Ein Klopfen zur rechten Zeit

Gedicht zum Thema Erotik

von  Saira

Er kam, als sich der Morgen dehnt,
der Tag war jung, die Welt ganz still.
Ich saß im Schlafrock, leicht entlehnt
im Traum, der weiterträumen will.

 

Da klopft es sacht – ein heller Klang.
Ich stolpre hin, die Locken quer.
Vor mir ein Jüngling, federlang,
in Gelb, so schön – wo kam er her?

 

„Ein Päckchen nur“, so sprach er lind
und reichte’s mir mit frommem Blick,
als trüg er Botschaft, seltsam, blind,
von Liebe, Schicksal oder Glück.

 

Ich nahm den Stift, mein Herz geriet
in Unruh, aus dem Takt und Raum.
Mir war, als ob sein Schatten glüht,
wie Flügelschlag aus Morgentraum.

 

Er roch nach Regen, Staub und Wind,
nach Aufbruch, Frühlicht, Ferngeleit.
Ich dacht: Vielleicht bringt er geschwind
mir selbst ein Stück Verlorenheit.

 

Ich öffne leis das Päckchen mein –
ein Duft entströmt, mir wird ganz heiß.
Darin: zwei Slips, so zart, so klein,
bestellt zum Megaschnäppchenpreis.

 

Er grüßt zum Abschied, winkt und lacht,
sein Fahrrad glänzt im Sonnenlauf.
Und über mir, ganz sacht, ganz sacht,
geht grad die Morgensonne auf.

 

Seitdem wenn’s an der Türe klopft,
lauf ich schnell hin, im Négligé –
vielleicht, wer weiß, worauf man hofft –,
ob ich den jungen Boten seh?

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2025



Hinweis: Der Verfasser wünscht generell keine Kommentare von niemand, Citronella, Moppel, Verlo und Otto.

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 Maroon (04.11.25, 08:11)
Dein Morgen scheint auf jeden Fall geruhsamer zu verlaufen, als mein eigener, ein paar Texte unter dir ... ;)

Fein gedichtet. Ich wünsche dir noch ganz viele weitere tolle Schnäppchen!  :)

lg
Maroon

 Saira meinte dazu am 04.11.25 um 17:32:
Danke, Maroon,  :)

ja, mein Morgen begann eher poetisch als produktiv – die Inspiration brachte der Postmann

LG
Saira

 plotzn (04.11.25, 08:37)
Pass bloß auf, liebe Sigi! "Wenn der Postmann zweimal klingelt", möchte man plötzlich seinen Ehemann loswerden...  ;)

Warnende Grüße
Stefan

 Saira antwortete darauf am 04.11.25 um 17:36:
Lieber Stefan,

versprochen, ich bleibe tugendhaft ... solange der Postmann nicht in Versform klingelt. 

Dann wäre’s wohl um meine Selbstbeherrschung geschehen!

Liebe Grüße
Sigi

 S4SCH4 (04.11.25, 09:49)
Das Gedicht startet äußerst romantisch. Träumerisch. So stellt man sich Liebe vor, nicht wahr?

Der Postbote wird als eine Art Amor angedeutet, doch in einem „Sonnengelb“ wäre er wohl geschmeidiger herangetreten: Will hier sagen: Das Gelb, ein wenig grell so direkt, leitet eine realere Ebene des Gedichts ein und weckt ein wenig auf, dazu passend auch das moderne Päckchen. Doch gerade das wollten wir doch nicht, oder, also aufwachen, in die Moderne, ferner in das Reale? Deshalb wird auch weitergeschlummert mit den nächsten zwei Strophen, die wieder wunderbar zur ersten passen und ein wenig weiterträumen lassen. Doch dann geht es ans Eingemachte: Das Päckchen wird geöffnet und siehe da: Slips zum Megaschnapper!

Der Armor hat getroffen. Zwischen Traum und Wirklichkeit weiß nun beides sich vereint und:
„sein Fahrrad glänzt im Sonnenlauf.
zusammen mit
„geht grad die Morgensonne auf.“
versteckt zwischen winken, lachen und sacht und sachter.

Ohne nun große Worte an liebestheoretischen (Wahn)sinn zu verlieren, komme ich zum Schluss:
Das Gedicht kennt sich aus. Die Liebe, real, ist um einiges realer, als man manchmal mag, wenn es sich schön träumen lässt. Und das wird mit den verwendeten Worten auch unbarmherzig klar gemacht. Es ist vielleicht ein „Wacht auf!“, denn Liebe hat was mit dem „MEGASCHNÄPPCHENPREIS zu tun“, mit Dingen und Kommerz, mehr vielleicht als der im „Schlafrock“ so schön eingeleitete Beginn des Gedichts. Aber es ist auch ein "schlaf weiter", mein Traum wartet auch auf dich, Armor. Also wer will die Liebe schon "begreifen" ... ???

So, diese Kombination aus diskreter, träumerischer unantastbarer Romantik und dem realen Megaschnapper (frönt und packt an die Fleischeslust) ist sehr gewagt, so gewagt wie die gelieferte, heiße Ware wahrscheinlich. Ja, bei sowas wird der Bote selbst vergöttert, denn man erwartet immerfort noch Antworten und ist "lernbegierig".

 Saira schrieb daraufhin am 04.11.25 um 17:42:
Lieber Sascha,

deine Analyse war mir ein echtes Vergnügen: klug, detailreich und mit einer Portion feiner Ironie, die ich sehr schätze. Du hast die Zwischentöne genau dort aufgespürt, wo sie ihren Klang entfalten: zwischen Traum und Wirklichkeit, Sehnsucht und Schnäppchenpreis.

Ich musste schmunzeln, wie du Amor in Gelb entlarvt hast – halb Bote, halb Symbol für das absurde Zusammenspiel von Poesie und Alltag. Genau das war der Gedanke, der mir beim Schreiben im Kopf herumging: wie schnell Romantik auf den Boden der Realität plumpst, sobald das Etikett „Megaschnäppchen“ auftaucht. 

Deine Lesart bringt dieses Spannungsfeld wunderbar zum Klingen. Ich freue mich sehr, dass du die Heiterkeit zwischen den Zeilen erkannt hast – und auch den kleinen Seitenhieb auf unsere moderne Liebe, die manchmal mehr Lieferzeit als Leidenschaft kennt.

Herzliche Grüße
Saira

 EkkehartMittelberg (04.11.25, 14:38)
Hallo Sigi,

das ist die Botschaft, auf die ich gewartet habe: etwas romantisch geistreich Heiteres zu rechten Zeit. Das heißt ja nicht, dass man sich daneben ernsthafte Gedanken macht.

Herzliche Grüße
Ekki

 Saira äußerte darauf am 04.11.25 um 17:44:
Ekki, welche Botschaft liest du – meine oder die Version, die dir gerade passt?

LG
Sigi

 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 04.11.25 um 22:32:
Sigi, ich schätze dich zu sehr, als dass ich eine Version lese, die mir gerade passt.
Herzliche Grüße
Ekki

 Didi.Costaire (04.11.25, 14:41)
Hallo Sigi,

so füllt sich nun ihr Kleiderschrank 
mit manchem Spitzenschlüpfer,
und höret sie den Klopfeklang,
dann macht sie einen Hüpfer...

Liebe Grüße, 
Dirk

Kommentar geändert am 04.11.2025 um 14:42 Uhr

 Saira meinte dazu am 04.11.25 um 17:52:
Hallo Dirk,

deine Reimfreude ist ansteckend! Ich fürchte, wenn du so weitermachst, bestell’ ich demnächst Reimschlüppa im Doppelpack.


Danke fürs Mitdichten!


Liebe Grüße
Sigi

 Tula (04.11.25, 17:12)
Hallo Sigi
Als Student machte ich mal einmal pro Woche den Blöden, der den Bürgern unbestellte Zeitungen (20% belangloses blabla über die Stadt, der Rest Werbung / Anzeigen) in den Briefkasten drückt. Ich träumte mitunter davon, dass mir unerwartet eine zauberhafte Prinzessin die Tür öffnet (ohne König bzw. den Dobermann im Gelände). Aber nein, es waren stets nur ziemlich dröge dreinschauende und meistens ältere Damen aus den lichtlosen Katakomben des Palastes. Gut wenigstens, dass keine einen zum Knutschen hässlichen Frosch in mir sah 

LG Tula

 Saira meinte dazu am 04.11.25 um 17:59:
Ach Tula,

vielleicht lag’s einfach daran, dass du im Seniorenzentrum zugestellt hast  

Herzliche Grüße
Sigi

 TassoTuwas (05.11.25, 09:19)
Moin Sigi,

ich verrate dir, Postbote stand auch auf der Liste meiner Traumberufe ganz weit oben. 
Aber nur kurze Zeit.
Das war, als der Briefträger noch sexmal in der Woche kam. Ich sag nur, nix für ungut, ...aber auf Dauer, ...diese Landfrauen!

Liebe Grüße
TT

 Saira meinte dazu am 05.11.25 um 10:38:
Moin Tasso,

da hätten wir uns ja beinahe auf der Schwelle getroffen … du mit dem Beutel voller Briefe, ich mit der Hoffnung auf ein kleines Wunder in Gelb.


Sechs Mal die Woche klingt allerdings nach Überforderung.


Herzlich Grüße
Sigi
Zur Zeit online: