Wo das Dunkel aufbricht

Gedicht zum Thema Diesseits/ Jenseits

von  Saira

Nächte mit schweren Flügeln
streifen
durch brüchige Zeit –
Atem stockt.

 

Alte Hände tasten –
nah, kaum fassbar.
Schatten
um Spuren des Einst.

 

Dichtestes Dunkel:
Risse.
Licht – zitternd,
Tau auf müden Blättern,
ein Hauch an geschlossenen Lippen.

 

Verirrtes Lachen,
fehl am Platz,
treibt durch graue Gassen –
ein stilles Versprechen:
Heben unter der Fläche.

 

Trotz allem.
Trotz der Narben.

 

Und irgendwo, tiefer innen,
im Wechsel von Vergehen und Werden,
etwas Tragendes –
beharrlich.

Ein Flüstern:
Du wirst wahrgenommen.
Du bist mehr.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026




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Kommentare zu diesem Text


 franky (28.03.26, 10:37)
Hi liebe Sigi,
 
Ein beeindruckendes großes Bild von Leben und Vergehen.
 
Herzliche Grüße von Franky

 Saira meinte dazu am 28.03.26 um 19:05:
Hi, lieber Franky,

danke dir von Herzen – mehr wollte ich gar nicht, als genau dieses Empfinden anzustoßen.

Herzliche Grüße
Sigi

 EkkehartMittelberg (28.03.26, 12:32)
Hallo Sigi,

Licht überwindet das Dunkel, das eindringliche Metaphern zutiefst geschwärzt haben.

Liebe Grüße
Ekki

 Saira antwortete darauf am 28.03.26 um 19:07:
Hallo Ekki,

für mich war es weniger ein Überwinden als ein Aufbrechen, als würde das Dunkel selbst Risse bekommen und darin schon das Licht tragen. 

Liebe Grüße
Sigi

 Reliwette (28.03.26, 13:12)
Liebe Saira, ja, Du bist mehr!
 Brüchiges zerreibt an geformterr Erkenntnis:  Wie Sandschollen treiben Splitter mit der Vergangenheit davon: Leben bleibt! Der Grund wird sicherer, auf dem Du stehst, wandelst. Die Seele wird zum Licht geleitet, wo sie sich entfalten kann. Die Zeit ist gelebte Wahrnemung, lichtgestreute Erkenntnis.
Überwunden werden Schattenrisse über Betonquadranten!

Reli grüßt Dich!

 Saira schrieb daraufhin am 28.03.26 um 19:08:
Lieber Reli,

dieses Bild vom tragenden Grund und vom Licht, dem sich die Seele zuwendet, fühlt sich an wie ein Weiterdenken meines Textes oder vielleicht wie ein leises Antworten darauf.

Es ist, als würdest du genau das Flüstern aufnehmen, das sich am Ende meines Gedichts zeigt.

Danke dir für dieses Mitgehen.

Herzliche Grüße
Saira

 TassoTuwas (30.03.26, 01:30)
Liebe Sigi,

die Dunkelheit ist ein merkwürdiger Ort, einerseits bietet er den Schutz des Versteckens, andererseits ist er ein Ort der Furcht vor unsichtbaren Bedrohungen.
Das ist das Spannungsfeld in dem wir leben und das nur aufgelöst wird durch das Licht, das uns Gut und Böses wahrnehmen lässt.

Herzliche Grüße
TT

 Saira äußerte darauf am 30.03.26 um 10:33:
Lieber Tasso,

ein spannender Gedanke, dieses Spannungsfeld zwischen Schutz und Furcht.

Vielleicht ist das Licht gar nicht nur Auflösung, sondern ein leises Sichtbarwerden dessen, was im Dunkel bereits angelegt ist.

Ich danke dir dafür.

Herzliche Grüße
Sigi

 Moppel (01.04.26, 11:04)
sehr besinnliche und poetische Zeilen, Saira Ja, wir sind mehr als die Oberfläche. Aber  mit zunehmendem Alter werden wir weniger wahr genommen. Denn oftmals wird man eben definiert durch Status, Job, Position...Wenn das alles wegfällt, dann bleibt nur noch der Tau auf müden Blättern und ein unechtes Lachen...
lG von M.

 Saira ergänzte dazu am 01.04.26 um 20:25:
Hallo Moppel,

auch im Verschwinden von Rollen und Positionen bleibt etwas, das trägt – leise, zart, doch unvergänglich.

Liebe Grüße
Saira
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