Wiegenlieder und Bahnhöfe

Gedicht zum Thema Ewig/ Ewigkeit

von  Saira

Zwischen den Jahren
bleibt ein Gewebe
aus Atem und Erinnerung,
aus Blicken,
durchwachten Nächten,
und Namen,
im Dunkel geflüstert.

 

Zwischen Wiegenliedern
und fernen Bahnhöfen –
Schlüssel im Schloss,
Lichter
hinter fremden Fenstern.

 

Doch in jenen Herzen,
die einst wachten,
laufen sie noch immer
warmfüßig durchs Sommergras,
leicht
wie Blütenstaub im Wind.

 

Die Zeit zieht Fäden –
durch Abschiede,
Wiedersehen,
Schweigen
zwischen Umarmungen.

 

Und Liebe lernt,
immer stiller zu werden.

 

Bis sie schließlich
ein Netz aus Licht wird,
das lautlos trägt –


selbst das,
was längst entschwindet.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026


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 Neuschöpfung, für das Forum genehmigt



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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (08.05.26, 09:49)
Ja, Saira, so ist es, wenn Liebe aus Erinnerungen gewachsen die Zeit überwindet und sich im Jetzt wiederfindet. Erinnerungen an das Morgen, Erwartungen an das Gestern. Sand und Wellenspiel droht es zu überwuchern, aber der Geist ist stark, er lässt sich nicht verdrängen. Er bleibt. Was Bestand hat wird überleben und die Zukunft ausrichten, gestalten, auch wenn wir nicht mehr im realen Leben existieren. Diese gewobenen Brücken werden niemals einstürzen!
DerReli winkt

 Saira meinte dazu am 08.05.26 um 16:14:
Lieber Reli,

deine Worte über Erinnerungen an das Morgen und Erwartungen an das Gestern empfinde ich als wunderschön paradox und zugleich als wahr. Denn Erinnerungen verlaufen selten geradlinig. Sie mischen Zeit, Sehnsucht und Hoffnung ineinander, bis Vergangenheit und Gegenwart kaum noch voneinander zu trennen sind.

Dass du dem Geist eine solche Beständigkeit zuschreibst, passt sehr zu dem, was ich beim Schreiben empfunden habe: Manche Nähe bleibt bestehen, selbst wenn das Leben längst weitergezogen ist. 

Danke für feinsinnigen Gedanken.

Herzlich zurückwinkend,
Saira

 EkkehartMittelberg (08.05.26, 11:06)
Hallo Sigi,
es gilt die Fäden zu entdecken, die die Zeit zieht. Sie bleiben, solange wir sie wahrnehmen können.
Du hast ein wundervolles Bild zu deinem feinsinnigen Gedicht gefunden.
Liebe Grüße
Ekki

 Saira antwortete darauf am 08.05.26 um 16:17:
Hallo Ekki,

dein Kommentar gefällt mir sehr, weil er den Blick genau auf jene unsichtbaren Fäden lenkt, die das Gedicht durchziehen. Oft bemerken wir erst im Rückblick, wie sehr Zeit Menschen, Erinnerungen und Gefühle miteinander verwebt hat.

Ich freue mich sehr, dass du auch das Bild als stimmig empfindest. 

Danke und liebe Grüße
Sigi

 Moppel (09.05.26, 12:34)
das Leben ist eine Wanderung, Saira, zwischen Wiegenlied und Bahnhöfen. Und jeder hofft, irgendwann anzukommen. Dort, wo die Liebe ihn trägt...
lG von M.

 Saira schrieb daraufhin am 09.05.26 um 16:34:
Hallo Moppel,

zwischen Wiegenlied und Bahnhof wandert der Mensch,
immer hoffend, dass Nähe trägt und Erinnerung leise weiterklingt. Danke!

LG
Saira
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