Ömchen
Gedicht zum Thema Annäherung
von altezeit
Kommentare zu diesem Text
Ein wortgewaltiger Text, mit dem Du Dich hier vorstellst. Herzlich willkommen, altezeit! Geradezu programmatisch wehrt er sich dagegen, von alten Menschen Güte, Weisheit und Wohlwollen zu erwarten. Aggressive Verbitterung - ja, auch mit der kann es zu Ende gehen.
Hallo Quoth, ich habe irgendwie auch zärtliche Gefühle für Ömchen. Sie verzweifelt. An sich und an der Welt. Ich will sie näher kennenlernen. In anderen Texten. Mal schauen, was dabei rauskommt. LG, altezeit.
Antwort geändert am 03.04.2026 um 21:24 Uhr
Moin,
ich überlege noch, ob ich Ömchen bemitleiden oder mich vor ihr verstecken soll. Vermutlich beides.
Ein Gedicht wie ein Besuch ohne Vorankündigung – man vergisst ihn nicht.
LG
Saira
ich überlege noch, ob ich Ömchen bemitleiden oder mich vor ihr verstecken soll. Vermutlich beides.
Ein Gedicht wie ein Besuch ohne Vorankündigung – man vergisst ihn nicht.
LG
Saira
Kommentar geändert am 03.04.2026 um 21:02 Uhr
Hallo Saira, oder beides? Beide Sichtweisen auf die Figur sind im Text angelegt. LG, altezeit.
Kräftig, prall, herb und eindrucksvoll !
Hallo Hannes, stellst du dir Ömchens Körper analog dazu vor? LG, altezeit
Lieber nicht, ich hab' mit meiner Beschreibung eigentlich deinen Text gemeint.
Diese Zerrissenheit zermürbt. Ihr Herz ins Becken gerutscht. Blumige Sprache. Zu blumig? nein, in ihr lebt und bebt das Leben, von niemand gesehen, von niemand beachtet. Ein Ist - Zustand, der nie vergeht, so scheint es.....So wahr, so schmerzhaft wahr....Es geht unter die Haut, schmerzt...
LG Hanna
LG Hanna
Hallo Hanna, es freut mich sehr, dass du sie so sehen kannst! LG, altezeit
Liebe altezeit, darf ich etwas anmerken : ich bezweifle, dass diese Frau, die du beschreibst, ein Ömchen ist. Sie wird vielleicht als eine solche gesehen, aber in meinen Augen ist sie eine gestandene Frau, die wirklich und realistisch hinschaut. Ich finde dein Gedicht wortgewaltig, es schreit, verzweifelt und gerecht. Es steht nicht über den Dingen, sondern mitten drin.
Hallo Hanna, ich finde, ein Ömchen zu sein und eine gestandene Frau zu sein, schließt sich nicht aus. Diese Figur ist beides und noch viel mehr. LG, altezeit.
Ja, diese Figur birgt viele Möglichkeiten, das ist ja das Wunderbare daran. Du hast das gut und fein getroffen. Ich ging von mir aus, ein Ömchen ist für mich ein fast hilfloses Bündel Mensch. Ich sehe, das du diesen Begriff weiter und umfassender fasst.
LG Hanna
LG Hanna
Die Oma fordert Ausweis(dokumente), schaut dabei in die Kamera dieser textlichen (Geburtstags)dokumentation und kaut, kaut, kaut. An der Zukunft und mit wundem Zahnfleisch, wie ein Tier und mit Lebensatem von Wechselgeld. Ömchen, etwas Altes, ein/e Land/schaft(?), eine traditionelle deutsche Schuld? Eine Matriarchin?
Das scheinbar Anverwandte (m/w/d) daran lässt den Wunsch durchscheinen, sie, die Alte, solle innerlich doch fliegen und hüpfen … ein flüchtiger Wunsch und schnell wieder fort. Im Wortgewaltigen untergegangen.
Der zweite Teil (Absatz) wird griffig und scheint klar zu machen: es geht um einen Jahrestag: Geburtstag? Feiertag? Befreiungstag? Fraglich. Anfassen. Atem. Annäherung. Und schließlich: Schläge. Die herzeiserne Erziehung ruft und damit …
… treten die „neuen Kinder“ (Enkel oder Generation xyz) auf den Plan. Sie verbünden sich schließlich und lassen die Alte im Sonnenuntergang zu Staub zerfallen. Sorge und Mund(propaganda) bleiben bis(s) zum Schluss.
Interessanter Text, danke und beste Grüße, Sascha
Das scheinbar Anverwandte (m/w/d) daran lässt den Wunsch durchscheinen, sie, die Alte, solle innerlich doch fliegen und hüpfen … ein flüchtiger Wunsch und schnell wieder fort. Im Wortgewaltigen untergegangen.
Der zweite Teil (Absatz) wird griffig und scheint klar zu machen: es geht um einen Jahrestag: Geburtstag? Feiertag? Befreiungstag? Fraglich. Anfassen. Atem. Annäherung. Und schließlich: Schläge. Die herzeiserne Erziehung ruft und damit …
… treten die „neuen Kinder“ (Enkel oder Generation xyz) auf den Plan. Sie verbünden sich schließlich und lassen die Alte im Sonnenuntergang zu Staub zerfallen. Sorge und Mund(propaganda) bleiben bis(s) zum Schluss.
Interessanter Text, danke und beste Grüße, Sascha
Hallo S4SCH4, interessante Deutung. Wie du auf Geburtstag und Schuld kommst, verstehe ich zwar nicht, muss ich aber auch nicht. Die Interpretation gehört dem Leser. LG, altezeit
Ist es die eigene Oma, die von lyrisch ich Ömchen genannt wird?
Falls ja, muss man sie bemittleiden, für den Enkel der sie bloßstellt. Falls nein muss man lyrichs Oma bemitleiden für den Enkel, der eine andere so schnöde in das ihr gebürende Verwandschaftsverhältnis einsetzt.
Falls ja, muss man sie bemittleiden, für den Enkel der sie bloßstellt. Falls nein muss man lyrichs Oma bemitleiden für den Enkel, der eine andere so schnöde in das ihr gebürende Verwandschaftsverhältnis einsetzt.
Hallo Alabanda, es ist mir neu, dass ein lyrisches Ich eine eigene Oma haben kann. Du hast nicht Mitleid mit der literarischen Figur Ömchen, sondern mit einer von dir imaginierten RL-Oma, das ist ein interessanter, ungewöhnlicher Ansatz. LG, altezeit
Eine fiktive Figur kann selbstverständlich entsprechend fiktive Verwandte haben, die der Leser mehr oder weniger mag. So funktionieren 90% aller Romane.
Das lyrische Ich ist zunächst eine Sprecherinstanz. Es kann eine fiktive Figur sein, aber nicht notwendigerweise.
"Ömchen" die Verkleinerungsform von "Oma" ist ein Verwandschaftsgrad, ohne (fiktive) Enkel-Figur(en), kann so ein Verwandschaftsgrad nicht existieren. Eine enkellose "Oma" gibt es nicht, bzw. eine enkellose Figur ist keine "Oma". Wird sie dennoch so bezeichnet, wertet man den Verwandschaftsgrad ab, in etwa so wie dazumal die Kita-Kinder ihre Erzieherinnen "Tante" nennen mussten.
@Alabanda
Deiner Behauptung, dass der Verwandtschaftsgrad abgewertet wird, widerspreche ich, allerdings werden ältere Frauen insgesamt über einen Kamm geschoren, wenn sie als Oma tituliert werden, ob sie es nun sind oder nicht.
In obiger "Beschreibung" wird die Hauptfigur vom Erzählpart jedoch als "mein Ömchen" bezeichnet, somit ereilt den Begriff eine ironische bis sarkastische Verwendung, etwa als Ersatzwort für "(mein) Drachen" oder "(mein) Miststück".
Daher zielt die Abwertung im vorliegenden Text nicht auf die Allgemeinheit, sondern auf eine spezielle Figur, aber hey, verbitterte Menschen gibt es nun einmal selbst in der Verwandtschaft.
Vielleicht ist das "Ömchen" in obigem Ged(ich)t aber auch nur eine Persönlichkeitsform des Lyrich. 👋😉
@altezeit
Wenn es doch nur so einfach wäre. 😃
Deiner Behauptung, dass der Verwandtschaftsgrad abgewertet wird, widerspreche ich, allerdings werden ältere Frauen insgesamt über einen Kamm geschoren, wenn sie als Oma tituliert werden, ob sie es nun sind oder nicht.
In obiger "Beschreibung" wird die Hauptfigur vom Erzählpart jedoch als "mein Ömchen" bezeichnet, somit ereilt den Begriff eine ironische bis sarkastische Verwendung, etwa als Ersatzwort für "(mein) Drachen" oder "(mein) Miststück".
Daher zielt die Abwertung im vorliegenden Text nicht auf die Allgemeinheit, sondern auf eine spezielle Figur, aber hey, verbitterte Menschen gibt es nun einmal selbst in der Verwandtschaft.
Vielleicht ist das "Ömchen" in obigem Ged(ich)t aber auch nur eine Persönlichkeitsform des Lyrich. 👋😉
@altezeit
Wenn es doch nur so einfach wäre. 😃
Danke, FrankReich! Das hätte ich selbst nicht besser schreiben können. LG altezeit
Leider, meine Liebe (denn das bist du ja schon jetzt - lyrisch gesehen)
bist du mir bislang ungelesen über den Schirm gehuscht!
Ein grandioses, ganz wunderbares Gedicht, das Teilen meiner Generation mal so richtig auf die Fresse schlägt. Und dies absolut verdient!
Oft sind gerade wir Alten Vorreiterinnen von Hetze und Ausländerhass, die mit gichtigen Händen auf Vertriebene deuten, denen die Heimat nichts mehr als eine einzige Ruine bedeutet.
Der Ömchen-Bonus zieht hier nur bedingt. ---
In der Ausführung ohne Fehl und Tadel, finde ich, mit formidablem Schluss!
bist du mir bislang ungelesen über den Schirm gehuscht!
Ein grandioses, ganz wunderbares Gedicht, das Teilen meiner Generation mal so richtig auf die Fresse schlägt. Und dies absolut verdient!
Oft sind gerade wir Alten Vorreiterinnen von Hetze und Ausländerhass, die mit gichtigen Händen auf Vertriebene deuten, denen die Heimat nichts mehr als eine einzige Ruine bedeutet.
Der Ömchen-Bonus zieht hier nur bedingt. ---
In der Ausführung ohne Fehl und Tadel, finde ich, mit formidablem Schluss!
Hallo AchterZwerg, es gibt solche und solche Ömchen. Nicht alle haben Tollwut. Liebe Grüße von altezeit.
Hallo AchterZwerg, es gibt solche und solche Ömchen. Nicht alle haben Tollwut. Liebe Grüße von altezeit.
Mir ging es um sowohl ... als auch in diesem Gedicht.
sehr gut geschrieben, dein Einstand. Lässt einen zwiegespalten zurück. Ömchen, die Verniedlichung steht im krassen Gegensatz zum Harte der Aussage.Der Bilder.
Erschreckend irgendwie.
lG von M.
Erschreckend irgendwie.
lG von M.
Hallo Moppel, ich wollte dieser Härte mit Zärtlichkeit begegnen, ohne Hoffnung auf Aufweichen. Lg altezeit