Ich hab an sie geglaubt

Monolog zum Thema Täter/Opfer

von  eiskimo

Ich habe an sie geglaubt

Bin ihr spontan gefolgt

Voller Vertrauen

Voller Bewunderung sogar

Weil sie voran machte

Zack, ohne Zögern

Ohne Blabla

Zack, weg, raus,

kraftvoll, stramm

einfach mitreißend

einfach weg, raus

stramm, kraftvoll

weiter, weiter

Und nochmal weiter

Weiter hinter ihr her

Voller Vertrauen

Weil sie so voran machte

Ohne einen Blick zurück

So mitreißend

Bis sie innehielt

Bis sie mitten in der Wüste

Plötzlich innehielt

Als sie dann zögerlich

Ihre große Sonnenbrille abnahm

Sich langsam zu mir wandte

Und mich mit hohlem Blick

Suchte

Da sah ich:

Sie war blind.

 




Anmerkung von eiskimo:

Kann sein, dass ich das nur geträumt habe

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Kommentare zu diesem Text


 Saira (17.06.26, 22:51)
Salut Eiskimo,

für mich erzählt der Monolog nicht nur von Täter und Opfer, sondern von der menschlichen Sehnsucht, jemandem vertrauen zu können. Da ist Bewunderung, da ist die Bereitschaft, sich mitreißen zu lassen, weil jemand entschlossen wirkt und Sicherheit ausstrahlt. 

Das Erschütternde ist für mich die Erkenntnis am Ende: Die Führende ist nicht allwissend, wohl auch nicht böse, sondern selbst blind. Das verändert die Perspektive.

Die Wüste erscheint mir dabei als Sinnbild für den Punkt, an dem alle äußeren Gewissheiten versiegen. Dort fällt die Sonnenbrille, die Maske, das Bild von Stärke und zurück bleibt eine tiefe menschliche Tragik: Zwei Menschen, von denen einer vertraut hat und der andere selbst nicht sehen konnte.

Ein verstörender Text über Vertrauen, Verführung und die Blindheit, die manchmal auf beiden Seiten ihren Platz hat.

Un monologue magnifique!

LG
Saira
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