Die Stimme der Erde

Gedicht zum Thema Abgrund

von  Saira

Alles Spiegelbilder der Zeit,
nur anders benannt,
neu geformt
von den Händen derer,
die trennen,
was doch zusammengehört.


Die Schöpfung –
ein Rätsel,
zu groß für den Menschen,
der sie begreifen will.

Und doch:
Ein Lied zieht sich durch alles,
leise, unerbittlich,
ein Klagelied.

Die Erde singt es,
die Tiere,
die Körper, die fallen,
die Augen, die daran erinnern.

Die Mutter
mit ihren Kindern,
festgehalten im Augenblick,
der nicht vergeht –
Flammen schreiben sich ein
in die Haut der Welt.

Eine Antilope im Staub,
gehetzt bis zum letzten Atem,
ein Schuss,
der nichts beendet,
nur verwandelt.

Ein Körper im Eis,
ein anderer im Krieg,
einer im Hunger,
einer im Feuer –
Namenlosigkeit,
die sich wiederholt.

Und überall
dieses eine Lied,
das keiner lernen muss,
weil es schon da ist.

Alles lebt es,
alles trägt es,
alles erinnert sich daran.

Und wir
stehen darin
und fragen –

warum.





 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (21.04.26, 14:22)
Hallo, liebe Saira,
wir leben mit dieser unendlichen Trauer, mit dieser Frage, die niemals beantwortet wird, aber wir lenken uns ab, darin sind wir einig, brüderlich, schwesterlich mit Herz und Hand, Menschen bauen die größten Unsiinshäuser, stecken die Hände in die Taschen und schreiben auf Plakate:"Packen wir es an!" Ich rufe diesen Cromosomengeschädigten zu: "Lasst es einfach liegen und setzt euch drauf! Ist doch kein Wunder, dass sich so viele todsaufen!.
Ein trauriger Reli
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