Internationale Autoverkäufer

Persiflage zum Thema Beobachtungen

von  Saira

Der Italiener:
Mit viel Charme, Sonnenbrille und einem Espresso in der Hand lehnt er sich an das Auto. „Bella macchina! Nur von einer Nonna zum Markt gefahren! Der Motor? Klingt wie Pavarotti! Die Beule? Das ist italienisches Design, nennt sich 'La Dolce Vita-Delle'.“ Er gestikuliert wild, küsst die Hand des Kunden und verspricht, dass das Auto mindestens so lange hält wie die Liebe zu seiner Mamma. TÜV? „Ach, in Italien machen wir das mit Gefühl!“

 

Der Araber:
Er öffnet die Motorhaube, aus der ein leichter Rauch aufsteigt. „Bruder, das ist kein Problem, das ist Feature! Auto fährt wie Kamel in der Wüste – unzerstörbar! Kilometerstand? Wallah, nur 30.000, der Rest ist Segen von Allah. Und schau, ich geb dir noch Duftbaum und Felgen dazu, nur für dich, Bruderpreis!“

 

Der Amerikaner:
Mit Cowboyhut und breitem Grinsen: „This is the American Dream on four wheels! Ein echter Klassiker, fast wie ein Mustang. Klar, ein paar Gebrauchsspuren, aber das ist Patina, das macht ihn wertvoll! Und schau mal, wie viel Platz für Burger und Cola! Wenn du das Auto kaufst, bist du quasi schon Präsident!“

 

Der Deutsche:
Mit Klemmbrett und Krawatte: „Also, das Fahrzeug wurde regelmäßig gewartet, alle Inspektionen sind im Scheckheft dokumentiert – naja, fast alle. Die kleine Undichtigkeit am Motor ist laut Hersteller Stand der Technik. Die Bremsen quietschen? Das ist ein akustisches Warnsystem. Und der Preis ist natürlich… verhandelbar, aber nur nach DIN-Norm.“

 

Der Russe (Mafia):
Mit Goldkette und Lederjacke: „Auto sehr gut, fährt wie Panzer. Kleine Problem? Kein Problem. Du kaufst, du fährst, du lebst. Du nicht kaufst… du hast Problem. Kilometerstand? Vergiss Kilometerstand. Wichtig ist, du hast Schlüssel, du hast Glück. Und du sagst niemandem, wo du das Auto gekauft hast, ja? Besser für Gesundheit!“


Der Pole:
Mit breitem Lächeln: „Auto fast wie neu! Nur ein Vorbesitzer – meine Tante aus Krakau, fährt nur sonntags zur Kirche. Alles Original, außer Motor, Getriebe, Türen, Sitze… aber alles polnische Handarbeit! Und schau, ich geb dir noch Navi dazu – funktioniert. Wort drauf!“

 

Der Chinese:
Mit fleundlichem Nicken: „Seh gutes Auto, sehl günstig, sehl zuvellässig. Kleine Klatzer? Das ist FengShui, blingt Glück. Elsatzteile? Kein Ploblem, ich schick dil Link zu Online-Shop, alles billig. Und schau, ich habe noch Panda-Aufklebel, macht Auto schnellel!“

 

Der Ostfriese (auf Plattdeutsch):
„Jo, dat is mien Auto. Löppt noch, wenn de Wind von achtern kummt. De Bremsen? Mookt nix, hier gifft dat keen Verkehr. Motor röhrt, dat is normal bi uns. Wenn du dat Auto kööpst, kriegst noch 'n Sack Krabben dorbi. Un wenn dat nich fahrt, schieb wi dat tosam!“

 

Der Insulaner:
„Das Auto? Hat nur ein bisschen Seeluft abbekommen, deshalb die Roststellen – das ist maritimes Flair! Fährt super, solange Ebbe ist. Und falls du mal steckenbleibst, kein Problem: Wir holen dich mit’m Boot ab. Preis? Inselzuschlag, aber dafür gibt’s Möwengeschrei gratis!“

 

 

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2025



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Kommentare zu diesem Text


 Teo (20.08.25, 19:59)
Na Sigi,
da haste den Polen aber verschont.
Sind einige Polen nicht aggressive Autohasser? Eigentlich unverständlich,  denn Eigentumsübereignungen von 
SUVs tätigen die doch am liebsten.
Ansonsten mag ich sie. Immer für einen Lacher gut.....
Herzliche Grüße 
Teo

 Saira meinte dazu am 20.08.25 um 21:45:
Polnische Autohasser, Teo? Nee, so ist das nicht! Die lieben Autos … nur eben nicht unbedingt ihre eigenen.  :ermm:
 
 
Liebe Abendgrüße
Sigi

 Moppel (20.08.25, 22:03)
der Kölner:

Jung, dat is dat beste Auto, wat et he je gejewwe hätt. Fährt quasi nie, also is nie jefahre, also isch mein, is so jut wie neu.(Macht de Höhner auf CD-Player an)...oh lala, willst enne Pizza .Kriessse dazu, de CD vun de Höhner...
Un isch sach: Ok, isch nemm de Pizza...
:D
von M.

 Teo antwortete darauf am 20.08.25 um 22:05:
Ha!!! Nit schlescht!

 Saira schrieb daraufhin am 20.08.25 um 22:48:
Das is fei gudd, Moppel!  :D
 
Der Sachse sacht:
 
„Nu gugge ma, der Motor schnurrt wie’n Kätzchen uff’m Heizkissen! Un wenn de mol stehst, dann machste dir halt ’ne Bemme und wartst bisser wieder rollt.“


LG
Saira

 Moppel äußerte darauf am 21.08.25 um 12:58:
ne Bemme :D isch glöv dat is he wat anders... Grins

 Saira ergänzte dazu am 21.08.25 um 18:02:
Haha, Moppel, das schdimmt. Bei uns hier drohbn im Norden is’n „Butterbrot“, im Osten ’ne Bemme, im Süden is’s ’ne „Schnitte“ und im Rheinland ’ne „Stulle“. Aber is doch egal, wie’s heeßt: Hauptsache, das Auto rollt irgendwann mal wieder los.

 plotzn (21.08.25, 14:06)
Servus Sigi,

ich merk schon, Du würdest überall auf der Welt zurechtkommen, zur Not als Autoverkäuferin.

Der Bayer:
Der is im Supa-Sonda-Sejl, wennd'st vastehst, wos i maon. Ja mei, die kloana Delln da... wuist die Karre foan oda oschaugn? Da Motor is no atsrein und hat koane achzgdausend drauf. Und wanna da trotzdem verreckt, dann host hoid Pech ghabt.

Pfiat di!
Stefan

 Saira meinte dazu am 21.08.25 um 18:05:
Griaß di, Stefan,
 
i sogs ja, da Beschiss lauert überoi! Es schod ned, wenn ma aufpasst.  :)
 
Neulich in Wien is a Autoverkäufer auf mi zua kemma:
 
„A kleine Beule? Oida, des is a Glücksbringer! In Wien sagt ma: Wer an Ditscherl im Auto hat, hat an Schutzengel im Rückspiegel!“
 
Bis boid. Pfiaddi!
Sigi

 TassoTuwas (21.08.25, 14:20)
Min leev Deern,

ik heff nix gegen Butenländers, kannst mi glöven.
Aver ik kööp mien Autos bloot bi de Handelslüüt, bi de op de Döör steit "Wi snackt platt".
Dat is een ganz annern Spraak mit de Lüüt.
Bruuktautokoop is Vertroonssaak!

Hol di stief mien Seute
leev Gröten
TT

 Saira meinte dazu am 21.08.25 um 18:06:
Mien leeve Fründ Tasso,
 
du hest Recht: Bruuktautokoop is Vertroonssaak!
 
Un wenn du dat Auto bi een Snack op Platt kööpst, kriegst noch 'n Gummistiefel-Set dorbi … för de plattdüütsche Wetter! Ik heff mien Auto van Otto köfft un allens mit Krabbenöl in de Gang holden, dat löppt!
 
Hol di wacker, Seuten!
 
Leeve Gröten
Sigi

 Tula (21.08.25, 22:44)
Liebe Sigi
Beim extra-Krabben-Sack würde ich auf jeden Fall das Auto beim Friesen kaufen!

LG Tula

 Saira meinte dazu am 22.08.25 um 09:39:
Moin Tula,
 
du hast den wahren Wert erkannt: Krabben statt Klimaanlage! :)
 
Und hier noch der Portugiese:
 
Mit Sonnenhut, Flip-Flops und einer Pastel de Nata in der Hand lehnt er sich entspannt ans Auto. „Der Motor? Läuft wie ein Fado-Lied, manchmal traurig, aber immer mit Herz! Und schau, ich geb dir noch einen Handventilator und eine Flasche Olivenöl dazu.“ :D
 
Liebe Grüße
Sigi

 Tula meinte dazu am 22.08.25 um 12:08:
Oh liebe Sigi
Die privaten Autoverkäufer sind hier besonders aktiv. Die Zettel mit Kontaktadresse und dem Vermerk "wir kaufen jedes Auto" lasse ich unter dem Scheibenwischer, weil ja ohnehin sofort ein neuer kommt.
Vor etwa 15 Jahren habe ich mal ein Auto verkauft. Zunächst meine Annonce und dann warten. Etwa zwei Tage. Der erste Verdacht am Telefon bestätigte sich. Auf dem Parkplatz vorm Haus erschienen zwei ungarische Soßenbinder. Ich tippte auf Onkel und Neffe. Wir feilschten eine Weile, bis ich großzügig einwilligte. Der Neffe zog ein Bündel Scheine aus der Hosentasche und drückte ihn mir ohne Vorzuzählen in die Hand. Der Betrag stimmte. 
Meine erste Sorge verflüchtigte sich schnell. Die Scheine waren echt. Die zweite war berechtigt, denn heimische ungarische Soßenbinder ziehen es gewöhnlich vor, die Behörden nicht in ihre komplizierten Geschäfte zu verwickeln und den An- und Verkauf der Autos zu melden. Zwei Wochen später rief mich der neue Eigentümer an, um mit mir den Papierkram zu regeln. Wieder ein merkwürdiger Dialekt, dieses Mal ein netter bulgarischer Einwanderer und seine Familie. Er war beim Treffen hocherfreut, mich als ebenfalls ausgesprochen netten Einwanderer kennenzulernen und war kurz davor, mich zu einem bulgarischen Shashlikabend einzuladen. 

Das mit dem Olivenöl für den Motor scheint mir eine treffliche Idee zu sein. Schade nur, dass jenes so teuer geworden ist. 

LG Dirk

Antwort geändert am 22.08.2025 um 12:11 Uhr

 Saira meinte dazu am 22.08.25 um 18:35:
Lieber Dirk,
 
ein bisschen mediterrane Gelassenheit, ein Schuss Balkan-Charme und eine Prise norddeutscher Krabben … und schon läuft der Handel wie geschmiert  :)
 
Den Begriff „Soßenbinder“ für windige Autohändler kannte ich bisher noch nicht, aber den merke ich mir! Und wer mit bulgarischen Soßenbindern Geschäfte macht, bekommt offenbar nicht nur ein Auto, sondern gleich noch eine Einladung zum Shashlik-Abend dazu. So wird aus einer einfachen Transaktion schnell ein kleines Fest der Kulturen. :D
 
Danke für deine amüsante Schilderung!
 
Herzliche Grüße
Sigi

 Teo meinte dazu am 23.08.25 um 07:23:
Hallo,
jetzt bin ich aber auch neugierig.
Soßenbinder? Ich vermute, Dirk drückte sich vor dem Unwort Zigeuner....
Letztens fragte mich auch Klaudia...möchtest du heute ein pikantes osteuropäisches Gemüseschnitzel?
Sie hat mir dann aber eine Polakenpfanne gemacht....mit geklauten Tomaten.....

Antwort geändert am 23.08.2025 um 07:28 Uhr

 Saira meinte dazu am 23.08.25 um 10:29:
Moin Teo,
 
der Begriff „Soßenbinder“ ist in diesem Zusammenhang wohl einfach eine kreative, scherzhafte Bezeichnung für Leute, die mit allerlei Tricks und Charme versuchen, beim Autokauf oder -verkauf das Beste für sich herauszuholen, unabhängig von ihrer Herkunft.
 
In meiner Persiflage darf mit Klischees gespielt werden.
 

Sigi

 Teo meinte dazu am 23.08.25 um 11:04:
Ja, mit Klischees muss man spielen dürfen. Genau das habe ich meiner Schwiegermama auch gesagt, als ihr nach ihren Aussagen zwei Zigeunerrinnen die Geldbörse und eine Halskette geklaut haben. Alles Klischees.... meinte ich nur. Jetzt ist sie sauer....

 Tula meinte dazu am 23.08.25 um 12:45:
Hallo Sigi und Teo
Ihr habt wohl beide recht. Tricks und Charme einerseits und dann das Klischee ... Aber nicht doch, wie ausdrücklich betont, waren alle Scheine echt und die Behörden wurden vom An- und Verkäufer nicht unnötigerweise belästigt. Es kam nach meinem 'Deal' auch keine unerwartete Buße für Tempo usw. Da wäre ich nicht der erste gewesen.

LG Tula
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