Die Maultaschenballade

Alltagsgedicht zum Thema Humor

von  Walther

Die Maultaschenballade
(D’Mauldäschaballad zom Metzingr Mauldäschafäschdival)

Es sitzt ein Mönchlein in der Zelle
Direkt an besten Weines Quelle
Am Klosterhof voll Zehentfässern
Gedanklich schwer am Weltverbessern.

Die Einsamkeit der Klosterklause
Mit einem Humpen Gerstenbrause
Lässt wunderbar Gedanken schweifen,
Dieweil am Weinstock Beeren reifen,
Die Kirschen sich der Sonne schenken,
Dass Wanderer den Kopf verrenken!

Im Tal, wo Milch und Honig fließen,
Gibt’s wenig, das wir nicht genießen,
Wenn Vögel pfeifen, Fische springen,
In Wald und Feld die Mädles singen,
Die Buben miteinander ringen
Und frisch zur Messe Glocken klingen.

Das Mönchlein sieht in Sonnenfäden,
Sie schlichen durch die Fensterläden,
Die Stäubchen kleine Wirbel drehen.
Er kann im Geist die Bilder sehen,
Als sie den Abt zu Grabe trugen.
Die Orgel spielte Gottes Fugen,
Durch Mönchsgesang zog tiefe Trauer,
Und ihn durchfährt ein heil’ger Schauer.

Abt Titus starb an einer Gräte,
Die er im Fisch nicht gleich erspähte.
Verhakt hat sie sich in der Kehle
Und kostet ihm die arme Seele,
Den Atem und das liebe Leben.
Es war am Freitag. Fischtag. Eben.
Das wollten Brauch und auch die Mode.
Ein mancher Mensch kam so zu Tode.

Das arme Mönchlein sitzt in Tränen,
Die ihm so völlig nutzlos wähnen.
Der Bruder Pius zweifelt weiland,
Ob er das wollte, Christ, der Heiland.
Es muss doch eine Lösung geben,
Die‘s Brauchtum ehrt und schützt das Leben!


Er sieht die Witwe Kunigunde,
Wie sie mit Jungmagd Rosamunde
Die Äpfel hüllt in Teiges Fladen.
Ein Kuchen fein von Gottes Gnaden,
Veredelt mit Korinthen, Mandeln,
Die sich mit Zuckerzimt verbandeln,
Gebacken schnell im Backhausofen.
Er summt ganz leise Lobesstrophen!

Und wenn man wie in Apfelstrudeln
Das Fleisch versteckt in breiten Nudeln?
Mönch Pius ist ein Mann der Taten.
Jetzt ist Versuchen angeraten.
Am nächsten Morgen in der Küche
Ertönen Schrei und laute Flüche.
Denn der Versuch ist schiefgelaufen.
Es ist zum Bart- und Haare Raufen!

Statt Fleisch hat man vom Brät genommen.
Vom Backen ist man abgekommen.
Jetzt siedet man’s in einer Brühe.
Sie geben sich sehr große Mühe,
Denn freitags will man endlich testen,
So gab es Pius ja zum Besten,
Als er den neuen Abt getroffen.
Jetzt scheint es ihm, er war besoffen,
Als er die Fresslad‘ aufgerissen.
Es plagt ihn elend das Gewissen.

Am Freitag, in der Mittagsstunde,
Da bringt die Jungmagd Rosamunde
Im Klosterhof zur großen Tafel,
Es endet sofort das Geschwafel,
Den Topf, gefüllt mit Nudeltaschen,
Ein jeder will den Blick erhaschen,
Vom Wundermahl der Kunigunde,
Von dem erklang so manche Kunde.

Im tiefen Teller, in der Brühe,
Da schwimmt statt Fisch der Lohn der Mühe.
Dazu Salat nach Art der Schwaben.
Man dankt dem Herrn für diese Gaben.

Der Pius sitzt nur da und betet,
Dass ihn mit Blitz der Herr nicht tötet,
Dass Abt und Brüder ihn verschonen,
Stattdessen ihn mit Lob belohnen.

Jedoch quält ihn nun das Gewissen,
Hat er den Herrgott doch beschissen
Mit Fleisch und Brät in Nudeltaschen
Die Volk und Mönch sehr gern vernaschen.
Er hört sie lachen, sieht sie strahlen.
Er würde dieses Mahl gern malen,
Um es der Nachwelt zu erhalten.
Es muss ein guter Geist obwalten,
Denkt Pius und nimmt einen Bissen.
Beim nächsten schon verblasst’s Gewissen.

Der Abt erhebt das Glas. „Ich lobe
Nicht nur der Jungmagd Garderobe.
O nein, ich lobe auch das Essen
Und sage, das ist nicht vermessen,
Dass diese Nudeltaschen schmecken.
Man möchte sich die Mäuler lecken!
Ab jetzt wird man dies Wunder kennen
Und ewig ‚Maultasche‘ benennen!“

Dass darauf keine Hüte fliegen,
Wird wohl am Ende daran liegen,
Dass Mönche keine solchen tragen.
Der Pius ist schon lang vergessen:
Die Maultasche wird noch gegessen.
Man muss mit Fisch sich nicht mehr plagen,
Will man des Freitags Brauchtum pflegen.
An Kunigunden hat’s gelegen,
An dem genialen Apfelstrudel,
An Pius‘ Freude am Sinnieren
Und seinem Hang zum Spintisieren,
Dass jetzt das Fleisch steckt in der Nudel!

Der Schwabe weiß zu estimieren.
Er kennt sich aus in den Pläsieren,
Die sich in Scham verhüllt verstecken.
Drum auf, Ihr Leut, lasst es Euch schmecken!


Das Ereignis:https://www.maultaschenfestival.de/kultur/


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