Unter Null

Gedicht zum Thema Apokalypse

von  Saira

Die Kälte ist da.
Sie bewegt sich nicht sichtbar.
Alles weicht vor ihr zurück.

 

Straßen liegen offen,
ohne Erinnerung an Schritte.
Häuser halten still.
Ihre Risse werden tiefer,
ohne Klang.

 

Die Oberfläche der Dinge
kennt keine Regung mehr.
Sie trägt sich selbst,
ohne Gewicht,
ohne Widerstand.

 

Bäume stehen.
Die Äste verharren.
Sie weisen in eine Richtung,
die niemand benennt.

 

Menschen gehen.
Nicht schnell. Nicht langsam.
Ihre Haut reagiert nicht mehr.
Der Atem hat keinen Ort.

 

Der Boden bleibt.
Er gibt nichts zurück.
Schritte setzen auf,
ohne anzukommen.

 

Hinter den Hügeln
verschiebt sich etwas.
Kein Licht.
Kein Laut.

 

Die Dunkelheit wächst.
Ohne Eile.
Ohne Ziel.

 

Am Rand
gibt es kein Halten.

 

Nur dies:

 

Es trägt nicht mehr.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (11.04.26, 11:51)
Hallo Sigi,
die Kälte der Apokalypse kommt fast ohne Adjektive aus. Die Lakonie dieses Gedichts wird ihr am besten gerecht.
Liebe Grüße
Ekki
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