Chalkidikische Katzen

Verserzählung zum Thema Hunger

von  TassoTuwas

Über dem Weg hinunter zum Strand

flimmert die Luft in der Mittagshitze

aus Unrat und Dreck am Wegesrand

ragt hier wie dort eine Nasenspitze

glanzlos und stumpf das fleckige Fell

spannt sich um die spitzen Knochen

wie ein abgemagertes Rippengestell

hier haben sie sich scheu verkrochen


Und auf der anderen Seite des Pfades

liegen versteckt unter alten Autoreifen

Cousins und Cousinen zweiten Grades

bekämpfen ihr tägliches Magenkneifen

lecken sich langsam die dürren Pfoten

unten am Strand in der Sonne bleichen

ein paar Fischköpfe neben den Booten

heut wird wieder nicht für alle reichen


Manchmal wenden sie alle zugleich ihr schmales Gesicht

hin zum Blau der Ägäischen See und ihre Augen leuchten

denn am fernen Horizont steigen aus Dunst im Gegenlicht

die Trieren des Themistokles auf aus den Wasserfeuchten

Kurs Salamis erschallen Kommandorufe von Bord zu Bord

sie erschnuppern bis hier wie die Ruderknechte schwitzen

sehen die Rüstungen aufblitzen und verstehen jedes Wort

wenn sie in die Windfetzen hinein ihre Ohren spitzen


Beim Hinunterschleichen gebt gut Acht

denn hinter dem Schatten der Taverne

ist der große gefleckte Hund erwacht

der hat euch Katzen besonders gerne

hat die Nase hoch in die Luft gesteckt

sich geschüttelt gekratzt und gelacht

gegähnt das gewaltige Gebiss gebleckt

er hat schon fünf von euch umgebracht 




 





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