Sog

Gedicht zum Thema Sucht

von  Saira

Schreie zerreißen die Nacht
Dunkelheit verliert ihre Haut
dumpfe Schläge in den Wänden
ein Rhythmus aus Sog und Wiederkehr

 

Ein Nachhall ohne Empfindung
eine starre Gegenbewegung im Innern
die den äußeren Takt nur noch
mechanisch fortsetzt

 

Der Klang treibt vorwärts
durch Körper ohne Halt
Bewegung ohne Richtung

 

Hass und Zorn am Rand
schreiten weiter
Furcht ohne Ausweg

 

Es hält fest
was sich selbst nicht mehr trägt

 

Haut wird fremd im eigenen Leben
liegt schwer auf Stein und Mauer
eingeschrieben in das, was bleibt

 

Der Körperraum füllt sich mit Hitze
mit falscher Nähe
mit einem Versprechen ohne Bestand

 

Alles wird enger
alles wird kleiner
bis nur noch dieser Kreis bleibt

 

Am Morgen liegt Kälte im Gras
die Nacht hängt noch in den Halmen
still und unbewegt

 

Tränen versinken im Stein
in Namen ohne Antwort

 

Wieder derselbe Kreis
dieselbe Bewegung
dieselbe Richtung ohne Ziel

 

kein Bruch entsteht
nur Fortsetzung

 

Der Sog bleibt
in jedem Schritt
in jedem Atemzug

 

Schreie ohne Ende

 

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026




Anmerkung von Saira:

„Für dich, du Liebe, im leisen Gegenlicht der Bewegung“

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Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (21.06.26, 10:44)
Hallo Sigi,

du hast die Wehrlosigkeit gegenüber der Heimsuchung durch Sucht eindringlich ins Bild gesetzt.

Liebe Grüße
Ekki

 Saira meinte dazu am 21.06.26 um 19:30:
Hallo Ekki,

ich danke dir für deine klare Rückmeldung.

Herzliche Grüße
Sigi

 Reliwette (21.06.26, 12:48)
Liebe Saira,
wie eindringlich du das Empfinden eines Suchtkranken beschreibst, nicht nur die Befindlichkeit, sondern die Ausweglosigkeit, die sich nicht nur für den/die Betroffene/n darstellt, sondern auch für deren Partner, auch wenn die Liebe längst zerstört wurde. Ich habe junge Frauen in einem Krankenhaus für psychisch kranke Patienten erlebt, deren Ehemänner einfach davongelaufen sind. Wenn beides zusammenfällt, Sucht und Depression, kann man den/ die Patientin mit normalen Ratschlägen, auch wenn siue durchaus gut gemeint sind, nicht mehr erreichen. Da tut sich eine Parallelwelt auf. In den Entzgseinrichtungen werken oft Mediziner, die nur entgiften, aber  keine Mittel zur Hand  haben, den Patienten bei ihren tieferen Zuständen zu helfen. Es gibt zahlreiche Medikamente, die den Zustand noch verschlimmern: Psychopharmaka, die aus einem Patienten einen Zombie machen. Sie kratzen die Tapete von den Wänden. Grauenhaft, einfach Grauenhaft: Das ICH einfacch ausgelöscht!
 Das Thema gehört in die Öffentlichkeit! Du hast den Mut dazu gefunden!
Mit liebem Gruß! Reli

Kommentar geändert am 21.06.2026 um 12:49 Uhr

Kommentar geändert am 21.06.2026 um 12:51 Uhr

 Saira antwortete darauf am 21.06.26 um 19:37:
Lieber Reli,

ich danke dir für deine intensive Auseinandersetzung mit dem Text und die Einblicke, die du aus deiner Erfahrung heraus schilderst.

Dein Hinweis auf die Grenzen von Behandlung und die Problematik von Entzug und Medikation ergänzt den Blick auf das Thema auf eine wichtige Weise.

Besonders dein Gedanke der „Parallelwelt“ bleibt mir hängen. Das, was so schwer auszuhalten ist: dass Nähe manchmal nicht mehr durchdringt, obwohl sie gemeint ist.

Herzliche Grüße
Saira
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