Die Opfer der Anderen
Kurzgeschichte zum Thema Menschenliebe/ Menschenhass
von Saira
Kommentare zu diesem Text
Alabanda (41)
(16.11.25, 20:56)
(16.11.25, 20:56)
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Alabanda, du schilderst ein tragisches Ereignis, aber die Art, wie du den mutmaßlichen Täter anhand seines äußeren Erscheinungsbildes klassifizierst, reproduzierst du genau jene rassistischen Deutungsmuster, die in extremistischen Narrativen gezielt genutzt werden, um Angst, Feindbilder und gesellschaftliche Spaltung zu erzeugen. Der Fokus auf „südländisches Aussehen“ und Symbolik dient hier nicht der Aufklärung, sondern funktioniert als Suggestion, die eine ethnische Gruppe mit Gewalt assoziiert. Dieses Muster ist ein bekanntes Instrument rechtsextremer Ideologie – unabhängig davon, ob dir das bewusst ist oder nicht.
Es ist ein grundlegender Irrtum, äußere Merkmale oder kulturelle Kleidung zu einem „Indiz“ für Täterverhalten zu erheben. Genau daraus entstehen rassistische Pauschalisierungen, die Menschen nicht als Individuen wahrnehmen, sondern zu Projektionsflächen eines vorgelagerten Feindbilds degradieren. Und solche Deutungen sind nicht neutral – sie verschieben Verantwortung, normalisieren Misstrauen gegenüber Minderheiten und legitimieren gesellschaftlichen Ausschluss.
Die deutschen Sicherheitsbehörden weisen seit Jahren darauf hin, dass rechtsextrem motivierte Gewalt nicht nur real, sondern strukturell verankert ist und sich ebenfalls aus genau solchen Stereotypen speist. Wenn also Täterbilder ausschließlich über äußere Merkmale konstruiert werden, dann stützt man jene Denklogik, die Opfer von Rassismus täglich gefährdet.
Zudem zeigen reale Fälle rechtsextremer Gewalt in Deutschland deutlich, dass Täter keineswegs einem bestimmten Aussehen, Kulturkreis oder ethnischen Hintergrund angehören. Es waren in jüngster Vergangenheit auch deutsche Staatsbürger, die Anschläge planten, organisierten oder vollzogen haben. Wer Täterprofile auf „südländisches Aussehen“ reduziert, verschiebt also nicht nur die Realität – er leistet einer gefährlichen ideologischen Verzerrung Vorschub.
Kurz gesagt:
Nicht „Aussehen“ oder „Herkunft“ sind der Maßstab für Gewaltbereitschaft, sondern Ideologie, Radikalisierung und Entmenschlichung. Genau deshalb ist es notwendig, differenziert zu sprechen, statt Stereotype zu bedienen, die historisch nachweisbar in menschenfeindliche Denk- und Handlungssysteme führen.
Es ist ein grundlegender Irrtum, äußere Merkmale oder kulturelle Kleidung zu einem „Indiz“ für Täterverhalten zu erheben. Genau daraus entstehen rassistische Pauschalisierungen, die Menschen nicht als Individuen wahrnehmen, sondern zu Projektionsflächen eines vorgelagerten Feindbilds degradieren. Und solche Deutungen sind nicht neutral – sie verschieben Verantwortung, normalisieren Misstrauen gegenüber Minderheiten und legitimieren gesellschaftlichen Ausschluss.
Die deutschen Sicherheitsbehörden weisen seit Jahren darauf hin, dass rechtsextrem motivierte Gewalt nicht nur real, sondern strukturell verankert ist und sich ebenfalls aus genau solchen Stereotypen speist. Wenn also Täterbilder ausschließlich über äußere Merkmale konstruiert werden, dann stützt man jene Denklogik, die Opfer von Rassismus täglich gefährdet.
Zudem zeigen reale Fälle rechtsextremer Gewalt in Deutschland deutlich, dass Täter keineswegs einem bestimmten Aussehen, Kulturkreis oder ethnischen Hintergrund angehören. Es waren in jüngster Vergangenheit auch deutsche Staatsbürger, die Anschläge planten, organisierten oder vollzogen haben. Wer Täterprofile auf „südländisches Aussehen“ reduziert, verschiebt also nicht nur die Realität – er leistet einer gefährlichen ideologischen Verzerrung Vorschub.
Kurz gesagt:
Nicht „Aussehen“ oder „Herkunft“ sind der Maßstab für Gewaltbereitschaft, sondern Ideologie, Radikalisierung und Entmenschlichung. Genau deshalb ist es notwendig, differenziert zu sprechen, statt Stereotype zu bedienen, die historisch nachweisbar in menschenfeindliche Denk- und Handlungssysteme führen.
Alabanda (41) antwortete darauf am 17.11.25 um 09:48:
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Alabanda, danke für deine Rückmeldung ... ich möchte kurz klarstellen, dass ich deinen Kommentar offenbar anders gelesen und daher falsch interpretiert habe. Ich hatte deine Schilderung zunächst so verstanden, als würdest du selbst das äußere Erscheinungsbild als Deutung oder Erklärung einordnen. Dass du lediglich die Täterbeschreibung des Opfers zitiert hast, war mir in dem Moment nicht bewusst.
Mir war es wichtig, sensibel mit Zuschreibungen umzugehen, weil mein Text sich genau mit diesen Grenzlinien beschäftigt. Dass ich dich dabei möglicherweise ungerecht bewertet habe, tut mir leid. Das war nicht meine Absicht.
Gleichzeitig finde ich dein Anliegen, auf die Bedrohung von Menschen hinzuweisen, die sich für Dialog und gegen Feindbilder einsetzen, absolut bedeutsam: genau das sollte nicht übersehen werden.
LG
Saira
Mir war es wichtig, sensibel mit Zuschreibungen umzugehen, weil mein Text sich genau mit diesen Grenzlinien beschäftigt. Dass ich dich dabei möglicherweise ungerecht bewertet habe, tut mir leid. Das war nicht meine Absicht.
Gleichzeitig finde ich dein Anliegen, auf die Bedrohung von Menschen hinzuweisen, die sich für Dialog und gegen Feindbilder einsetzen, absolut bedeutsam: genau das sollte nicht übersehen werden.
LG
Saira
Alabanda (41) äußerte darauf am 17.11.25 um 14:31:
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So sollte und könnte es ein - ist es aber nicht.
Leider.
Leider.
Liebe Heidrun, du kennst mich, ich schreibe nicht, weil die Welt so ist, sondern weil sie noch etwas anderes werden könnte. Vielleicht ist das naiv, vielleicht aber auch die einzige Art, geistig nicht zu kapitulieren. Danke, dass du mit mir durch solche Räume gehst und nicht davor stehenbleibst.
Oh Saira, der Text rührt mich sehr. Ehrlich. Vielleicht zu sehr, aber dazu später mehr.
Das Verfasste zeigt zuerst einmal sehr klar, wie sehr du es verstehst, schwere Kost aufzubereiten und sie poetisch und nach allen Regeln dramaturgischer Kunst zu kredenzen.
Die Szenen spiegeln das Zeitgeschehen in aktuellen Brandherden wieder …
… der Syrer, ohne Counterpart sitzend, ist mit der Bedeutungslosigkeit konfrontiert, man murmelt ihm zu, ... doch was bedeutet das schon?
… Ukrainerin und Russe, die sich meiden, die kein Vertrauen mehr haben, teils zu sich und teils zu anderen. Auch hier endet es mit einem Schweigen und dem Motiv eines Opfers oder Täters sowie die Frage nach einer diesbezüglichen Wahl.
… Israeli und Palästinenserin, die sich konfrontieren, die Feindschaft offen aussprechen, vielleicht mit der Erkenntnis, dass man zuhören sollte, um solche Konfrontationen auszuhalten und zu benennen. Doch wer kann und darf das schon?
Der letzte Teil ist vielleicht der stärkste, denn unabhängig von den Wünschen der Einzelnen als solche, relativiert Anna die Situation mit einem denkwürdigen Statement:
„Anna: „Ich wünsche ihnen, dass sie lernen, zu sagen: Vielleicht habe ich mich geirrt.““
Insgesamt ein Text, dem man fühlt. Etwas, das nicht anklagt, sondern die Einsamkeit, das Vermeidenden und die Konfrontation spüren lässt, ohne dabei einen Zeigefinger zu erheben und Stimmung für etwas zu machen. So ist es eben auch genau der letzte Satz, der hängen bleibt und es auf einen empfundenen Punkt bringt:
„Und wer einen anderen hört, selbst nur für eine Stunde,
hat bereits eine Brücke gebaut, die länger hält als jede Grenze.“
Aber ich möchte auch nicht verschweigen, dass mir ein Geschmäckle bleibt, neben dieser so gekonnten Perfektion und unter der Glocke dieser sehr fügsamen Augenblicke. Es ist still. Heimlich. Vielleicht zu still und zu heimlich. Es ist insgesamt ein krasser Gegenentwurf zu dem lauten Gemetzel in den Medien und ein wenig fürchte ich, mit den Augenblicken des Gelesenem, im Auge eines Orkans zu sein. Ich tröste mich derweil mit den dazu passenden Worten des Textes:
„Der schlimmste Sturm wohnt nicht am Himmel, sondern im Menschen, der glaubt, er sei allein.“
Das Verfasste zeigt zuerst einmal sehr klar, wie sehr du es verstehst, schwere Kost aufzubereiten und sie poetisch und nach allen Regeln dramaturgischer Kunst zu kredenzen.
Die Szenen spiegeln das Zeitgeschehen in aktuellen Brandherden wieder …
… der Syrer, ohne Counterpart sitzend, ist mit der Bedeutungslosigkeit konfrontiert, man murmelt ihm zu, ... doch was bedeutet das schon?
… Ukrainerin und Russe, die sich meiden, die kein Vertrauen mehr haben, teils zu sich und teils zu anderen. Auch hier endet es mit einem Schweigen und dem Motiv eines Opfers oder Täters sowie die Frage nach einer diesbezüglichen Wahl.
… Israeli und Palästinenserin, die sich konfrontieren, die Feindschaft offen aussprechen, vielleicht mit der Erkenntnis, dass man zuhören sollte, um solche Konfrontationen auszuhalten und zu benennen. Doch wer kann und darf das schon?
Der letzte Teil ist vielleicht der stärkste, denn unabhängig von den Wünschen der Einzelnen als solche, relativiert Anna die Situation mit einem denkwürdigen Statement:
„Anna: „Ich wünsche ihnen, dass sie lernen, zu sagen: Vielleicht habe ich mich geirrt.““
Insgesamt ein Text, dem man fühlt. Etwas, das nicht anklagt, sondern die Einsamkeit, das Vermeidenden und die Konfrontation spüren lässt, ohne dabei einen Zeigefinger zu erheben und Stimmung für etwas zu machen. So ist es eben auch genau der letzte Satz, der hängen bleibt und es auf einen empfundenen Punkt bringt:
„Und wer einen anderen hört, selbst nur für eine Stunde,
hat bereits eine Brücke gebaut, die länger hält als jede Grenze.“
Aber ich möchte auch nicht verschweigen, dass mir ein Geschmäckle bleibt, neben dieser so gekonnten Perfektion und unter der Glocke dieser sehr fügsamen Augenblicke. Es ist still. Heimlich. Vielleicht zu still und zu heimlich. Es ist insgesamt ein krasser Gegenentwurf zu dem lauten Gemetzel in den Medien und ein wenig fürchte ich, mit den Augenblicken des Gelesenem, im Auge eines Orkans zu sein. Ich tröste mich derweil mit den dazu passenden Worten des Textes:
„Der schlimmste Sturm wohnt nicht am Himmel, sondern im Menschen, der glaubt, er sei allein.“
Lieber Sascha,
du hast sehr präzise erfasst, was mir beim Schreiben wichtig war: Ich wollte keine moralische Einordnung, keine Lösung, kein Urteil, sondern genau jenes fragile Zwischenland, in dem Menschen aushalten müssen, dass es weder einfache Opfer- noch Täterrollen gibt, sondern Wunden, Ambivalenzen und Überlebensstrategien. Dass du die Dynamik zwischen Schweigen, Distanz, Verletzlichkeit und der vorsichtigen Annäherung so klar benennst, zeigt, wie aufmerksam du auf innere Bewegungen reagierst.
Besonders berührt hat mich, dass du die Stille angesprochen hast. Manch einer liest darin vielleicht Harmonie … du erkennst die Spannung, das Unheimliche, das Unsichere. Ja, es ist still, aber nicht, weil Frieden herrscht, sondern weil das Sprechen selbst zum Risiko geworden ist.
Und genau diese Ambivalenz benennst du: eine stille Kammer im Auge eines Orkans.
Das ist für mich eine sehr treffende Beschreibung; vielleicht ist dieses „zu stille“ nicht Schwäche, sondern die einzige Haltung, die noch nicht zerstört.
Dein Hinweis auf das „Geschmäckle“ ist sehr wichtig und auch wertvoll. Ich nehme ihn nicht als Kritik an einer fehlenden Härte, sondern als Erinnerung daran, dass literarische Räume manchmal notwendige Schutzräume sind, in denen wir aushalten können, was im realen Raum so laut schreit, dass man darin nicht denken kann. Mir ist bewusst, dass solche Texte keine Lösung sind, aber ein Ort, an dem man zumindest hineinhorchen kann, bevor man wieder hinausgeht.
Dass du den letzten Satz hervorgehoben hast, freut mich besonders. Er war für mich nicht Pointe, sondern Herzlinie:
Wer einen anderen hört, hat bereits begonnen, eine Brücke zu bauen – auch wenn er nie weiß, ob der andere jemals darüber gehen wird.
Worte wie deine machen sichtbar, dass Literatur nicht nur erzählt, sondern verbindet und selbst dort, wo es weh tut.
Danke!
Herzliche Grüße
Saira
du hast sehr präzise erfasst, was mir beim Schreiben wichtig war: Ich wollte keine moralische Einordnung, keine Lösung, kein Urteil, sondern genau jenes fragile Zwischenland, in dem Menschen aushalten müssen, dass es weder einfache Opfer- noch Täterrollen gibt, sondern Wunden, Ambivalenzen und Überlebensstrategien. Dass du die Dynamik zwischen Schweigen, Distanz, Verletzlichkeit und der vorsichtigen Annäherung so klar benennst, zeigt, wie aufmerksam du auf innere Bewegungen reagierst.
Besonders berührt hat mich, dass du die Stille angesprochen hast. Manch einer liest darin vielleicht Harmonie … du erkennst die Spannung, das Unheimliche, das Unsichere. Ja, es ist still, aber nicht, weil Frieden herrscht, sondern weil das Sprechen selbst zum Risiko geworden ist.
Und genau diese Ambivalenz benennst du: eine stille Kammer im Auge eines Orkans.
Das ist für mich eine sehr treffende Beschreibung; vielleicht ist dieses „zu stille“ nicht Schwäche, sondern die einzige Haltung, die noch nicht zerstört.
Dein Hinweis auf das „Geschmäckle“ ist sehr wichtig und auch wertvoll. Ich nehme ihn nicht als Kritik an einer fehlenden Härte, sondern als Erinnerung daran, dass literarische Räume manchmal notwendige Schutzräume sind, in denen wir aushalten können, was im realen Raum so laut schreit, dass man darin nicht denken kann. Mir ist bewusst, dass solche Texte keine Lösung sind, aber ein Ort, an dem man zumindest hineinhorchen kann, bevor man wieder hinausgeht.
Dass du den letzten Satz hervorgehoben hast, freut mich besonders. Er war für mich nicht Pointe, sondern Herzlinie:
Wer einen anderen hört, hat bereits begonnen, eine Brücke zu bauen – auch wenn er nie weiß, ob der andere jemals darüber gehen wird.
Worte wie deine machen sichtbar, dass Literatur nicht nur erzählt, sondern verbindet und selbst dort, wo es weh tut.
Danke!
Herzliche Grüße
Saira