Ort des Friedens

Gedicht zum Thema Harmonie

von  Saira

Zwischen zwei Atemzügen
entstand ein Garten,
den keine Landkarte kennt.

 

Dort wachsen Blumen
aus unausgesprochenen Gedanken,
ihre Blüten bergen Farben,
für die die Ewigkeit noch keine Namen fand.

 

Über ihnen ziehen Hummeln
wie kleine Gesandte des Sommers,
während Hornissen,
aus Netzen der Schwere befreit,
goldene Kreise in die Luft schreiben –
stille Dankesbriefe
an die Güte der Welt.

 

An diesem Ort
ruht Harmonie nicht wie ein Wort,
sondern wie ein warmer Stein in der Sonne,
auf dem Frieden seine müden Füße ausstreckt.

 

Eine Stimme wandert
durch die Zweige der Zeit,
weich wie der Flügelschlag eines Nachtfalters,
nah wie ein Fensterlicht
in der Ferne.

 

Und wenn die Welt draußen
ihre harten Trommeln schlägt,
ihre Fahnen aus Ärger,
Neid und Lärm entrollt,
bleibt dieser Ort bestehen:
ein Baldachin aus hohem Gras,
ein Glas mit Sternenperlen,
ein Himmel, der nichts beweisen muss.

 

Manchmal ziehen Cherubine vorbei
mit Taschen voller Wolkenstaub.
Sie sammeln die verlorenen Splitter des Lichts
und tragen sie hinauf
in die Archive des Unendlichen,
wo nur das Wesentliche bleibt,
und jedes Herz seine Waage findet.

 

So blüht der Garten weiter –
nicht gegen die Dunkelheit,
sondern jenseits von ihr,
wie der Duft einer Rose
auf den Händen des Windes,
lange nachdem die Nacht
die Tore des Tages geschlossen hat.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026


Hinweis: Der Verfasser wünscht generell keine Kommentare von niemand, Citronella, Moppel, Verlo und Otto.

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (11.06.26, 11:03)
Hallo Sigi,
eine wunderschöne Vision.
Wer diesen Garten in sein Inneres holt, den können Missgunst und böse Gedanken nicht verletzen.
Heitere Grüße
Ekki

 Saira meinte dazu am 11.06.26 um 22:00:
Lieber Ekki,

ja, dieser Garten lebt in jedem von uns, der bereit ist, ihm Raum zu geben. Wer ihn betreten darf, entscheidet nicht die Welt draußen, sondern die Stille in unserem Inneren. Dass du ihn so fühlst, freut mich sehr.

Herzliche Grüße
Sigi

 Didi.Costaire (11.06.26, 11:13)
Moin Sigi,

so ein Ort, an dem der Frieden seine müden Füße ausstrecken kann, ist heutzutage bitter nötig. Ein wohltuendes Gedicht.

Liebe Grüße, 
Dirk

 Saira antwortete darauf am 11.06.26 um 22:05:
Moin Dirk,

wie schön, dass du den Frieden zwischen den Zeilen gefunden hast.  :)

Danke dir!

Liebe Grüße

Sigi

 Reliwette (11.06.26, 11:23)
Hallo Saira

                        Ein Zaubergarten
                        für Seelen , die
                        Harmonie in sich
                        tragen?
                          
                        Wer kann ihn entdecken?
                        Wer darf ihn betreten?
                        Wer darf in ihm wohnen?

                         Und wer kann ihn
                         zerstören?
                         
                          Die Hornisse bedankt
                          sich, wenn du sie
                          aus den Fäden des
                          Spinnennettes  
                          befreist, fordert
                           keine Sternchen ein 
                           im Wunder des
                           Seelengartens
                            
Dieser Text, liebe Saira, ist nicht KI unterstützt. Die Klaumaschine
kennt diesen Garten noch nicht. Aber ab sofort werden ihn auch
andere user beschreiben können - trotz Copyright.

Mit frdl. Gruß!
Reli

 Saira schrieb daraufhin am 11.06.26 um 22:08:
Lieber Reli,

deine Fragen spiegeln genau das Geheimnis dieses Gartens wider: er öffnet sich nur dem, der mit dem Herzen geht, und bleibt unberührt von dem, der nur mit den Händen greift. 

Mit lieben Grüßen
Saira

 eiskimo (11.06.26, 22:14)
In Chaumont an der Loire gibt es jedes Jahr das "Festival des Jardins" mit sehr poetischen Gartenkreationen - verspielt, kreativ, märchenhaft....
Dein Gedicht hat mich einen Moment lang dorthin versetzt, wobei Du noch mehr Zauber und Philosophisches hinbekommst - Deine Worte nehmen einen perekt mit - félicitations!
Eiskimo

 Saira äußerte darauf am 12.06.26 um 08:38:
Salut Eiskimo,

merci beaucoup für deine wunderbare Rückmeldung! Dein Hinweis auf Chaumont-sur-Loire lässt mich sofort die Wege und die fantastischen jardins voller poésie sehen.

Vielleicht hat mein Seelengarten einen kleinen pont d’imagination gebaut, der unsere Gedanken miteinander verbindet.

Ich freue mich sehr, dass du den Zauber und die Harmonie in den Zeilen gespürt hast: c’est merveilleux!

Herzliche Grüße
Saira

 plotzn (12.06.26, 08:53)
Servus Sigi,

sie sind selten, aber es gibt sie, diese Moment des (inneren) Friedens, in denen alles in Einklang scheint. Ich habe sie vor allem nach körperlicher Anstrengung erlebt, nach Ersteigen eines Berggipfels, auf den noch keine Seilbahn fährt, wenn Wetter, Ausblick und Vesper für die Erschöpfung entlohnen...

Liebe Grüße 
Stefan

 Saira ergänzte dazu am 12.06.26 um 09:57:
Servus Stefan,

deine Gipfelmomente sind wie kleine Wandlungen meines Seelengartens - dort, wo Mühe und Atem belohnt werden, finden Körper und Seele gleichzeitig Ruhe.   :)

Liebe Grüße
Sigi

 downunder meinte dazu am 12.06.26 um 15:00:
Mich spricht dieser Text nicht sonderlich an, weil er mir zu blumig und teilweise zu metapherlastig  ist. Das liegt natürlich immer im Auge des Betrachters. Wirklich schön finde ich indes folgende Strophe:

Manchmal ziehen Cherubine vorbei
mit Taschen voller Wolkenstaub.
Sie sammeln die verlorenen Splitter des Lichts
und tragen sie hinauf
in die Archive des Unendlichen,
wo nur das Wesentliche bleibt,
und jedes Herz seine Waage findet.


Diese Strophe hat etwas, sie ist geheimnisvoll. Ich habe auch deswegen einfach mal bei  Dir vorbeigeschaut, weil ich Deinen Brief gelesen habe.

 Herzliche Grüße

downunder

Antwort geändert am 12.06.2026 um 15:01 Uhr

 Saira meinte dazu am 13.06.26 um 14:59:
Hallo downunder,

ich mag ehrliche Gedanken zu Texten. Und es stimmt, man kann mein Gedicht als zu "blumig" empfinden.

Dass du dennoch eine Strophe als geheimnisvoll und schön zitierst, freut mich natürlich sehr.

Liebe Grüße
Saira

 millefiori (12.06.26, 18:26)
Einfach wunderschön, zum Wegträumen, dass tut gut.

Liebe Grüße, ich geh noch bisschen träumen
Millefiori

 Saira meinte dazu am 13.06.26 um 15:01:
Oh, wie schön ist das denn? Ich freue mich, dass dich mein Gedicht zum Träumen bringen konnte.

Vielen Dank für deinen Kommentar!

Liebe Grüße
Saira

 Quoth (12.06.26, 19:26)
Ich fürchte, da würde ich mich langweilen.

Kommentar geändert am 12.06.2026 um 19:26 Uhr

 Saira meinte dazu am 13.06.26 um 15:02:
Ehrlich, lieber Quoth? Dann brauchst du vielleicht keinen friedlichen Ort zum Träumen.

LG
Saira

 Quoth meinte dazu am 13.06.26 um 17:59:
Stimmt. Ich kann mit Eskapismus nichts anfangen. Er gaukelt uns eine Süße vor, die verdammt nach Saccharin schmeckt! :D

 Quoth meinte dazu am 15.06.26 um 10:23:
Ich habe mich erwischt: Bin doch ein Escapist. Bevorzuge neuerdings das Radio gegenüber dem Fernsehen.
Zur Zeit online: