Tango rückwärts

Gedicht zum Thema Erotik

von  Saira

Eine Sehnsucht,
süß wie verbotener Hauch,
erwacht im ersten Klang.

 

Ein Tangopaar
tritt aus dem Schatten.


Die Nacht
hält den Atem an.

 

Ein Blick.
Ein Zögern.
Ein Versprechen.

 

Hände finden sich.
Feuer wandert
lautlos unter die Haut.

 

Der erste Schritt
kennt nur die Umkehr.
Der nächste
führt mitten ins Verlangen.

 

Jede Drehung
raubt den Atem,
jede Pause
nährt die Glut.

 

Zwischen ihren Körpern
bleibt kaum mehr
als der Rhythmus,
der sie trennt
und zugleich vereint.

 

Er führt.
Sie antwortet.
Ein Herzschlag.
Ein Puls.
Ein glühendes Schweigen.

 

Zwischen den Takten
zittert die Stille.
Jede Annäherung
kostet Beherrschung,
jede Berührung
weckt namenloses Sehnen.

 

Ihre Körper
zeichnen Kreise
aus Wärme und Hingabe.
Ein flüchtiges Streifen
über die Haut,
ein verweilender Blick …
und die Nacht
trägt ihr lautloses Verlangen.

 

Aus jedem Schritt
steigt Glut.
Mit jeder Drehung
wächst ein Feuer,
das keine Flamme braucht.

 

Sie verbrennen
im Schweigen des Tangos,
ohne zu vergehen –
zwei Flammen,
die lichterloh
im selben Takt tanzen.

 

Die Welt
versinkt im Dunkel.
Es bleiben
Duft,
Wärme,
das leise Beben
einer einzigen Sehnsucht.
Zug um Zug
fällt alles,
was zwischen ihnen stand –
Zeit,

jede Distanz.

 

Als der letzte Ton verklingt,
tanzt die Sehnsucht weiter.

 

Rückwärts.

 

Immer tiefer
ins Feuer des anderen.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026





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Anmerkung von Saira:

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Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (28.06.26, 10:14)
Hallo Sigi,
die Sehnsucht des Tango und die Sehnsucht nach dem Tango enden nie.

Liebe Früße
Ekki

 Saira meinte dazu am 28.06.26 um 13:41:
Hallo Ekki,

wie schön du das ausdrückst. 

Ja, ich glaube auch, dass die Sehnsucht des Tangos niemals wirklich endet. Sie verklingt höchstens mit der Musik, um im Herzen gleich wieder den ersten Schritt zu wagen. 

Herzlichen Dank für deine schönen Worte.

Liebe Grüße
Sigi

 Reliwette (28.06.26, 12:47)
hallo Saira,
ein wunderschönes Feuerwerk aus Bewegung und stillem Verlangen. Summa cum laude"
Reli grüßt!

 Saira antwortete darauf am 28.06.26 um 13:49:
Lieber Reli,

„Summa cum laude“, was für ein wunderbares Prädikat!
Für mich ist Tango die Sprache der Sehnsucht, gesprochen mit Schritten statt mit Worten.
 
Vielen Dank für deine warmes und so wertschätzendes Feedback!

Herzliche Grüße
Sigi

 TassoTuwas (28.06.26, 15:07)
Liebe Sigi,
vom Balkon eines Hauses an der Caminito, in der La Boca, winken Maradona, Evita und Carlos Gardel, herunter, zu den auf der Straße Tango tanzenden Paaren. In Musik und Bewegung verschmelzen Körper zu einer berauschenden Einheit aus Stolz, Begehren und Leidenschaft, alle Erdenschwere vergessend. Eine traumhaft schöne Szene die den Passanten in ihren Bann schlägt. 
Du hast die Worte gefunden, die dieses wunderbare Bild wieder wach riefen.
Dafür herzlichen Dank 
TT

 Saira schrieb daraufhin am 28.06.26 um 18:07:
Lieber Tasso,

deine Worte haben mein Gedicht für einen Moment zurück an seinen Ursprung getragen. Der Caminito, die Musik, die Menschen ... all das gehört zum Tango wie der Atem zur Sehnsucht.

Dass beim Lesen diese Bilder in dir wieder lebendig wurden, freut mich von Herzen.

Vielen Dank für deinen wundervollen Kommentar.

Liebe Grüße
Sigi

Antwort geändert am 28.06.2026 um 18:07 Uhr

 Hannes (28.06.26, 18:03)
Liebe Saira,
als eingefleischter Nichttänzer gibt's von mir nur ein 👍🏿 ,
als Milonguero gäb's natürlich ein  🖤.
Der
Hannes

 Saira äußerte darauf am 28.06.26 um 18:12:
Lieber Hannes,

vielen Dank!

Vielleicht ist das ja das schönste Kompliment: wenn sogar ein eingefleischter Nichttänzer bei einem Tangogedicht hängen bleibt.

Darüber freue ich mich sehr.

Liebe Grüße
Saira
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