Das Bürgergespräch
Satire zum Thema Ignoranz
von Saira
Kommentare zu diesem Text
Die Idee zum Text finde ich gut. Allerdings wird der Merz mit dem dargestellten Typus meiner Ansicht nach nicht so gut getroffen. Er ist Wortkarg und Sauerländer. Klar hat er Politsprech (Verzeihung für den Orwellschen Begriff) drauf. Aber er redet auch Klartext (was ihm auch wieder vorgeworfen wird). Für mich stellt sich die Frage, wie er in der bisherigen Regierungszeit mit dem Koalitionspartner die Fehler der vergangenen 10-20 Regierungsjahre so schnell bereinigen kann und wie der Spagat zwischen wirtschaftlichem Aufschwung, der Wohlstand sichern kann und abgefahrenen Forderungen von wirtschaftlich inkompetenten Sozialromantikern gelingen kann. Das Problem mit den Renten ist nicht neu und genausowenig würdevoll für die Rentner. Nur, nicht er hat es verschuldet. Wie lange schon wird von Reformen im Rentensystem gesprochen (Anlagebasiert z.B.) und was für ein Schuss in den Ofen war die hochgelobte Riesterrente, obwohl es schon früh Mahner gab, es würde nicht funktionieren.
Kommentar geändert am 30.12.2025 um 10:26 Uhr
Danke für die differenzierte Rückmeldung.
Mir ging es im Text weniger um ein realistisch-biografisches Porträt von Merz als Person, sondern um die Funktion, die er hier erfüllt: die Sprache der Macht, die auf konkrete Not trifft … und an ihr vorbeiredet.
Die Ignoranz, um die es mir geht, ist strukturell, nicht individuell. Die Figur Merz steht hier für das „Jetzt“, nicht für die Schuldfrage.
Ob Merz wortkarg oder klar redend ist, ändert an der Situation von Oma Trientje nichts. Und genau dort setzt die Satire an.
Liebe Grüße
Saira
Mir ging es im Text weniger um ein realistisch-biografisches Porträt von Merz als Person, sondern um die Funktion, die er hier erfüllt: die Sprache der Macht, die auf konkrete Not trifft … und an ihr vorbeiredet.
Die Ignoranz, um die es mir geht, ist strukturell, nicht individuell. Die Figur Merz steht hier für das „Jetzt“, nicht für die Schuldfrage.
Ob Merz wortkarg oder klar redend ist, ändert an der Situation von Oma Trientje nichts. Und genau dort setzt die Satire an.
Liebe Grüße
Saira
Liebe Saira,
Ich denke, ich habe Deinen Punkt verstanden. Allerdings scheint es schwierig, einerseits die Abstraktion zwischen Politik und wirklichem Leben satirisch darzustellen und andererseits den Protagonisten als eine wirkliche Person mit Klarnamen zu benennen. An der Stelle wäre, zumindest aus meiner Sicht, eine Formulierung wie etwa „der Präsident“, „der Landesvater“ oder etwa „der politisch Verantwortliche“ treffender gewesen. Auch „der Kanzler“ wäre mir zu spezifisch, da auch hier eine direkte persönliche Komponente drin steckt.
Danke für Deine Antwort auf meinen Kommentar!
Tom 😎
Ich denke, ich habe Deinen Punkt verstanden. Allerdings scheint es schwierig, einerseits die Abstraktion zwischen Politik und wirklichem Leben satirisch darzustellen und andererseits den Protagonisten als eine wirkliche Person mit Klarnamen zu benennen. An der Stelle wäre, zumindest aus meiner Sicht, eine Formulierung wie etwa „der Präsident“, „der Landesvater“ oder etwa „der politisch Verantwortliche“ treffender gewesen. Auch „der Kanzler“ wäre mir zu spezifisch, da auch hier eine direkte persönliche Komponente drin steckt.
Danke für Deine Antwort auf meinen Kommentar!
Tom 😎
Antwort geändert am 30.12.2025 um 20:59 Uhr
Lieber Tom,
ich verstehe den Wunsch nach einer abstrakteren Figur gut, habe mich dennoch bewusst für den Klarnamen entschieden: nicht als biografisches Porträt oder Schuldzuweisung, sondern als Zeitmarke. Der Name steht hier für ein Amt und für die Wirkung politischer Sprache im konkreten Jetzt … dort, wo sie auf reale Not trifft und ins Leere läuft.
Eine anonymere Bezeichnung hätte Distanz geschaffen. Der Text will Reibung und Nähe. Dass diese Zuspitzung irritiert, gehört für mich zur Form der Satire.
Danke dir für den respektvollen Austausch und das Weiterdenken.
Liebe Grüße
Saira
ich verstehe den Wunsch nach einer abstrakteren Figur gut, habe mich dennoch bewusst für den Klarnamen entschieden: nicht als biografisches Porträt oder Schuldzuweisung, sondern als Zeitmarke. Der Name steht hier für ein Amt und für die Wirkung politischer Sprache im konkreten Jetzt … dort, wo sie auf reale Not trifft und ins Leere läuft.
Eine anonymere Bezeichnung hätte Distanz geschaffen. Der Text will Reibung und Nähe. Dass diese Zuspitzung irritiert, gehört für mich zur Form der Satire.
Danke dir für den respektvollen Austausch und das Weiterdenken.
Liebe Grüße
Saira
Es is wias is.
Es kimmt wias kimmt.
Es is no nia net guadganga.
Es kimmt wias kimmt.
Es is no nia net guadganga.
Ja mei, Hannes, des mag scho stimma. Aber wenn ma’s bloß so hinnimmt, dann bleibts aa genau so.
Und des is halt a koa Lösung. :'(
Fürs neue Jahr wünsch i uns, dass ma net aufhörn, genau da hinzuschaun, wo’s weh tut.
Liabe Grüaß
Saira
Und des is halt a koa Lösung. :'(
Fürs neue Jahr wünsch i uns, dass ma net aufhörn, genau da hinzuschaun, wo’s weh tut.
Liabe Grüaß
Saira
Dass der Auftritt des Herrn Merz so ist, wie er ist, wird keinen wirklich überraschen.
Was den Finger aber richtig in die Wunde legt, ist der dargestellte Rahmen. Da kommt der Kanzler, aber das Volk hat keinen Bock....
Und selbst für die Macher dieser Begegnung ist alles nur ein Provinz-Job.
Ich würde für diese Art Bürger nicht Kanzler sein wollen.
LG
Eiskimo
Was den Finger aber richtig in die Wunde legt, ist der dargestellte Rahmen. Da kommt der Kanzler, aber das Volk hat keinen Bock....
Und selbst für die Macher dieser Begegnung ist alles nur ein Provinz-Job.
Ich würde für diese Art Bürger nicht Kanzler sein wollen.
LG
Eiskimo
Kommentar geändert am 31.12.2025 um 13:21 Uhr
Ich danke dir, lieber eiskimo, du triffst damit einen Punkt, der mir beim Schreiben fast wichtiger war als der „Merz-Auftritt“ selbst: dieser Rahmen aus Pflichttermin, Kamera-Setup, routiniertem Ablauf und der stillen Leere im Raum. Dass das Ganze ausgerechnet in Mümmelmannsberg spielt, also in einem sozialen Brennpunkt, ist dabei kein Zufall, sondern von mir beabsichtigt: Dort, wo Not besonders sichtbar ist, bleibt der Raum am Ende trotzdem leer.
Dass „das Volk keinen Bock hat“, ist ja im Text nicht einfach Faulheit, sondern auch Angst, Müdigkeit, Scham, Selbstschutz und genau das macht die Szene für mich so bitter. Wenn Beteiligung sich wie Risiko anfühlt und niemand mehr glaubt, dass Zuhören Folgen hat, wird das Bürgergespräch zur Kulisse. Und die Kulisse ist dann am Ende ehrlicher als jedes Statement.
Dein Satz „Ich würde für diese Art Bürger nicht Kanzler sein wollen“ hat für mich zwei Haken: Ja, die Enttäuschung ist nachvollziehbar, aber zugleich ist es auch genau die Frage, wer hier eigentlich wen aufgegeben hat. Der Text will ja zeigen, wie leicht beide Seiten in eine Haltung rutschen: die einen „brav verwalten“, die anderen „still verschwinden“. Und in der Mitte sitzt Oma Trientje und hält den Preis dafür in der Hand.
LG
Saira
Dass „das Volk keinen Bock hat“, ist ja im Text nicht einfach Faulheit, sondern auch Angst, Müdigkeit, Scham, Selbstschutz und genau das macht die Szene für mich so bitter. Wenn Beteiligung sich wie Risiko anfühlt und niemand mehr glaubt, dass Zuhören Folgen hat, wird das Bürgergespräch zur Kulisse. Und die Kulisse ist dann am Ende ehrlicher als jedes Statement.
Dein Satz „Ich würde für diese Art Bürger nicht Kanzler sein wollen“ hat für mich zwei Haken: Ja, die Enttäuschung ist nachvollziehbar, aber zugleich ist es auch genau die Frage, wer hier eigentlich wen aufgegeben hat. Der Text will ja zeigen, wie leicht beide Seiten in eine Haltung rutschen: die einen „brav verwalten“, die anderen „still verschwinden“. Und in der Mitte sitzt Oma Trientje und hält den Preis dafür in der Hand.
LG
Saira
Du entschuldigst die nicht erschienenen Bürger mit Scham, Selbstschutz, Angst, Müdigkeit ...obwohl sie die Chance gehabt hätten, dem Kanzler mal gehörig Bescheid zu sagen. Vor dem Journalisten, der allzugern doch auch was Kontroverses eingefangen hätte...
Nur die Verhältnisse sprechen lassen, erscheint mir da zu wenig. Demokratie braucht Mut und klare Kante.
LG
Nur die Verhältnisse sprechen lassen, erscheint mir da zu wenig. Demokratie braucht Mut und klare Kante.
LG
Ich widerspreche dir im Grundsatz nicht: Demokratie lebt von Widerspruch, Einmischung, klarer Haltung. Auf keinen Fall empfinde ich Schweigen als gut.
Ich habe vor einiger Zeit mit einer 14-Jährigen gesprochen, die sehr offen von sich, ihren Eltern und ihrem Umfeld erzählt hat. Was mich dabei erschüttert hat, war nicht politische Ahnungslosigkeit, sondern das frühe Gefühl: Es bringt ohnehin nichts. Dass Entscheidungen woanders fallen, dass man zwar reden darf, aber nicht gemeint ist.
Genau diese innere Leerstelle wollte ich im Text zeigen: eine Demokratie, die formal das Gespräch anbietet, während viele innerlich schon aufgehört haben, an Wirkung zu glauben.
Oma Trientje ist für mich kein Ersatz für die anderen, sondern ein Symptom. Sie spricht … ja. Aber sie spricht aus einer Position, in der kaum noch etwas zu verlieren ist.
Die Frage, die mich umtreibt, ist deshalb weniger: Warum haben die anderen geschwiegen? Sondern: Was ist passiert, dass selbst sehr junge Menschen früh lernen, sich innerlich zurückzuziehen?
LG
Saira
Ich habe vor einiger Zeit mit einer 14-Jährigen gesprochen, die sehr offen von sich, ihren Eltern und ihrem Umfeld erzählt hat. Was mich dabei erschüttert hat, war nicht politische Ahnungslosigkeit, sondern das frühe Gefühl: Es bringt ohnehin nichts. Dass Entscheidungen woanders fallen, dass man zwar reden darf, aber nicht gemeint ist.
Genau diese innere Leerstelle wollte ich im Text zeigen: eine Demokratie, die formal das Gespräch anbietet, während viele innerlich schon aufgehört haben, an Wirkung zu glauben.
Oma Trientje ist für mich kein Ersatz für die anderen, sondern ein Symptom. Sie spricht … ja. Aber sie spricht aus einer Position, in der kaum noch etwas zu verlieren ist.
Die Frage, die mich umtreibt, ist deshalb weniger: Warum haben die anderen geschwiegen? Sondern: Was ist passiert, dass selbst sehr junge Menschen früh lernen, sich innerlich zurückzuziehen?
LG
Saira
Wenn flächendeckend zutrifft, was Du beschreibst, liebe Saira, dann Gute Nacht, Demokratie.
Und in anderen Staaten, wo einfach der große Zampano dekretiert, wo es langgeht, scheint alles zu klappen. Solche Gedanken, wie wir sie gerade aushecken, gäbe es da nicht....
Nachdenkliche Grüße
Eiskimo
Und in anderen Staaten, wo einfach der große Zampano dekretiert, wo es langgeht, scheint alles zu klappen. Solche Gedanken, wie wir sie gerade aushecken, gäbe es da nicht....
Nachdenkliche Grüße
Eiskimo
Lieber eiskimo,
der „große Zampano“ wirkt nur deshalb handlungsfähig, weil er keine Rückfragen duldet.
Demokratie ist langsamer, widersprüchlicher, anstrengender, aber genau dort liegt ihre Substanz.
Mein Text beschreibt den Moment, in dem diese Substanz dünn wird. Wenn die Stimmen verstummen, beginnt das eigentliche Problem.
Ebenfalls nachdenkliche Grüße
Saira
der „große Zampano“ wirkt nur deshalb handlungsfähig, weil er keine Rückfragen duldet.
Demokratie ist langsamer, widersprüchlicher, anstrengender, aber genau dort liegt ihre Substanz.
Mein Text beschreibt den Moment, in dem diese Substanz dünn wird. Wenn die Stimmen verstummen, beginnt das eigentliche Problem.
Ebenfalls nachdenkliche Grüße
Saira