Ein Rest Himmel

Gedicht zum Thema Grenzen/ Grenzen überschreiten

von  Saira

Morgens trägt das Meer
Grau.

 

Wind fährt durchs Dünengras.
Möwen hängen darin.

 

Dann geht das Wasser.

 

Schlick, Muscheln, Tang
und Plastik,
unverdaut.

 

Alles liegt offen.

 

Rinnen bleiben zurück,
Mulden,
darin ein Rest Himmel.

 

Ich gehe hinaus,
wo eben noch
Wasser war.

 

Der Boden gibt nach.
Unter meinen Schritten knirscht es.

 

Eine Dose,
ein Stück Schnur,
dazwischen
die Spur eines Vogels.

 

Wilma läuft voraus,
Nase im Wind,
Pfoten im Watt.

 

Ich werfe den Ball.

 

Sie rennt
quer durch das Grau,
bringt ihn zurück,
wartet.

 

Noch einmal.

 

Ich lache.
Salz auf den Lippen.

 

Für einen Augenblick
fehlt nichts.

 

Später sitzen wir am Strand.
Wilma neben mir.
Wir schauen aufs Meer.

 

Irgendwann
kommt das Wasser zurück.

 

Erst ein Glitzern.


Dann füllen sich
die Rinnen.

 

Erst ein Glitzern.

 

Was eben noch
Land war,
wird wieder Tiefe.

 

Licht wandert
über Heide und Dünen.

 

Am Horizont
verliert sich das Meer.

 

Zwischen dem,
was geht,
und dem,
was wiederkommt,
höre ich der Nordsee zu.

 

Mit jeder Welle
verwirft sie die Welt
und beginnt
von vorn.



 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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