Glasvögel

Gedicht zum Thema Welten

von  Saira

Kein Eis, kein Glutkern,
Mut windet sich in die Flügel der Zuversicht
und ruht auf funkelnden Spiegeln.
Ein Schimmer fließt durch meine Adern,
Sprache glitzert wie Bernsteinregen,
jedes Wort ein schwebender Funke,
der über die Haut meines Gesichts tanzt.

 

Sinn glimmt in verschlungenen Flammenpfaden,
Zeit fließt vorwärts und rückwärts,
Zukunft schwimmt in strahlenden Öffnungen,
Wahrheit malt Muster auf die Augen der Nacht,
Stille öffnet Räume zwischen den Atemzügen,
dunkle Formen glühen im Gegenlicht,
Antworten flattern wie Glasvögel,
Ende und Anfang tanzen auf einem Draht aus Nebel,
mein Name – offen – ein Flüstern, das in der Luft erklingt.

 

Wollen fällt wie Federstaub,
Hoffnung ruht auf hellen Wolken,
Haut wird Wasser, weich und warm,
Gefühl ein Vogel, der sein Lied findet.
Ich atme in der Weite,
jeder Zug ein Echo im endlosen Korallensaal,
Narben glänzen wie Kristalle in klarem Ozean,
vergehen mit jedem Tropfen Zeit,
verwehen in schimmernden Wellen.

 

Hell und Dunkel tanzen in unbekannte Ströme,
ein Spiegel aus flüssigen Sternen.
Gehst du mit mir,
oder bleibst du im Traum der Freiheit?

 

Ein Schritt, ein Hauch,
wir fließen,
wir treiben,
wir taumeln,
wir sinken und steigen
durch das endlose Glas der Welt,
durch die Schichten aus Licht und Rauch,
durch das Pulsieren des Unbekannten,
bis alles Schweigen wird
und alles Fließen zugleich.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (15.03.26, 14:27)
Hallo Sigi,
es ist gut, sich darauf zu besinnen, dass es außer kleingeistigem Streit Welten gibt, in deren Weiten dieser versinkt und zerfließt.
Liebe Grüße
Ekki

 Saira meinte dazu am 15.03.26 um 17:50:
Lieber Ekki,

ja, manchmal genügt ein Schritt in eine größere Landschaft des Denkens, und das Enge verliert seine Schwere. Was vorher laut erschien, wird plötzlich winzig wie Staub im Wind.

Gedichte können kleine Fenster in diese anderen Räume sein.

Danke dir für diesen stillen Blick über den Horizont hinaus.

Liebe Grüße
Sigi

 Reliwette (15.03.26, 14:46)
Hallo Saira,
wuderschönes Gedcht, voller Zuversicht und Wärme. Wenn ich mit meinen Rezensionen durch bin, stelle ich auch mal wieder einige Gedichte bei KV ein. Es ist wunderbar zu lesen, wie leicht Sprache tanzen kann und in Zauberregen niedergeht - in vielen Fällen auf fruchtbare Boden fällt.
Schön!
Lieber Gruß!
Reli

 Saira antwortete darauf am 15.03.26 um 17:56:
Lieber Reli,

es ist immer etwas Besonderes, wenn ein Leser nicht nur den Text aufnimmt, sondern auch den leisen Klang dahinter wahrnimmt – dieses Schwingen der Sprache, wenn Bilder sich lösen und zu fliegen beginnen.

Ich denke, es sind genau solche Momente, in denen Worte leicht werden und ihre eigenen Bahnen ziehen, wie jene Glasvögel aus dem Gedicht, die zwischen Licht und Gedanken ihre Kreise ziehen.

Danke dir für dein aufmerksames Lesen.

Ich freue mich schon darauf, bald neue Gedichte von dir hier zu entdecken.

Herzliche Grüße
Saira

Antwort geändert am 15.03.2026 um 17:56 Uhr

 willemswelt (15.03.26, 22:15)
sehr phantasievoll ,liebe Saira,ich merke,wieviel Freude du am Spiel mit den Worten hast,sehr schön,einen lieben Gruß,Willem

 Saira schrieb daraufhin am 16.03.26 um 08:36:
Wie schön, dass du die Freude im Spiel mit den Worten wahrgenommen hast, lieber Weillem. 

Ich danke dir für deine warmen Worte.

Herzliche Grüße
Saira

 Moppel (16.03.26, 10:16)
eine Flut starker Bilder, Saira. Muss man mehrmals lesen. 
Bos alles Schweigen wird und Fließen zugleich, ich denke, das kann man nur mit Meditation erreichen.
Korallensaal- tolles Wort. Denn unter Wasser in intaktem Korallengewässern ist es unglaublich still und fließend...
LG von M.

 Saira äußerte darauf am 16.03.26 um 10:45:
Ich danke dir für dein aufmerksames Lesen, Moppel.


Dein Gedanke zur Meditation gefällt mir sehr. Dieses „Schweigen und Fließen zugleich“ ist vielleicht wirklich ein Zustand, in dem der Geist stiller wird und alles andere weicher zu atmen beginnt.

Und dein Hinweis auf den Korallensaal freut mich besonders. Unter Wasser herrschte in intakten Korallenwelten eine besondere Stille – nicht leer, sondern wie ein langsames, lebendiges Fließen. 

Liebe Grüße
Saira

 Moppel ergänzte dazu am 16.03.26 um 12:50:
genau so ist es. Ich habe ja ein Jahr auf den Malediven gelebt, als die Korallenbänke noch intakt waren. Um so schändlicher ist es, dass das alles zerstört und vermüllt wird von Touris.
Damals durfte man noch Korallen ausführen vor 45 Jahren. Und eine getrocknete hängt an meiner Wand.
lG von M.

 Saira meinte dazu am 16.03.26 um 14:28:
Ein Jahr zwischen intakten Korallenbänken zu leben – das muss eine ganz besondere Welt gewesen sein. 

Dass viele dieser Korallenwelten heute beschädigt sind, macht solche Erinnerungen umso wertvoller. Deine Koralle an der Wand trägt also vielleicht nicht nur die Form des Meeres in sich, sondern auch ein Stück dieser stillen Schönheit.

Danke dir für diesen Gedanken und deine Erfahrung.

LG
Saira
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