Nächtliche Umarmung

Gedicht zum Thema Lebensbetrachtung

von  Saira

Die Lebensuhr tickt lauter,
das Hier schwindet im Raffer der Zeit.
Ich wiege mich in den Armen
des Herbstwindes,
sinne Sommerträumen nach.

Regen benetzt welkes Blätterwerk,
meine Gedanken finden sich in den Ästen
kahler Bäume.
Ich lausche meinen Schritten,
die Nacht legt ihre Arme um mich.


©Sigrun Al-Badri/ 31.10.2021

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Kommentare zu diesem Text


 AnneSeltmann (12.04.26, 14:51)
Hallo Saira!

(Ich stöbere gerade durch deine Texte...)


Dieses Gedicht hat mich sofort in diese eigentümliche Stimmung versetzt, die nur der Herbst auslösen kann – wenn draußen alles leiser wird und man plötzlich auch sich selbst deutlicher hört.
Ich mag besonders, wie du das Älterwerden nicht direkt beklagst, sondern über die Natur sprechen lässt. Die Jahreszeit übernimmt hier das, was vielleicht schwerer direkt zu sagen wäre: dass die Zeit spürbarer wird, dass etwas vergeht, dass man zurückblickt. Dadurch wirkt der Text nicht klagend, sondern nach innen gewandt.
Sehr berührt hat mich die Zeile, in der deine Gedanken sich „in den Ästen kahler Bäume“ finden. Darin liegt für mich dieses stille Sich-Wiedererkennen im Außen – als würde die Landschaft den inneren Zustand mitsprechen.
Und der Schluss bleibt besonders schön hängen:
Die Nacht kommt hier nicht bedrohlich, sondern beinahe tröstend. Als würde sie sagen: Auch Melancholie darf einen umarmen.
Ein sehr inniger Text über Vergänglichkeit, Erinnerung und das stille Einverständnis mit der Zeit.


Liebe Grüße

Anne

 Saira meinte dazu am 13.04.26 um 09:04:
Hallo Anne,


es ist schön, wie du die Herbststimmung, das innere Lauschen und die Umarmung der Nacht aufgenommen hast. 

Danke, dass du so aufmerksam und einfühlsam in die Zeilen eingetaucht bist.

Herzliche Grüße
Saira
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