Der Ruf des Fährmanns

Gedicht zum Thema Mythisch

von  Saira

Steig ab vom Thron, o du, der Macht spielt,
und folge still dem Klang hinab zur Tiefe,
dorthin, wo Eitelkeit wie schwarzes Wasser
in dunkler Starre lautlos treibt,
wo selbst Sirenen schweigend ruhn.

 

Dein Ruf, der fern wie dumpfes Dröhnen hallt,
verweht in leeren Hallen müder Götter,
die deinen Namen nicht mehr kennen,
da er weder Widerhall noch Schatten wirft,
und selbst die Stille kniet vor deinem Schweigen.

 

Sieh dort den Fluss, der lautlos vor dir liegt,
sein Wasser schwer und ohne Wiederkehr.
Der Fährmann steht am Ufer, reglos stumm,
sein Blick verhüllt, als kenne er dich längst
und zähle nur die Schritte, die du gehst.

 

Kehr dich nicht um, denn wer das Finst're sucht,
verliert das letzte trügerische Licht,
das ihm noch bleibt, um Größe sich zu träumen.
Die dir noch folgen, gehen blind und leer,
verfangen tief im Nebel deiner Worte,
gebunden fest an Echo ohne Klang.

 

Doch jenseits wiegt das Nichts mit dumpfer Hand,
in dem Reich, das alles überdauert,
entrinnt dein Name leicht wie trockner Staub,
verloren, versunken im sanften Lauf der Zeit.


 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026




Anmerkung von Saira:

Gewidmet den Mächtigen, die glauben, das Gewicht der Welt liege in ihren Händen.

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Kommentare zu diesem Text


 Didi.Costaire (26.04.26, 12:11)
Moin Sigi,

wenn der Unfairmann auf den Fährmann trifft, kriegt er was zu hören.

Liebe Grüße, 
Dirk

 Saira meinte dazu am 26.04.26 um 18:03:
Moin Dirk,

ich denke, beim Fährmann gibt es keine Diskussion. Der hört sich nichts an und kassiert nur still.  :ermm:  


Liebe Grüße

Sigi

 Reliwette (26.04.26, 14:06)
Hallo Saira,
 auf den Spuren der alten Griechen in den Hades, die Unterwelt, wo der Fährmann wartet und auf das Goldstück hofft,dass die Angehörigen dem Toten auf die geschlossenen Augen legten, damit sie den Fährpreis bezahlen konnten. Diese mythische Weltbetrachtung mündet in die Erkenntnis, dass das Gute und das Böse einen Fährpreis bezahlen müssen, Aber wohin fährt der Fährmann seine Gäste? Den toten Pharaonen gab man ein Schiffchen mit ins Gewölbe, damit er selbst den Kahn über das Himmelsrund steuern konnte.
Aber: Die Mächtigen dieser Welt verdrängen ihren eigenen Tod, hoffen mehrheitlich auf einen Eintrag ins historische Geschichtsbuch und
merken nicht, dass irgendwann dieser Planet in Flammen aufgeht und alle Bücher der Welt in ihnen verbrennen. Und in den weinigen Raumschiffen, denen die Flucht vor dem Untergang zu gelingen scheint. werden nur Nahrungsmittel und ein paar Disketten mitsich geführt.

Ein tiefsinniger Gedanke, liebe Saira, übrigens Bayern München hat aus einem Null zu 3 Rückstand nochnein 4: 3 hertausgeholt. Das zählt im Moment für die meisten Zweibeiner mehr als tiefgreifende philosophische Betrachtungen.
Dennoch: Chapeau!
Reli winkt in die Runde!

Kommentar geändert am 26.04.2026 um 14:09 Uhr

 Saira antwortete darauf am 26.04.26 um 18:05:
Moin Reli,
 
du spannst da einen schönen Bogen … von den alten Münzen für den Fährmann bis hin zu unseren heutigen Versuchen, irgendetwas von uns hinüberzuretten, sei es in Bücher oder auf Datenträger. Am Ende bleibt der Gedanke, dass all das weniger Gewicht hat, als wir gern glauben. Der Fährmann fragt nicht nach Ruhm, der nimmt nur, was wirklich da ist und das ist oft erstaunlich leicht.
 
Und dein Seitenhieb mit dem Fußball … ja, da hast du wohl recht. Während irgendwo einer noch über Sinn und Vergänglichkeit grübelt, dreht sich anderswo alles um ein 4:3. Das gehört wohl zu unserem Menschsein: ein Teil schaut in die Tiefe, der andere jubelt im Moment.
 
Es grüßt dich herzlich
Saira

 Moppel (26.04.26, 19:12)
schnell ist der Mensch vergessen, der keine Liebe hinterließ... lG von M. Ich mag das alte Pathos... lG von M.

 Reliwette schrieb daraufhin am 27.04.26 um 00:24:
Ja, Moppel.das ist so. aber die Mächtigen dieser Welt stehen in den Geschichtsbüchern. Die Pyramiden zeugen davon, die Erbauer wurden im Wüstensand verscharrt. Das Unrecht hat viele Facetten!
Lieber Gruß! Hartmut

 Saira äußerte darauf am 27.04.26 um 09:37:
Moin, liebe Moppel, lieber Hartmut,

Moppel, dein Gedanke, dass Menschen ohne Liebe schnell vergessen werden, hallt nach und beim Schreiben meines eigenen Gedichts habe ich das noch einmal gespürt: All die Macht, die großen Namen, selbst die glänzenden Taten, sie verlieren an Gewicht, wenn keine Wärme, kein Mitgefühl dahintersteht. Es sind oft die leisen Spuren, die bleiben.

Hartmut, dein Blick auf die alten Rituale, die historischen Zeugnisse und unsere heutigen Versuche, etwas von uns zu bewahren, öffnet diesen Gedanken noch weiter. Es wird spürbar, dass Streben nach Bedeutung immer mit Vergänglichkeit verbunden ist. Und die vielen Facetten von Recht und Unrecht – sie liegen zwischen den Monumenten und großen Namen, sind aber genau das, was uns menschlich macht und was wir wirklich hinterlassen.

In beiden Beiträgen liegt für mich eine leise Erinnerung: Dass es am Ende nicht Ruhm oder Monumente sind, die bleiben, sondern die Wärme und die Spuren, die wir in anderen hinterlassen.

Ich freue mich, Moppel, dass du das alte Pathos magst.
 
Liebe Grüße an euch beide,
Saira

 TassoTuwas (27.04.26, 11:37)
Moin Sigi,

der Fährmann, war dass nicht der, der den Strom kannte, der den Fremden sicher ans andere Ufer brachte, ohne zu fragen was der Grund seiner Reise ist. 
Und für Reisen gibt es zu allen Zeiten Veranlassungen, Altes verlassen, Neues suchen, Abstand gewinnen, bis hin zur Flucht.
Ist er das heute nicht mehr? 

Ich will diesen alten Fährmann wieder haben!
Liebe Grüße
TT

 Saira ergänzte dazu am 27.04.26 um 14:03:
Moin Tasso,

schau ihn dir an: im Nebel, die Laterne in der Hand, still und geduldig wie eh und je. Schritte zählen, Mächtige ignorieren, Homeoffice hin oder her, er macht seinen Job trotzdem. 



Zeit, den alten Fährmann zurückzuholen, bevor er im Dunst verschwindet.

Liebe Grüße
Sigi
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