Nebelzug ins Gestern

Satire zum Thema Faschismus

von  Saira

Sie marschieren wieder,
die Pappnasen,
Nichtversteher
und Dumpfbacken –
ein Triumphzug
geistiger Minderleistung,
laut hupend
mit leerem Tank
und noch hohlerem Kopf.

 

Man erkennt sie sofort:
Sie tragen Gedanken wie Stolperfallen,
platzieren sie sich selbst vor die Füße
und wundern sich anschließend,
dass die Welt so kompliziert sei.

 

Die Pappnase
probt täglich den Aufzug ins Gehirn,
doch der Fahrstuhl bleibt stecken –
mangels Etagen.
Ein einzelner Dachboden
ohne Dach.
Der Wind pfeift hindurch
und trägt jeden Ansatz von Gedanken davon.

 

Der Nichtversteher
brütet stolz
über Missverständnissen,
bis sie ihm ausschlüpfen
wie kleine, fiepende Dummheiten.
Er füttert sie
mit Halbwissen
und wundert sich,
dass sie wachsen.

 

Die Dumpfbacke indes
hält sich für die dunkle Königin
des Denkens.
Sie thront
auf einem Sockel aus Vakuum,
salbt jeden Einfall
mit der goldenen Regel:
„Wenn ich’s nicht verstehe,
ist es bestimmt falsch.“
Ein Dogma,
zierlicher als jede Ketzerei.

 

Sie debattieren,
verhandeln,
gestikulieren –
und erschaffen dabei
eine neue Geistesdisziplin:
das professionelle Nichtdenken.
Ein Studiengang
für jene,
denen schon das Atmen
als intellektuelle Herausforderung gilt.

 

Wenn sie in ihren Hirnkammern
nachschauen,
ob irgendwer zuhause ist,
hallt nur ein Nichts zurück:
„Besetzt!“ –
doch niemand meldet sich.

 

Und dennoch
sind sie überzeugt,
die Welt erklären zu können.
Wie?
Mit Worten,
die sie nicht verstehen,
Argumenten,
die sie nicht besitzen,
und einer Selbstgewissheit,
die nur dort gedeiht,
wo kein Gedanke überlebt.

 

So ziehen sie weiter,
wieder und wieder –
ein Karneval
kognitiver Resteverwertung.
Hinten weht ein Banner:
„Hier bläst der Wind
durch längst entfesselte Brandherde.“

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2025



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Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (30.11.25, 09:29)
So isses!
Man kann gar nicht so schnell kotzen, wie's einem schlecht werden muss.

 Saira meinte dazu am 30.11.25 um 10:00:
Wenn die Fakten schon wie Karikaturen wirken, bleibt kaum etwas anderes übrig, als ihnen den Spiegel schärfer zu schleifen.

 EkkehartMittelberg (30.11.25, 09:41)
Hallo Sigi,

eine Kette von Metaphern, die scharf sind wie Rasierklingen.

Liebe Grüße
Ekki

 Saira antwortete darauf am 30.11.25 um 10:02:
Ich danke dir, Ekki.

Manchmal braucht es Klingen, um durch den Nebel zu kommen.

Liebe Grüße
Sigi

 Didi.Costaire (30.11.25, 12:08)
Ja Sigi,

ein Dachboden ohne Dach. Richtig überdacht wird da nichts.

Liebe Grüße, 
Dirk

 Saira schrieb daraufhin am 30.11.25 um 17:20:
Moin Dirk,

du sagst es: Ein Dachboden ohne Dach taugt nicht zum Denken.
Er lässt nur das Wetter hinein und manchmal sieht man leider, wie konsequent sich das in bestimmten Köpfen niederschlägt.


Liebe Grüße
Sigi

 TassoTuwas (30.11.25, 22:04)
Hallo Sigi,

ich würde mir wünschen, dass diese eindrucksvolle Satire von denen gelesen würde, die noch die Kraft und den Willen haben die Demokratie zu retten.

Liebe Grüße
TT

 Saira äußerte darauf am 01.12.25 um 09:14:
Moin lieber Tasso,

ach, wenn sie doch lesen würden!

Aber Satire verlangt ein Mindestmaß an Leseverständnis und genau das bricht ja gerade weg wie morsches Holz.
Die, die die Demokratie retten könnten, ringen darum.

Die anderen ringen nur mit der Grammatik und wundern sich dann, warum die Welt so schwer zu verstehen ist.  :(

Ich danke dir.

Liebe Grüße
Sigi

 Mikael (04.12.25, 14:02)
Pappnasen, nichtversteher und dumpfbacken...Fridays for Future oder Omas gegen rechts?
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