Der Schwanentanz

Gedicht zum Thema Liebeszauber

von  Saira

Die Nacht hielt den Atem an.

 

Über den Dächern der Welt
entfaltete der Schwanentanz
seine silbernen Schwingen
und trug sie fort
an einen Ort,
an dem die Zeit
ihre Macht verlor.

 

Ihre Hand
lag in seiner.

 

Ein Schritt.

 

Noch einer.

 

Und die Erde vergaß,
sich weiter zu drehen.

 

Kerzen flüsterten
goldene Geheimnisse
in den Samt der Dunkelheit.
Ihr Licht
glitt wie warmer Honig
über ihre Schultern,
verfing sich
in den seidigen Wellen ihres Haares
und ließ darin
kleine Sterne aufleuchten.

 

Die Geigen sangen.

 

Leise zuerst.


Dann inniger.

 

Wie ein Strom,
der längst wusste,
wohin er fließen wollte.

 

Sie schwebten.

 

Drehung um Drehung.

 

Traum um Traum.

 

Bis die Luft zwischen ihnen
so fein geworden war
wie der schimmernde Faden
eines Spinnennetzes im Morgenlicht.

 

Sein Arm
ruhte an ihrem Rücken.

 

Sicher.

 

Behutsam.

Als hielte er
nicht einen Menschen,
sondern etwas Kostbares,
das man nur mit dem Herzen
berühren darf.

 

Sein Atem.

 

Nah.

 

Zu nah
für Gelassenheit.

 

Ein warmer Hauch
streifte ihren Nacken,
ließ tausend unsichtbare Blüten
unter ihrer Haut erblühen.

 

Dann seine Wange.

 

Flüchtig.

 

Ein Streifen nur.

 

Doch manche Berührungen
sind stärker
als ein Sturm.

 

Und jede einzelne
sandte einen stillen Schauer
durch ihre Seele,


als würden verborgene Saiten
in ihr zum Klingen gebracht.

 

Der Walzer trug sie weiter.

 

Langsam.

 

Als wollte die Musik
die Ewigkeit überlisten
und diesen Augenblick
für immer festhalten.

 

Sein Blick
wanderte über ihr Gesicht.

 

Blieb.

 

Kehrte zurück.

 

Und in seinen Augen
brannte ein Licht,
das wärmer war
als tausend Kerzenflammen.

 

Die Geigen sangen weiter.

 

Doch längst hörte sie
nur noch den Herzschlag
unter den Melodien.

Nur noch das Schweigen,
das zwischen ihnen wuchs
wie ein zarter Schleier
zwischen Traum und Wirklichkeit.

 

Die Hände,
die sich fanden.

 

Die Nähe,
die nicht mehr auswich.

 

Den Zauber,
der jede Vernunft
sanft entwaffnete.

 

Und die Sehnsucht –

 

sie tanzte mit ihnen.

 

Im Dreivierteltakt.

 

Drehung um Drehung.

 

Herzschlag um Herzschlag.

 

Bis sie nicht mehr Sehnsucht war,

sondern Liebe.

 

So schön
wie das erste Licht des Morgens
über einem schlafenden See.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Anmerkung von Saira:

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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (03.06.26, 12:43)
Liebe Saira,
 ein wundervolles  Liebesgedicht. Liebe im Walzertakt.
Wer möchte da nicht  dein Tanzpartner sein? DerZauber, der jede Vernunft entwaffnete. Aber so viele vernünftige  Menschen gibt es auf dieser Welt ohnehin nicht.
Aber der Atem mag auch Eiskristalle zum Schmelzen bringen, wenn er nur heiß genug ist!
Lieber Gruß!
Reli
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