Minister Klingbeil hat etwas läuten hören, weiß aber nicht, wo die Glocke hängt. Es hat in der Tat etwas mit Steuern zu tun, dass viele Frauen in den Minijobs verharren. Nicht aber ist das Ehegattensplitting dafür verantwortlich, das der Minister abschaffen will. Wird er, wenn er jeden Cent gleichberechtigt besteuert, dann auch der Ehefrau einen Partner-unabhängigen Anspruch auf Bürgergeld formulieren? Da sollte er umsichtig vorgehen, denn ohne Ehemann schwebte über Müttern trotz Erziehungs- und Kindergeld früher oder später der Pleitegeier.
Deswegen sollen sie ja mehr arbeiten, gemeint ist Erwerbsarbeit.
Das Frauenbild der SPD orientiert sich da seit eh und je unbewusst an der Fabrikarbeiterin, die morgens ihr Kind in die Krippe schiebt, in der Mittagspause schnell einkauft und abends die Wohnung in Schuss hält.
Das konservativ-katholische Frauenbild erscheint meist zwar gnädiger, aber noch antiquierter. Zum Vorbild dient da, vor allem in Bayern, die Bäuerin, die sowieso zu Hause die Kühe melkt und für Kinder wie deren Lehrer und Erzieher 24 Stunden zur Verfügung steht, für alles, was die professionelle Erziehung nicht schafft, und das ist nicht wenig.
Beide Arten von professionellen Damen kommen in der modernen Welt kaum noch vor, existieren aber beharrlich in den Köpfen der Politiker. Wenn da die faulen Sofamütter zu Telefonmamas mutieren sollen, trifft männlicher Feminismus auf Grenzen. Da bräuchte frau eine zuverlässigere und hochwertigere Kinderbetreuung für die eine, mehr Einkommen, aber keine Steuerprogression, für die andere Rolle. Und schon winkt aus den USA der neueste Trend, das Tradwife herüber, ausgerüstet mit Kochschürze und Sahnetülle, um einem Klingbeil mit dem althergebrachten Rollenideal heimzuleuchten.
Der wahre Feminismus aber schwebt mit Abendkleid-verdächtigem Wallegewand, Hijab und Niqab durch die Berliner Servicewüste, zur Freude Lars Klingbeils Politikergroßfamilie.