Wo das Ungewordene atmet

Gedicht zum Thema Wahrnehmung

von  Saira

Zwischen Zeiten ohne Namen
ein Moosübergang,
als hätte die Erde Schwere vergessen.

 

Ein Wald beginnt
nicht dunkel, sondern durchlässig:


Herz im Holz,
Gedanken in geritzter Rinde.

 

Irrlichter hängen zwischen Zweigen,
keine Sterne,
nur Erinnerungen,
die ihren Ort gefunden haben.

 

Auf einer Lichtung,
rund wie ein vergessenes Versprechen,
Wärme
ohne Namen, ohne Ruf.

 

Feuer aus Stille,
Atem wird Gold.

 

Brot bricht
Zeit in Teile.


Ein Rand aus Dunkelheit um das Jetzt,
das noch nicht entschieden ist.

Ungewordenes wird Form,
die Nacht hält es innen,
die Welt atmet es aus.

 

Drinnen weicht alles zurück,
nicht leerer,
nur leiser.

 

Der Mond steigt,
sein Licht schreibt
ohne Wort, ohne Widerstand.

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (19.06.26, 19:30)
Liebe Saira,
 wunderschöne Lyrik, die ihr Wissen ins Herz treibt. Ja, die in die Rinde geritzte Wahheit ist ein Versprechen, das lautlos die Zeit überdauert. Feuer wird Stille,  Atem wir Gold, dort, wo Liebe ist!

Ich mag deine Botschaft sehr.
Reli grüßt!

 Saira meinte dazu am 20.06.26 um 10:31:
Lieber Reli,

deine Worte haben etwas Schönes weitergeöffnet.

Die in die Rinde geritzte Wahrheit – ich sehe sie jetzt fast noch deutlicher: als etwas, das nicht festhält, sondern langsam mit dem Holz weiteratmet, mit der Zeit selbst.

Danke dir für diese stille Resonanz.

Saira

 EkkehartMittelberg (20.06.26, 10:55)
Hallo Sigi,
das Leben ist wie ein Wald. Wer eine Lichtung erreicht. lässt das Ungewordene atmen.
Liebe Grüße
Ekki

 Saira antwortete darauf am 21.06.26 um 14:19:
Moin Ekki,

schönes Bild – ich nehme die Lichtung und lasse das Ungewordene gerne dort atmen.

Liebe Grüße
Sigi

 TassoTuwas (22.06.26, 09:29)
Liebe Sigi,

das "Ungewordene", ein geheimnisvolles Wort, der ungezählten Möglichkeiten, hinter dem Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte und Niederlagen namenlos werden. 
Es lebt, es ist da, es atmet, es lässt sich zeitweilig vergessen, aber nicht vertreiben.
Ein Gedicht der stillen Wahrnehmung.

Herzliche Grüße
TT

 Saira schrieb daraufhin am 23.06.26 um 13:47:
Lieber Hans,

ich glaube, jeder Mensch trägt ein Ungewordenes in sich. Nicht nur Wünsche und Sehnsüchte, sondern auch Wege, die nicht gegangen wurden, Worte, die ungesagt blieben, und Augenblicke, die nie ganz verschwinden.

Danke dir für deine warmen und nachdenklichen Zeilen.

Herzliche Grüße
Sigi
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