Willkommen in der Privatklinik „Sanus Exitus“

Satire zum Thema Beobachtungen

von  Saira

Das Ärzteteam stellt sich vor:

Dr. med. Klaus Kornfeld, Chefarzt für Neurochirurgie
Spezialgebiet: Gehirn-OPs
Heimliches Problem: Alkoholiker
Lieblingsspruch: „Ein Gläschen zum Frühstück schärft die Sinne!“

Dr. med. Lisa Lenz, Oberärztin für Gynäkologie
Spezialgebiet: Geburten
Heimliches Problem: Propofol-abhängig
Lieblingsspruch: „Ich bin immer ganz entspannt … und Sie gleich auch!“

Dr. med. Ralf Rausch, Facharzt für Chirurgie
Spezialgebiet: Amputationen
Heimliches Problem: Burnout
Lieblingsspruch: „Heute nur noch drei Beine und dann Feierabend.“

Dr. med. Gisela Glück, Assistenzärztin für Innere Medizin
Spezialgebiet: Blinddarm-Entfernungen
Heimliches Problem: Glücksspielsüchtig
Lieblingsspruch: „Darf ich vor der OP noch schnell auf Rot setzen?“

Dr. med. Peter Platt, Stationsarzt
Spezialgebiet: Magen-OPs
Heimliches Problem: Depressionen und Suizidgedanken
Lieblingsspruch: „Das Leben ist wie eine OP – meistens geht’s schief.“


Ein ganz normaler Tag in der Privatklinik:

07:00 Uhr – Gehirn-OP

Dr. Kornfeld beginnt den Tag mit einem kräftigen Schluck aus der Flasche, um die Hände ruhig zu halten. Während er das Skalpell ansetzt, sieht er plötzlich doppelt. „Welches Gehirn war’s nochmal?“ fragt er die Schwester, die sich schon an die Witze des Chirurgen gewöhnt hat. Sie kichert und markiert beide Gehirnhälften.


09:00 Uhr – Geburt
Dr. Lenz schwebt auf einer Propofol-Wolke in den Kreißsaal. „Alles ganz easy“, nuschelt sie, während sie versucht, das Baby mit einer Pinzette zu greifen. Die Mutter schreit, das Baby schreit, Dr. Lenz schnarcht. Die Hebamme notiert: „Ausschlafen auf Station 3.“


11:00 Uhr – Amputation
Dr. Rausch ist so erschöpft, dass er kaum noch weiß, welches Bein ab soll. „Links oder rechts? Ach, nehmen wir beide, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es das richtige war.“ Die OP-Schwester notiert: „Patient jetzt 20 Kilo leichter.“


13:00 Uhr – Blinddarm-Entfernung
Dr. Glück hat gerade im OP-Pausenraum ihr letztes Geld auf ein Pferd gesetzt. Während sie den Blinddarm sucht, denkt sie nur an die Quote. „Wenn ich gewinne, spendiere ich allen eine Runde Narkosemittel!“ Leider entfernt sie stattdessen die Gallenblase. „Auch ein Organ“, murmelt sie.


15:00 Uhr – Magen-OP

Dr. Platt steht am OP-Tisch und betrachtet den Magen des Patienten wie Hamlet den Schädel von Yorick. „Sein oder nicht sein – das ist hier die Frage. Oder war’s der Blinddarm?“ murmelt er, während er mit dem Skalpell in der einen und der Sinnkrise in der anderen Hand das Organ betrachtet. Er näht den Magen zu, aber nicht ohne vorher eine kleine Notiz hineinzulegen: „Wenn Sie das hier lesen, sind Sie entweder sehr neugierig oder ich habe wieder das falsche Organ erwischt.“

 

Das große Finale:


Am Abend treffen sich alle im Aufenthaltsraum.


Dr. Kornfeld prostet seinem Spiegelbild zu, das ihm doppelt erscheint – ein Toast auf die Zerrissenheit.


Dr. Lenz schläft, friedlich wie ein Neugeborenes, auf dem Sofa, während ihr Propofol-Traum von endlosen Wolken und schreienden Babys durchzogen ist.


Dr. Rausch sitzt apathisch in der Ecke und zählt im Flüsterton die Amputationen des Tages. Sein Handy blinkt: „Sie haben 17 ungelesene Mails.“ Er ignoriert sie.

Dr. Glück setzt alles auf die nächste OP und Dr. Platt schreibt einen Abschiedsbrief.

Im Hintergrund heult der Notarztwagen. Die Patienten? Die haben die Klinik längst verlassen – auf eigene Faust, auf allen Vieren.

Morgen ist ein neuer Tag … neue Patienten werden kommen.

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2025



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Kommentare zu diesem Text


 Teo (24.08.25, 09:16)
Meine liebe Sigi,
du hast doch wohl nebenbei nicht noch Medizin studiert? Du bist erschreckend gut im Thema!
Es steht Satire drüber...und das muss es auch. Du hast es witzig und unterhaltsam rübergebracht.
Ich glaube aber, deine Beobachtungen touchieren angsteinflößend die Realität.
Klaudia bekommt in 2 Wochen ein neues Knie und von mir ein zweiwöchigen kV- Leseverbot!
Egal...prima gemacht.
Gruß in den Norden
Teo

 Saira meinte dazu am 25.08.25 um 08:46:
Moin lieber Teo,
 
mein Wissen stammt aus der „Apotheken Umschau“ 
 
Im Norden wird übrigens nur bei Ebbe operiert, da ist die Fehlerquote niedriger
 
Liebe Grüße an Klaudia! Ich könnte als moralische Unterstützung bei der OP dabei sein. Alles wird gut!  :)
 
Ein lieber Gruß nach Herne,
Sigi

 plotzn (24.08.25, 18:52)
Servus Sigi,

ich weiß schon, warum ich so ungern in die Klinik gehe. Aber dass es so schlimm ist, habe ich nicht geahnt.

Vielleicht sollte man vor der OP selber markieren, was gemacht werden muss... 

Liebe Grüße
Stefan

 Saira antwortete darauf am 25.08.25 um 08:47:
Servus Stefan,
 
ich gehe auch nur noch in die Klinik, wenn es dort Kaffee und WLAN gibt. Der Edding-Stift ist immer dabei!
 
Liebe Grüße
Sigi

 TassoTuwas (25.08.25, 01:35)
Liebe Sigi,
der ich alles glaube.

Ich mag so lebensnahe Schilderungen wie diese, weil sie mir ein gutes Gefühl geben!
In diesem Fall, ist es die Gewissheit, als Kassenpatient nie in so einer Fachklinik zu landen.

Herzliche Grüße und bleib gesund  :) !
TT

 Saira schrieb daraufhin am 25.08.25 um 08:48:
Oh, die operieren auch Kassenpatienten, lieber Tasso, aber es gibt bei der Narkose nur die Light-Version: Weniger Narkose, mehr Spannung! 
 
Hol di wacker, leev Fründ!  :)
 
Herzliche Grüße
Sigi

 Quoth (25.08.25, 09:25)
Guter Hinweis darauf, dass auch Ärzte nur Menschen sind. Was freilich eine Assistenzärztin für innere Medizin im Operationssaal zu suchen hat, erschließt sich mir nicht. Hier dürfte die Apotheken-Umschau geirrt haben.

Kommentar geändert am 25.08.2025 um 09:27 Uhr

 Saira äußerte darauf am 26.08.25 um 13:47:
Moin Quoth,
 
ich gebe zu, die Apotheken Umschau hat manchmal kreative Vorstellungen vom Klinikalltag. Nächste Woche: „Wie Sie mit Globuli eine Blinddarm-OP überstehen!“
 
Nachdenkliche Grüße 
Saira

 diestelzie (02.09.25, 08:57)
So schön kann das Klinikarbeitsleben sein, jedenfalls wenn man ein heimliches Problem hat. Ich würde mich, nach meinem gestrigen ersten Arbeitstag nach dem Urlaub, fürs Propofol entscheiden.  ;) 

Danke für den Morgenschmunzler und liebe Grüße von der Schwester Kerstin(im Moment noch problemfrei).

 Saira ergänzte dazu am 02.09.25 um 17:37:
Moin liebe Kerstin,

ich kann mir gut vorstellen, dass der Klinikalltag bis an den Rand des Belastbaren gehen kann, aber ausgerechnet schon am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub an Propofol denken zu müssen, ist schon ziemlich hart :dizzy: .

Hoffentlich ist der Rest der Woche angenehmer!

Ich freue mich, dir wenigstens einen Morgenschmunzler geschenkt zu haben. :)

Danke für deinen Kommentar und deine Empfehlung!

Liebe Grüße
Saira
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