Schwarzer Schnee

Gedicht zum Thema Apokalypse

von  Saira

Als die Stürme kamen,


mit Zähnen aus rostigem Himmel,


und die Sirenen ihre eisernen Kehlen
durch die Städte schnitten,

 

als die Ozeane
schwarzen Schaum tollwütig spien


und die Erde
ihre steinernen Rippen brach,

 

starb die Menschheit
an ihrem eigenen Schatten.

 

Die Kontinente hüllten sich in Asche,


während die Sonne
wie ein erblindetes Auge
über den Trümmern hing.

 

Wälder standen wie verkohlte Gebete im Wind,


Flüsse wurden zu offenen Adern der Welt,


und der Wind
trug das Flüstern der Endzeit
durch die sterbenden Tage.

  
Nicht allein trat der Mensch
in die kalte Unendlichkeit.


Er schleppte die Natur hinter sich her


wie eine zerrissene Braut aus Dornen,


riss die Tiere,


deren Herzen erstarrt waren,


in den Schlund der letzten Stunde.

 

Und als alles in Schweigen sank,


verschlang die Finsternis
die letzten Namen aus dem Staub,


bis selbst die Erinnerung
zu schwarzem Schnee zerfiel.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Anmerkung von Saira:

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Kommentare zu diesem Text


 altezeit (04.06.26, 13:20)
Hallo Saira, ein apokalyptisches Gemälde der Gegenwart, eine wirbelnde, kreischende, stinkende Gewalt, die trotzdem einen Sinn für die Traurigkeit bewahrt: die Sonne, die wie ein erblindetes Auge hängt. Es dies das berührendste Bild, vielleicht, weil da nichts wirbelt. LG altezeit

 Saira meinte dazu am 04.06.26 um 15:01:
Hallo altezeit,

deine Zeilen freuen mich. Es tut gut zu wissen, dass die Bilder, die ich in meinem Gedicht geschaffen habe, bei dir angekommen sind. Besonders deine Wahrnehmung der Sonne – dieses fast blinde, stille Beobachten der Trümmer.

Liebe Grüße
Saira

 Reliwette (04.06.26, 13:53)
Liebe Saira,
 es ist eine traurige Boischaft, die du uns nahebringst, nichts destotrotz in feingesponnenen Silben, die berühren. Ich bin noch ganz befangen, von dem sinnlos schmerzlichen Kommentarwust, der sich an Moppels Geschichte mit den gardinenlosen Fensterhöhlen anschloss. Ich werde dazu noch ein Gedicht schreiben. Ich bin fassungslos, wie Menschen auf ihrer subjektiven Sicht auf grund einer subjektiven Biografie beharren und einander nicht zuhören.
, sondern einfach auf ihrer Interpretation des Geschriebenen beharren. Da werden 1050 Themen zu einem einzigen verschrurbelt und aus verschiedener Sichtweise interpretiert.
Das ist der Hauptgrund, weshalb sich unsere irdische Welt ins Nirwana verabschiedet. Aber weint nicht, wir sollten lernen, dem Nachbarn gebau zuzuhören.Mit Besserwisserei ist niemandem gedient
Lieber Gruß!
Reli

 Saira antwortete darauf am 04.06.26 um 14:57:
Lieber Reli,

dein Kommentar hat mich auf eine ganz andere Weise berührt als viele andere Worte, die ich heute gelesen habe.

Vielleicht deshalb, weil ich zwischen deinen Zeilen etwas gespürt habe, das weit über die Diskussion hinausgeht. Nicht den Ärger, nicht die Enttäuschung, sondern eine tiefe Traurigkeit darüber, wie schwer es geworden ist, einander wirklich zu begegnen.

Als ich deine Gedanken las, musste ich sofort an die vielen Nachrichten denken, die mich inzwischen per Mail erreicht haben. Von Menschen, die genauso betroffen sind wie du und ich und die das Geschehen um Moppels Geschichte mit ähnlicher Bestürzung verfolgt haben. 

Das hat mir gezeigt, dass wir mit unseren Empfindungen nicht allein sind.

Deine Worte haben mich deshalb so bewegt, weil sie nicht anklagen. Sie kommen aus einem Herzen, das sich nach Verständnis sehnt. Und genau das ist heute so selten geworden.

Mein Gedicht erzählt von einer Welt, die an ihrem eigenen Schatten zugrunde geht. Während ich deinen Kommentar las, dachte ich, dass solche Schatten oft viel früher entstehen. Nicht erst durch große Katastrophen, sondern dort, wo Menschen aufhören, einander wahrhaft wahrzunehmen.

Umso dankbarer bin ich für Menschen wie dich.

Ich danke dir für deine wertvollen Gedanken. Sie haben mich nicht nur gefreut, sondern tief in meinem Herzen bewegt.

Herzliche Grüße
Saira
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