Ohne Hände. Ohne Augen. Ohne Schuld.
Satire zum Thema Anpassung
von Saira
Kommentare zu diesem Text
Deine Beschreibungen und Vergleiche sind sehr originell und gefallen mir ausnehmend gut. Ein "Aquarium in dem Worte, Titel und Tabellen schwammen", und das Stehen im Türrahmen "als hätte das Licht sie gezeichnet und gleich darauf gelöscht" ist großes Kino und passt sehr gut zur Stimmung deiner Geschichte.
lg
Maroon
lg
Maroon
Moin Maroon,
ich danke dir. Deine Gedanken zum Text freuen mich sehr. :)
Das Aquarium war für mich das Sinnbild eines Systems, das Leben nur noch beobachtet, aber nicht mehr atmet. Alles bewegt sich, aber hinter Glas – scheinbar klar, tatsächlich luftlos. Ich wollte diese sterile Schönheit zeigen, die ihre Kälte als Ordnung tarnt.
Und der Türrahmen, in dem Unschuld steht, ist für mich genau dieser Grenzraum: Licht und Auslöschung im selben Atemzug. Ein Moment, in dem das Menschliche noch aufscheint, bevor es wieder in Funktion erstarrt.
Ich freue mich, dass du diese beiden Bilder so präzise herausgehört hast – sie sind das kurze Flackern im sonst gleichmäßigen Takt der Firma.
Herzliche Grüße
Saira
ich danke dir. Deine Gedanken zum Text freuen mich sehr. :)
Das Aquarium war für mich das Sinnbild eines Systems, das Leben nur noch beobachtet, aber nicht mehr atmet. Alles bewegt sich, aber hinter Glas – scheinbar klar, tatsächlich luftlos. Ich wollte diese sterile Schönheit zeigen, die ihre Kälte als Ordnung tarnt.
Und der Türrahmen, in dem Unschuld steht, ist für mich genau dieser Grenzraum: Licht und Auslöschung im selben Atemzug. Ein Moment, in dem das Menschliche noch aufscheint, bevor es wieder in Funktion erstarrt.
Ich freue mich, dass du diese beiden Bilder so präzise herausgehört hast – sie sind das kurze Flackern im sonst gleichmäßigen Takt der Firma.
Herzliche Grüße
Saira
Oh Sigi,
eine spritzige, spitze Satire mit einer Fülle gelungener Details mit hohem Schmunzelpotential.
Gut, es wird viel geraucht, also etwas von früher und es menschelt. Aber wie steht es heute um die Firma?
Mitarbeiterzahl halbiert, Aktienkurs verdreifacht, Übernahme inklusive der kratzigen Damen durch einen chinesischen Investor kurz vor dem Abschluss.
So macht Wirtschaft Spaß
!
Liebe Grüße
TT
eine spritzige, spitze Satire mit einer Fülle gelungener Details mit hohem Schmunzelpotential.
Gut, es wird viel geraucht, also etwas von früher und es menschelt. Aber wie steht es heute um die Firma?
Mitarbeiterzahl halbiert, Aktienkurs verdreifacht, Übernahme inklusive der kratzigen Damen durch einen chinesischen Investor kurz vor dem Abschluss.
So macht Wirtschaft Spaß
Liebe Grüße
TT
Lieber Tasso,
dein Kommentar hat mich köstlich amüsiert. Die „Übernahme durch einen chinesischen Investor“ ist fast zu realistisch, um noch Satire zu sein.
Ja, man könnte sagen: Der Kapitalismus hat Humor, solange man ihn nicht persönlich trifft. Ich fürchte nur, die „Aktienkurse“ der Menschlichkeit sinken noch immer und zwar ganz ohne Fusion.
Schön, dass du den Spott gehört hast, der zwischen den Zeilen lacht und zugleich friert.
Liebe Grüße
Sigi
dein Kommentar hat mich köstlich amüsiert. Die „Übernahme durch einen chinesischen Investor“ ist fast zu realistisch, um noch Satire zu sein.
Ja, man könnte sagen: Der Kapitalismus hat Humor, solange man ihn nicht persönlich trifft. Ich fürchte nur, die „Aktienkurse“ der Menschlichkeit sinken noch immer und zwar ganz ohne Fusion.
Schön, dass du den Spott gehört hast, der zwischen den Zeilen lacht und zugleich friert.
Liebe Grüße
Sigi
Hallo Sigi,
wenn man deine Satire als Mikroskop auf Demokratien richtet, dann versteht man, weshalb sie blind und taub zu Autokratien verkommen. Deine schneidenden Metaphern brennen eiskalt.
Liebe Grüße
Ekki
wenn man deine Satire als Mikroskop auf Demokratien richtet, dann versteht man, weshalb sie blind und taub zu Autokratien verkommen. Deine schneidenden Metaphern brennen eiskalt.
Liebe Grüße
Ekki
Lieber Ekki,
das ist ein kluger Gedanke: „Mikroskop auf Demokratien“ gefällt mir sehr, weil er den Blick umkehrt: Nicht die Machtverhältnisse sind neu, nur unsere Empfindung dafür ist abgestumpft.
Die Kälte in diesem Text war für mich keine ästhetische Entscheidung, sondern eine Diagnose. Man friert nicht, weil man empfindsam ist, sondern weil Wärme zur Ware geworden ist.
Ich danke dir für diese präzise Lesart.
Sigi
das ist ein kluger Gedanke: „Mikroskop auf Demokratien“ gefällt mir sehr, weil er den Blick umkehrt: Nicht die Machtverhältnisse sind neu, nur unsere Empfindung dafür ist abgestumpft.
Die Kälte in diesem Text war für mich keine ästhetische Entscheidung, sondern eine Diagnose. Man friert nicht, weil man empfindsam ist, sondern weil Wärme zur Ware geworden ist.
Ich danke dir für diese präzise Lesart.
Sigi
Moin Moin Saira,
der Text will belebt werden durch einen Leser, und zwar:
„…mit Hingabe, mit Haltung und mit Herz,…“
Sätze, die ins Rampenlicht wollen, das merkt man sofort:
„…Neonlicht bleichte die Haut….“
Soviel also zum schnellen Einstieg!
Eine Satire zwischen rasendem Herzschlag, weil die Szenen schnell aufeinanderfolgen und kalter Stagnation, unbewegt und durch Protagonisten, die entweder eiskalt agieren oder aber den Tod finden.
Alle Figuren schreien gerade danach eine Hauptrolle spielen zu wollen und verstecken sich doch; einfach köstlich:
„„Ich schicke die Aufgaben einfach weiter nach unten. Dort wachsen sie. Und wenn sie groß genug sind, ernten wir sie hier oben.“
Will heißen dann kommt der große Auftritt, dann will jeder ins Spotlight.
Es fällt auf Anhieb schwer, die Quintessenz, den roten Faden des Textes auszumachen. Aber die Überschrift lautet ja auch
„Ohne Hände. Ohne Augen. Ohne Schuld.“
Vielleicht ist das Ganze also blind zu erfassen, ohne Verlangen (sei es auch ein zaghaftes Tasten), ohne Frage nach Schuld im Sinne klassischer Gut und Böse Geschehnisse. Der Text schweigt über die Härte und die Unmenschlichkeit, die hinter vielen Firmenkulissen vor sich gehen. Der Leser wird dazu angeregt, sich selbst ein Bild zu machen, Worte zu finden und berührt zu werden.
Nochmal: „keine Hände“ d.h. man wird nicht an die Hand genommen von der Verfasserin,
„keine Augen“, d.h. der/die Leser:in sieht wenig bis gar nichts, vielleicht um:
„etwas zu beobachten, was sich sonst hinter Türen verbarg.“
Schließlich noch „ohne Schuld“ und das obwohl (oder weil (?)) „die“ Unschuld schließlich stirbt. Grandios.
Was bleibt ist brillant und Brillant und der Kellertyp, den ich mich kaum zu nennen traue, weil ich sonst zu viel wissen könnte, denn ich merkte mir:
„Die, die zu oft fragen. Die, die zu wenig wissen. Oder die, die zu viel wissen.“
Also: Wieviel will man vom Text verstehen, wie viel Nachfragen vertragen die Gewissheiten, die man ggf. durch die Interna erhält. Und: Könnte man danach noch arbeiten? In den Spiegel schauen? Leben? Das die Gesellschaft, exemplarisch an der Firma, sich immer mehr ausdünnt und ein weites Oben (Brillant) und einen tiefen Keller hat (Hausmeister), wobei dazwischen alles unter die Räder kommt oder in Rauch aufgeht, ist ein weiteres Indiz für die Tiefe des Textes.
Etwas sperrig. Eigenwillig und konzeptionell. Tiefgründig.
Gefällt mir!
der Text will belebt werden durch einen Leser, und zwar:
„…mit Hingabe, mit Haltung und mit Herz,…“
Sätze, die ins Rampenlicht wollen, das merkt man sofort:
„…Neonlicht bleichte die Haut….“
Soviel also zum schnellen Einstieg!
Eine Satire zwischen rasendem Herzschlag, weil die Szenen schnell aufeinanderfolgen und kalter Stagnation, unbewegt und durch Protagonisten, die entweder eiskalt agieren oder aber den Tod finden.
Alle Figuren schreien gerade danach eine Hauptrolle spielen zu wollen und verstecken sich doch; einfach köstlich:
„„Ich schicke die Aufgaben einfach weiter nach unten. Dort wachsen sie. Und wenn sie groß genug sind, ernten wir sie hier oben.“
Will heißen dann kommt der große Auftritt, dann will jeder ins Spotlight.
Es fällt auf Anhieb schwer, die Quintessenz, den roten Faden des Textes auszumachen. Aber die Überschrift lautet ja auch
„Ohne Hände. Ohne Augen. Ohne Schuld.“
Vielleicht ist das Ganze also blind zu erfassen, ohne Verlangen (sei es auch ein zaghaftes Tasten), ohne Frage nach Schuld im Sinne klassischer Gut und Böse Geschehnisse. Der Text schweigt über die Härte und die Unmenschlichkeit, die hinter vielen Firmenkulissen vor sich gehen. Der Leser wird dazu angeregt, sich selbst ein Bild zu machen, Worte zu finden und berührt zu werden.
Nochmal: „keine Hände“ d.h. man wird nicht an die Hand genommen von der Verfasserin,
„keine Augen“, d.h. der/die Leser:in sieht wenig bis gar nichts, vielleicht um:
„etwas zu beobachten, was sich sonst hinter Türen verbarg.“
Schließlich noch „ohne Schuld“ und das obwohl (oder weil (?)) „die“ Unschuld schließlich stirbt. Grandios.
Was bleibt ist brillant und Brillant und der Kellertyp, den ich mich kaum zu nennen traue, weil ich sonst zu viel wissen könnte, denn ich merkte mir:
„Die, die zu oft fragen. Die, die zu wenig wissen. Oder die, die zu viel wissen.“
Also: Wieviel will man vom Text verstehen, wie viel Nachfragen vertragen die Gewissheiten, die man ggf. durch die Interna erhält. Und: Könnte man danach noch arbeiten? In den Spiegel schauen? Leben? Das die Gesellschaft, exemplarisch an der Firma, sich immer mehr ausdünnt und ein weites Oben (Brillant) und einen tiefen Keller hat (Hausmeister), wobei dazwischen alles unter die Räder kommt oder in Rauch aufgeht, ist ein weiteres Indiz für die Tiefe des Textes.
Etwas sperrig. Eigenwillig und konzeptionell. Tiefgründig.
Gefällt mir!
Lieber Sascha,
deine Analyse liest sich wie ein feines Echo des Textes: gedanklich präzise und zugleich eigenständig.
Ich mag, dass du den Titel als Leseanweisung begreifst: „Ohne Hände, ohne Augen, ohne Schuld“ – also kein Führen, kein Erklären, kein moralischer Ausweg.
Du hast recht: Der Leser wird hier nicht „an die Hand genommen“, sondern in die Kälte entlassen – dahin, wo eigene Deutung erst beginnt.
Was du über den Hausmeister sagst, gefällt mir besonders. Er ist der letzte, der noch "menschlich" lebt, weil er nichts beansprucht. Vielleicht ist das die bitterste Pointe: Wer überlebt, ist der, der nicht mitspielt.
Danke für deine kluge, tiefgehende Lesart – sie sieht, was zwischen den Zeilen schweigt.
Herzliche Grüße
Saira
Dein Kommentar entlockt mir ein "Wow"
deine Analyse liest sich wie ein feines Echo des Textes: gedanklich präzise und zugleich eigenständig.
Ich mag, dass du den Titel als Leseanweisung begreifst: „Ohne Hände, ohne Augen, ohne Schuld“ – also kein Führen, kein Erklären, kein moralischer Ausweg.
Du hast recht: Der Leser wird hier nicht „an die Hand genommen“, sondern in die Kälte entlassen – dahin, wo eigene Deutung erst beginnt.
Was du über den Hausmeister sagst, gefällt mir besonders. Er ist der letzte, der noch "menschlich" lebt, weil er nichts beansprucht. Vielleicht ist das die bitterste Pointe: Wer überlebt, ist der, der nicht mitspielt.
Danke für deine kluge, tiefgehende Lesart – sie sieht, was zwischen den Zeilen schweigt.
Herzliche Grüße
Saira
Dein Kommentar entlockt mir ein "Wow"
Liebe Sigi,
eine bitterböse Satire auf die Effizienzsteigerung mit all ihren hässlichen Seiten. Ich sehe auch Parallelen zur KI, die in Zukunft einige Jobs wegrationalisieren wird...
Herzliche Grüße
Stefan
eine bitterböse Satire auf die Effizienzsteigerung mit all ihren hässlichen Seiten. Ich sehe auch Parallelen zur KI, die in Zukunft einige Jobs wegrationalisieren wird...
Herzliche Grüße
Stefan
Lieber Stefan,
wie recht du hast: Die KI klopft längst an die Tür von „Krawall & Partner“. Nur braucht sie keine Klingel … sie war nie draußen. Sie schreibt schon Protokolle, entlässt emotionslos und kennt keine Mittagspause.
Viele Firmen hätten ihre Freude daran: endlich Angestellte, die nicht atmen, aber liefern.
Herzliche Grüße
Sigi
wie recht du hast: Die KI klopft längst an die Tür von „Krawall & Partner“. Nur braucht sie keine Klingel … sie war nie draußen. Sie schreibt schon Protokolle, entlässt emotionslos und kennt keine Mittagspause.
Viele Firmen hätten ihre Freude daran: endlich Angestellte, die nicht atmen, aber liefern.
Herzliche Grüße
Sigi