Kleine Fenster im Wald

Gedicht zum Thema Weltanschauung

von  Saira

Der Morgen
trat lautlos
aus der Dämmerung.

 

Noch haftete ihm
der Traum
der Nacht an.

 

Mit sanfter Hand
weckte er
Gräser,
Steine
und Blätter.

 

Ein kleiner Junge
lief voraus.

 

Fünf Jahre
voller Fragen.

 

Ein Großvater
ließ das Staunen

vorausgehen.

 

„Warum fällt
das Licht
durch die Blätter?“

 

Der Alte
hob den Blick.

 

„Damit der Wald
kleine Fenster hat.“

 

Das Kind
lächelte.

 

Für einen Augenblick
war das
genug.

 

Ein Rotkehlchen
landete
auf einen Ast
und verlor
ein paar Töne
in den Morgen.

 

Die Luft
fing sie auf,
als wären sie
aus Licht.

 

„Was sagt es?“

fragte der Junge.

 

Der Großvater
lächelte,
als lausche er
einer Erinnerung.

 

„Vielleicht erzählt es,
dass jeder Morgen
den Mut hat,
noch einmal
von vorn
zu beginnen.“

 

Sie gingen weiter.

 

Der Weg
verlor sich
zwischen Farnen,

die Sonne
spielte Verstecken,

und irgendwo
duftete
wilder Thymian.

 

Ein Schmetterling
gaukelte
von Blüte
zu Blüte.

 

„Hat er es eilig?“

 

„Nein“,
sagte der Großvater.


„Er weiß nur,
dass die ganze Wiese
auf ihn wartet.“

 

Das Kind
dachte nach.

 

So gründlich,
wie nur Kinder
denken können.

 

Am Bach
kniete es nieder.

 

Das Wasser
trug den Himmel
zwischen seinen Wellen.

 

„Warum
nimmt der Bach
den Himmel mit?“

 

Der Großvater
blickte in den Bach.

 

„Damit die Fische wissen,
wie die Wolken aussehen.“

 

Sie setzten sich
unter eine alte Linde.

 

Der Stamm
war voller Zeit.

 

Die Krone
voller Wind.

 

„Hat der Baum
Angst
vor dem Winter?“

 

Der Alte
legte
die Hand
auf die Rinde.

 

„Nein.

 

Er weiß,

dass das Leben

nicht verschwindet,

wenn die Blätter gehen.

 

Es sammelt
nur Kraft

für ein neues Grün.“

 

Der Junge
schwieg.

 

Er hörte
dem Bach,
dem Wind
und den Blättern zu,

als hätten sie
noch etwas
hinzuzufügen.

 

Sie gingen weiter.

 

Langsam.

 

Der Schatten
wanderte mit ihnen,

und jeder Schritt
schien
etwas Unsichtbares
zu berühren.

 

Bevor sie
das Haus
erreichten,

legte der Junge
seine kleine Hand
in die große
des Großvaters.

 

„Opa?“

 

„Ja?“

 

„Wo wohnen
eigentlich
alle Antworten?“

 

Der Alte
sah
über die Felder,

wo der Wind
das Korn
zum Flüstern brachte.

 

Dann sagte er:

„Nicht
in Büchern.

 

Nicht
in den Worten
der Erwachsenen.

 

Sie wohnen
zwischen einer Frage
und dem Staunen,
das den Mut hat,
offen zu bleiben.“

 

Der Junge
lächelte.

 

Seine kleine Hand
fand
wie von selbst
die große
des Großvaters.

 

Mehr
musste die Welt
an diesem Morgen
nicht erklären.

 

 

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



MLO2B0+eziZT5C0V27hG4ioAZ5zucUSeDykj2j4TBVo1SsH7aN8ibBCSHCYihTdxfcOYhFtwRM3B+QN130DO3nYUCngjKaa0eVFegQOAxSFuG06YbM+v+f9R9WvBCjz4wAAAAAElFTkSuQmCC

Bild für das Forum genehmigt.





Anmerkung von Saira:

Hinweis: Der Verfasser wünscht generell keine Kommentare von niemand, Citronella, Moppel, Verlo und Otto.

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Zur Zeit online: