Entfesselt

Gedicht zum Thema Leben

von  Saira

Scheite!
Kreis!
Wind!
Zerren!
Reißen!

 

Kälte kriecht –
zieht ins tobende Dunkel.

 

Funken springen,
Rauch windet,
lacht leise.

 

Stampfen!
Pusten!
Rufen!

 

Holz knackt –
glimmt noch nicht.

 

Feuchte Erde saugt Flammen,
erstickt den Funken.

 

Wir fluchen,
fassen, wühlen –
Finger klamm. 

 

Funken stieben –
Rauch wogt, feucht und dicht,
schlägt auf Lungen, würgt, hüllt.

 

Noch einmal!
Noch einmal!
Scheite!
Kreis!
Wind!

 

Zittern!
Ruck!
Zucken!

 

Flämmchen stolpert –
wirbelt Asche, Holz, Rauch.

 

Dann: Aufflammen!
Loder schießt,
züngelt, taumelt, tanzt.

 

Rauch wirbelt wild,
sprengt Nacht in Licht.

 

Funken fliegen,
Flammen tanzen, necken, wirbeln.

 

Alles brennt –
alles bebt.
Wir taumeln, tosen, schreien.

 

Hitze im Innern,
Frühling nach Winter,
Leben selbst – unbändig, wild, entfesselt.

 

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (06.04.26, 10:36)
Liebe Saira,
heute kommentiere ich als Erster. Du beschreibst das Osterfeuer sehr genau, wenn die geladenen Gäste um es herumtanzen möchten, es aber wegen des feuchten Zustandes nicht recht auflodern will. Dann kommen Zündhilfen zum Einsatz, Schnaps, Bier und Dieselkraftstoff, was eigentlich verboten ist, weil er ohne Katalysator verbrennt und schwarze Rauchwolken verursacht. Es ist meistens Zeichen für den Jahreswechsel, Winter ade, Frügling ade. Das Jahr ist bald rum! Bald zetern wieder Feuerwerkskörper durch die Nacht. An anderen Orten- auch in Europa- fliegen "andere Kracher". Die Menschenwelt ist entfesselt, überall Chaos, Leid, Hunger, Tod. Unser Osterfeuer ist dagegen harmlos, aber es täuscht nicht über die Weltlage hinweg.
Schön getextet, mir wurde ganz heiß!
Grüße vom Reli

 Didi.Costaire (06.04.26, 10:37)
Uij, da hat sich das Osterfeuer verselbständigt. Ein Feuerwerk der Worte.

Liebe Grüße, 
Dirk

 EkkehartMittelberg (06.04.26, 11:14)
Hallo Sigi,
die eigenwillig wirbelnden Flammen des Osterfeuers spiegeln sich lebendig in einer rhythmisch freien Form deines Gedichts.
Das originelle Spiel mit den Formen ist ein wesentlicher Bestandteil deiner Lyrik.
Herzliche Grüße
Ekki
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