mir das was nutzt, kann ich natürlich nicht sagen, doch ist es wahrscheinlicher, als wenn die politischen Gutmensch-Besserwisser von jetzt auf gleich Abschied nehmen müssen.

 Reliwette meinte dazu am 23.09.26 um 15:44:
politische Gutmensch-Besserwisser? Was ist das denn für eine widersprüchliche Wortschöpfung?
Gutmensch ist positiv besetzt, Besserwisser negativ. Aber in unserer Neusprechordnung ist das Substantiv "Gutmensch" ein Schimpfwort geworden.Nee nee, das wird nix!

 Saira meinte dazu am 23.09.26 um 18:58:
@ Tasso

Lieber Tasso,

genau. „Schicksal“ ist ein erschreckend bequemes Wort für etwas, das Menschen anderen Menschen angetan haben.

Und der „unbekannte Soldat“ ist nur für die Nachwelt unbekannt. Für jemanden war er Sohn, Vater, Bruder, Freund: ein Mensch mit Namen.

Liebe Grüße
Sigi

@ Lothar

du sprichst von Mitgefühl „für alle Lebewesen“, vom Frieden, der bei einem selbst beginnen müsse, und davon, beim Ausatmen Abschied zu nehmen und wenige Zeilen später werden Menschen, die politisch anders denken, zu „Gutmensch-Besserwissern“.

Auch dein Karma-Gedanke beantwortet für mich die konkrete Frage nach menschlicher Verantwortung nicht. Wer einen Krieg beschließt, befiehlt oder führt, trifft Entscheidungen. Diese Verantwortung verschwindet nicht dadurch, dass man das Geschehen in ein übergeordnetes Ursache-Wirkungs-Prinzip einordnet.

@ Reliwette

Lieber Reli,

da hast du bei Lothar tatsächlich den Finger auf eine empfindliche Stelle gelegt.

Die Bezeichnung „Gutmensch“ wird häufig als Totschlagargument gebraucht. In dieser Verbindung ist der Begriff jedenfalls eindeutig abwertend verwendet. Und damit ist dein Einwand für mich sehr berechtigt: Mitgefühl für „alle“ ist eine schöne Maxime ... interessant wird sie erst bei den Menschen, die einem widersprechen.

Liebe Grüße
Saira

 Pensionstarifklempner (23.09.26, 13:37)
Guten Tag.  Das WIR stört mich etwas in IHREN Zeilen.  Ich habe noch keinen in den Krieg geschickt. Ich befürchte : WIR kommen wieder in Kriegszeiten an. 
Meine Reaktion: INSUBORDINATION !!! UND notwendigerweise- Solidarität üben !!!

 Saira meinte dazu am 23.09.26 um 19:02:
Guten Tag,

das „Wir“ darf ruhig ein wenig stören. 

Denn „sie schicken Menschen in den Krieg“ wäre bequemer: „Sie“ sind die Regierenden, die Generäle, die anderen. Das „Wir“ stellt dagegen die unangenehme Frage, wie viel von dem, was in unserem Namen geschieht, wir einer anonymen Instanz namens Staat überlassen.

Freundliche Grüße
Saira

 EkkehartMittelberg (23.09.26, 18:09)
Hallo Sigi,                                                                                   die Paradoxie von Kriegen kann besser nicht ausgedrückt werden .
Es ist selbst dann sinnvoll, das Unsinnige zu benennen, wenn der Erfolg der Benennung Jahrtausende auf sich warten lässt.

 Reliwette meinte dazu am 23.09.26 um 18:39:
Hallo Ekki.
ich versuche gerade, dem Lothar Atzert klarzumachen, dass er an der falschen Haltestelle die Fahrgäste davor warnt, dass sie sich mit dem Verzehr von Kalbsschnitzeln an der Kälberdynastie vergreifen.
Lieber Gruß! Hartmut

 Saira meinte dazu am 23.09.26 um 19:17:
@Ekki,

Hallo Ekki,

Jahrtausende sind eine verdammt lange Wartezeit, aber vermutlich immer noch kein Grund zu schweigen.
Für mich besteht die kleine Macht von Literatur gerade darin, dem großen Unsinn immer wieder einen Satz entgegenzustellen. Er wird ihn nicht besiegen. Aber er lässt ihn wenigstens nicht unwidersprochen davonkommen.

Schön, dass du aus dem Urlaub - hoffentlich erholt – zurück bist.

Herzliche Grüße
Sigi

@Reliwette

Lieber Reli,

ich fürchte, an dieser Haltestelle warten inzwischen Krieg, Karma, Kalbsschnitzel und Kälberdynastie gemeinsam auf denselben Bus. 

Dein Bild mit der falschen Haltestelle trifft es für mich ziemlich gut. 

Liebe Abendgrüße
Saira

 Vaga (23.09.26, 18:58)
Hallo Saira, ich nehme deinen Aphorismus gern als Impuls zum 'Weiterdenken' und möchte deshalb meine Gedanken dazu auch äußern:
In mir wehrt sich seltsamerweise nämlich etwas entschieden dagegen, durch das hier verwendete Personalpronomen Wir definitiv mit einbezogen zu werden in ein Heer aus Ego-Ichs, die diese Allgemeinschlachten aus Macht- und Habgier am Schreibtisch beschließen, dafür Menschen zum Erschießen anderer Menschen abrichten und auf die Schlachtfelder zwingen. Sie bedienen sich dafür der vielen Ichs, deren Namen niemals vergessen werden, weil sie in den inneren Gedenkmälern ihrer Mütter und Väter von Geburt an einen Platz gefunden haben. Die Ego-Ichs aber tragen Namen, die zum Zwecke des kollektiven Gedenkens in die Geschichtsbücher eingehen werden. Sie lassen zu ihren eigenen Lebzeiten zwar Denkmäler errichten, stellvertretend für die Millionen von unbekannten Ichs, die sie jedoch nie persönlich zu Gesicht bekamen und deren Namen sie sich niemals merken könnten, auch wenn sie bis ans Ende aller Tage Zeit hätten, um sie auswendig zu lernen.
Nachdenkliche Grüße - Vaga

 Saira meinte dazu am 23.09.26 um 19:20:
@Vaga

Hallo Vaga,

das „Wir“ meines Aphorismus bezeichnet gesellschaftliche Verantwortung, nicht persönliche Kollektivschuld. Wer daraus eine Gleichsetzung mit denjenigen liest, die Kriege beschließen, liest etwas hinein, das dort nicht steht.

Dein Widerspruch sei dir unbenommen. Meinen Satz lasse ich trotzdem genau so stehen. (siehe bitte auch meine Antwort an Pensionstarifklempner)

Liebe Grüße
Saira

 Vaga meinte dazu am 23.09.26 um 19:31:
Hallo Saira, danke für deine Klarstellung. Mir ging es gar nicht um eine moralische Schuldzuweisung, sondern um die psychologische Wirkung, die ein universelles Wir beim Lesen entfalten kann - gerade weil die Trennung zwischen den Akteuren am Schreibtisch und den Menschen auf dem Feld so fundamental ist. 
Dass du deinen Satz genau so stehen lässt, ist dein gutes Recht als Autorin. Versteh' mich bitte nicht falsch, denn das Gegenteil wollte ich gar nicht bewirken mit meinem Kommentar. Der Impuls zum Weiterdenken bleibt ja trotzdem im Raum.

 Saira meinte dazu am 24.09.26 um 09:42:
Hallo Vaga,


dann sind unsere unterschiedlichen Lesarten benannt und können so nebeneinander stehen.

Gruß
Saira

 EVdR (23.09.26, 20:26)
„Wer in dem Fall nicht aufsteht und NEIN sagt, entscheidet über ein ,wahrscheinliches, Ableben eines anderen.“ War mein erster Impuls. Meint jedoch: Wer nicht widerspricht, lässt Entscheidungen geschehen, die andere das Leben kosten. Verantwortung ist kein „Sie“, sondern ein „Wir“.

 Saira meinte dazu am 24.09.26 um 09:46:
Moin EVdR,

du triffst den Gedanken meines „Wir“ sehr genau.

Der unbekannte Soldat steht am Ende einer langen Kette von Entscheidungen. 

Wer befiehlt, trägt Verantwortung. Wer ausführt, steht vor einer eigenen Gewissensfrage. Und wer zusieht, schweigt oder widerspricht, befindet sich ebenfalls in diesem gesellschaftlichen Geflecht, wenn auch mit einer ganz anderen Verantwortung.

Gerade deshalb wollte ich nicht schreiben: „Sie schicken Menschen in den Krieg.“ Das „Sie“ schafft eine beruhigende Entfernung. Das „Wir“ lässt diese Entfernung nicht so einfach zu.

Danke und liebe Grüße
Saira
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