Hygge

Gedicht zum Thema Länder/ Erdteile

von  Saira

In Dänemark, so lernte ich,
geht manches anders, sicherlich.
Der Wind hat hier ein leichtes Spiel:
Er bläst, wohin und wann er will.

 

Das Wetter liebt den schnellen Tausch:
erst Sonnenschein, dann Wasserrausch.
Kaum glaubt man noch an Himmelsblau,
ist ringsherum schon alles grau.

 

Das Fahrrad kennt hier keinen Feind,
auch wenn der Himmel kräftig weint.
Man strampelt weiter, ungerührt,
wohin der nächste Radweg führt.

 

Ein Hotdog lockt, man greift gleich zu,
mit Gurken drauf – verspeist im Nu.
Die Soße tropft beim ersten Biss
genau dorthin, wo’s lästig ist.

 

Die Fenster leuchten hell und klar,
Gardinen sieht man selten da.
Manch nackter Däne läuft durchs Haus,
wer draußen schaut, hält’s eben aus.

 

Der Dannebrog weht stolz im Wind,
weil Dänen gern beim Feiern sind.
Bei Festen sieht man Rot und Weiß,
das gehört dazu im Dänenkreis.

 

Bei Kerzenlicht sitzt man noch spät,
weil Hygge über alles geht.
Man trinkt Kaffee in froher Rund
und plaudert sich die Seele bunt.

 

Die Marmelade schmeckt famos,
beim Namen ist der Zweifel groß.
„Den Gamle Fabrik", welch ein Spaß,

man sucht nach Schimmel erst im Glas.

 

Den Brief zur Post? Das wird schon schwer,
die roten Kästen gibt’s nicht mehr.
Wer hier noch schreibt mit Tinte, Hand,
betreibt fast Denkmalschutz im Land.

 

Auch Müllentsorgung hält schön fit,
man nimmt die Tüten wandernd mit.
Die Sammelstelle lockt von fern
,
der Müll reist schließlich auch mal gern.

 

Ob Müll, ob Hotdog, Wind und Nass,
die Dänen nehmen’s mit viel Spaß.
Bei Kaffee dann und Kerzenschein
kann selbst der Regen hyggelig sein.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026


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Bild mit Hilfe von KI erstellt



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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (18.09.26, 11:33)
Liebe Saira,
   dann mal gut Hygge, das dänische Wort für Wohlbefinden, Gemütlichkeit und wenn jemand durch das Fenster schaut, weil keine Gardinen den Scharfblick auf unbekleidete Personen in der Stube verhindern, dann sagt man:"Selbst "in Schuld" - hättest ja nicht reinzugucken brauchen...
Herrlich, diese unkomplizierte dänische Gesellschaft und herrlich dargestellt!
Lieber Gruß! Reli

 Saira meinte dazu am 18.09.26 um 14:32:
Lieber Reli,

herrlich – „selbst schuld, hättest ja nicht reingucken brauchen“! Das merke ich mir für meinen nächsten neugierigen Blick durch ein dänisches Fenster.

Überhaupt gefällt mir diese unaufgeregte Haltung: Keine Gardinen? Na und. Regen? Dann fährt man eben trotzdem Fahrrad. Und hinterher gibt’s Kaffee bei Kerzenschein.

So langsam glaube ich, Hygge ist weniger eine Einrichtung als eine Lebenseinstellung.

Danke dir fürs Mit-Hyggen!

Kærlig hilsen
Saira
Saira

 EVdR (18.09.26, 13:58)
Ein anregender Text, der Erinnerungen triggert.


Der Blick in Wohnzimmer und " ich hätte nicht kucken brauchen" kommt mir bekannt vor.
Ich denke an Friesland und die Niederlande. Ich bin's nicht anders gewöhnt. Rücksicht , Verhalten, bestimmt beeinflusst, sagte ein Niederländer.

Heute sieht man vermehrt, Vorhänge - Blickdicht, Lamellen, Rolladen - vereinzelt. Was sagte ein Gastgeber, Niederländer, gehobenes Alter, Vater. "Die Jugend ist freier und verklemmter. Wir, früher am Strand, Handtuch entbehrlich, ohne Touristen, unter Freunden. Heute Handtuch , Bademantel unverzichtbar.

 Saira antwortete darauf am 18.09.26 um 14:36:
Moin EVdR,

spannend, dass du diese Offenheit aus Friesland und den Niederlanden kennst. Für mich war sie hier in Dänemark zunächst tatsächlich etwas, das mir sofort aufgefallen ist und natürlich musste es irgendwann in einem Gedicht landen.  :)

Deine Erinnerungen an früher finde ich interessant. „Die Jugend ist freier und verklemmter“ ist ein bemerkenswerter Satz. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr gefällt mir dieser Widerspruch.

Schön, dass mein „Hygge“ bei dir gleich eine ganze Reihe eigener Bilder und Erinnerungen hervorgeholt hat.

Liebe Grüße
Saira

 Schtzngrrrrm (18.09.26, 15:22)
KEINE GARDINEN?  :D :D :D

IST IN DÄNEMARK ETWA DER "GROßE AUSTAUSCH" SCHON VOLLBRACHT UND ALLE SIND ZU "ISLAMISTEN" GEWORDEN? 

 Saira schrieb daraufhin am 20.09.26 um 14:34:
Du siehst das völlig falsch!  :D

Keine Gardinen bedeutet in Dänemark offenbar einfach: Wer draußen vorbeigeht, muss mit dem leben, was drinnen geboten wird. :ermm:

Ich habe jedenfalls gelernt, dass ein unschuldiger Blick in ein dänisches Wohnzimmer gelegentlich mehr Informationen liefert, als man eigentlich haben wollte.

Liebe Grüße
Saira

 Didi.Costaire (18.09.26, 16:01)
Gern gelesen, Sigi!

Lässig, wie die Dänen neben
Nachbarn wie den Schweden leben,
die Gardinen aufgehangen
und dahinter sind gefangen.
Halt' auf Pölser große Stücke
und natürlich auf die Hygge.
Tät ich meine Sehnen dehnen,
würd ich mich nach Dänen sehnen. :)

Liebe Grüße, 
Dirk

 Saira äußerte darauf am 20.09.26 um 14:35:
Hej Dirk,

wenn die Sehnsucht nach den Dänen
kräftig zieht in deinen Sehnen,
hilft am Ende nur geschwind:
auf nach Norden, trotz dem Wind! 

Pölser gibt es obendrein,
Hygge auch bei Kerzenschein.
Und du kannst ganz ungeniert
sehn, wer ohne Stoff flaniert.

Danke für deine herrliche Antwort in Versen!

Hej, hej
Sigi

 AchterZwerg (19.09.26, 06:31)
Scheiß Staat
oder 
die Revolte

Hierzulande klagt man gern,
in der Nähe und von fern,
über allzu teuren Sprit,
denn der Staat verdient gleich mit!!

Dreister noch, so geht die Mär,
ward des Dänen Geldsack leer:
Auf Gardinen lag Gebühr -
lautes Jammern für und für!

Gleich kam der ganz ohne aus,
läuft bis heute nackt durchs Haus!
Wenn dies dich auch arg empört,
weil es, sittenwidrig, stört!  :O

*leider handelt es sich nur um eine Legende

 Saira ergänzte dazu am 20.09.26 um 14:38:
Die Gardinensteuer also nur eine Legende. Die fehlenden Gardinen zum Glück nicht, sonst müsste ich meine Strophe nachträglich noch zur Legende erklären.

Gruß
Saira
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