Das Besteck

Parabel zum Thema Gesundheit

von  Quoth

Dieser Text ist Teil der Serie  Parabeln
Diese Operation war notwendig, und ich würde mich ihr unterziehen müssen. Aber man fürchtete sie auch, mein Bettnachbar hatte sich ihr entzogen und war geflüchtet. Das Besteck, mit dem sie an ihm durchgeführt werden sollte, war auf dem Tisch zurückgeblieben. Ich wanderte unentschlossen davor auf und ab – und schließlich dachte ich: Niemand wird merken, wenn du es an dich nimmst und unter deinem Kopfkissen verbirgst. Das tat ich – um mir so die Option offen zu halten, die Operation selbst an mir zu vollziehen. Das war nicht ungefährlich, weil sie häufig mit großen Blutverlusten einherging, weshalb ein erfahrener Arzt in der Nähe sein sollte. Aber ich war entschlossen, mich in aller Heimlichkeit zu Hause selbst zu verarzten, dafür scheinbar das Hospital fluchtartig verlassend – aber das Besteck in meinem Notfallkoffer mitnehmend. Als ich diesen Plan einen Tag später in die Tat umsetzen wollte, musste ich zu meinem Schrecken feststellen, dass das Besteck unter meinem Kopfkissen verschwunden war. Das konnte ich schlecht reklamieren, da es ja von mir gestohlen worden war bzw. gestohlen werden sollte. Aber ohne das Besteck nach Hause zurückkehren und weiter hilflos dem alten Leiden ausgesetzt sein? Andererseits musste ich damit rechnen, dass der- oder diejenige, der oder die das Besteck unter meinem Kopfkissen gefunden und sich entweder angeeignet oder an seinen ordentlichen Ort zurückgebracht hatte, um meinen Plan wusste und nun in der ganzen Stadt verbreiten konnte, dass ich die Operation selber ausführen wollte, und wenn ich es dann nicht tat, würde ich als Feigling dastehen. Sollte ich in die gleichsam amtliche Maßnahme durch Hospitalfunktionäre einwilligen? Ich bat den zuständigen Arzt um ein vertrauliches Gespräch. Er hieß Hassan Ebadi, sein fleischiges Gesicht war mit schütterem Bartwuchs bedeckt. Er warf sich in seinem quietschenden Schreibtischsessel zurück, setzte eine elektrische Zigarette in Gang und sagte, den nach Lavendel duftenden Dampf ausatmend: „Mixen Sie den Saft einer Limone mit einer durchgepressten Knoblauchzehe und nehmen Sie davon täglich einen Teelöffel voll, das wird die Operation erübrigen und Ihnen helfen.“ Es half.

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Kommentare zu diesem Text


 Lluviagata (28.09.21)
„Du nimmst eine tote Katze, gehst auf einen Friedhof, kurz vor Mitternacht, dort wo ein schlechter Mensch begraben liegt und dann kommt der Teufel und wenn er den Kerl holt, dann schmeißt du deine Katze hinterher und sagst: Teufel folg Leiche, Katze folg Teufel, Warzen folgt Katze, ich bin euch los.“

Huckleberry Finn zu Tom Sawyer

*Mark Twain

Damit möchte ich deinen Text wahrlich nicht überglänzen, lieber Quoth, aber das fiel mir sofort beim Lesen ein! Und wahrlich, ich habe ihn gern gelesen!

Liebe Grüße

Llu ♥

 Quoth meinte dazu am 28.09.21:
Ich bin sicher, Mark Twain hätte das von dem persischen Arzt empfohlene Elixier sofort genommen! Vielen Dank für alles. Quoth
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