Das Glaubensbekenntnis des Johannes Plavius

Erörterung zum Thema Biographisches/ Personen

von  Ralf_Renkking

Anhand von Gelegenheitsgedichten aus dem 17. Jahrhundert die konfessionelle Überzeugung des Verfassers herausarbeiten zu wollen, erweist sich zumeist deshalb als kontraproduktiv, weil es sich dabei vorwiegend um Auftragsarbeiten handelt, i. e., dass bspw. bei einem Trauergedicht nur das religiöse Interesse der Hinterbliebenen im Vordergrund steht, während in einem Hochzeitsgedicht z. B. hauptsächlich die religiöse Beziehung des potenziellen Ehepaares Credo sein dürfte.

Das bekannteste Beispiel eines solchen Fehlschlusses verzeichnet die Forschung im Fall des Danziger Gelegenheitsdichters Johannes Plavius, dem wegen zweier seiner Epithalamien auf lutherische Brautleute deren sakrale Orientierung auf ihn projiziert wurde, da er zu diesem Zweck die katholische und calvinische Glaubensausrichtung als inakzeptabel skizzierte. Allerdings lassen sich diese Verwerfungen leicht dadurch erklären, dass der Verbindung zweier gegensätzlicher christlicher Glaubensgemeinschaften von vornherein keine gemeinsame gesellschaftliche Zukunft beschert gewesen wäre, so dass Plavius Beschränkung auf die erste protestantische Reformation lediglich für ein geschlossenes System gilt, bei dem er einzig und allein als kritischer Beobachter fungiert.

Um die wahre Gesinnung eines barocken Dichters zu ermitteln, genügt meistens ein Blick auf seine Tauf-, bzw. Begräbnisstätte, auf historiographischer Basis lässt sich bei Plavius jedoch weder das eine noch das andere zugrunde legen, der erste bezeugte Nachweis seiner Existenz findet sich 1621 auf der Immatrikulationsliste der Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, an der zur gleichen Zeit auch Plavius Schwager in spe, nämlich Johann Georgius Moeresius studierte, der sowohl ab ca. 1625 das Konrektoriat der calvinisch geführten Peter- und Paulschule in Danzig innehatte, als auch in gleichnamiger Kirche 1626 eine Tochter des calvinischen Pfarrers Konrad Nuber, Regina, heiratete.

Zwar handelt es sich bei Plavius Glückwünschen zu Moeresius Hochzeit und seinen Liebeserklärungen in Form eines sonettären Akrostichons sowie eines Bindebriefes an Regina Nubers Schwester Susanna ebenfalls um Kasualpoesie, die jedoch ist eindeutig privater Motivation und lässt somit Rückschlüsse auf Plavius persönliche Glaubensausrichtung zu. Als Quintessenz geht daraus letztendlich hervor, dass Plavius zweifelsohne die calvinische Glaubenstheorie vertritt, eine Argumentationskette, die sich anhand einer Analyse seiner Lehrsonettdichtung durchaus noch erweitern ließe, als Beweis jedoch bis dahin auch für sich allein zu stehen vermag.


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Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (07.02.22, 17:25)
Interessant und lehrreich! :)

 Ralf_Renkking meinte dazu am 07.02.22 um 21:55:
Danke, ich wundere mich immer wieder, wie gedankenlos und oberflächlich der Nachlass dieses Dichters und die Hinweise darauf besonders von der modernen Forschung behandelt werden, bspw. herrscht seit eh und je Rätselraten um die Verbreitung seines Werkes, etliche Dichter des 17. Jahrhunderts rezipierten oder kannten es, besonders seine einhundert Lehrsonette riefen Nachahmer wie Diederich von dem Werder und Andreas Gryphius auf den Plan, wobei gerade die Verschlimmbesserung "Sieg und Krieg Christi" des ersteren von der Literaturforschung einmal richtig unter die Lupe genommen werden sollte. Nebenbei bemerkt war auch von dem Werder Calvinist, Gryphius hingegen Lutheraner, alles Kleinigkeiten, die die Forschung hinsichtlich des plötzlichen Verstummens von Johannes Plavius nach 1630 in Danzig einen erheblichen Schritt zur Rekonstruktion seiner weiteren Lebensumstände weiterbringen würden, von der offensichtlichen Parodie der einhundert poetischen Grabschriften des Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau darauf ganz zu schweigen. 👋😉

Ciao, Frank
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