Unterwegs

Parabel

von  Quoth

Es war unglaublich bunt. Nicht nur die Kleider der Menschen, auch die Häuser und die Auslagen der Geschäfte. Die Gewürze! Die Früchte! Ich hatte den Weg verloren und machte den Fehler, eine Rikschafahrerin um Hilfe zu bitten. Im Nu saß ich in dem wackligen Fahrzeug und starrte auf ihren türkisfarbenen Rücken. Nina und Fred waren schon vorgegangen, sie kannten sich hier ja aus, wir hatten uns verloren, weil ich so oft staunend stehen blieb. Würde ich genug Geld haben, um die Fahrerin zu bezahlen? Ich griff nach dem Portemonnaie in meiner Handtasche. Es war nicht da. Klar: die Affen! Eine Horde von ihnen war fiepend und schnalzend über mich hergefallen und hatte mich bestohlen. Nein, stehlen war das falsche Wort, sie konnten ja mit Geld gar nichts anfangen! Verzweifelt sank ich in die schmutzigen Kissen zurück. Da spürte ich etwas Hartes: mein Portemonnaie! Beglückt öffnete ich es. Aber es enthielt nur Euro … Wie war der Kurs der Rupie noch mal? Nina hatte es mir mehrfach eingeprägt – aber ich hatte es vergessen. Furchtbar, im Getöse dieser quirligen Stadt unterwegs zu sein! Ein bleiches Etwas lag im Straßenkot, dem wir ausweichen mussten. War es ein Säugling? Würde ich Nina und Fred wiederfinden? Wortlos arbeitete sich meine Fahrerin durch die Massen von Rollern, Mopeds und gebrechlichen Kleinlastern. Warum war ich den Lockrufen meiner Kinder gefolgt? Nie würde ich irgendwo ankommen!



Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 AlmaMarieSchneider (12.08.23, 11:20)
Ein Text voller Ereignisse und Leben.
Muss man immer "ankommen"? Ich neige jetzt dazu, das zu genießen, was und wo es mir im Augenblick gefällt. Vielleicht auch eine Form des Ankommens unterwegs. 

Liebe Grüße
Alma Marie
Zur Zeit online: