Zeitnah

Gedicht zum Thema Gesellschaftskritik

von  niemand



Es ist kein Leben mehr

nicht einmal Sein

nur noch der Schein


Ein Springen ein Hopfen

Löcher stopfen

mit wütender Pein


Es gibt keine Sprache

nur formloses Lallen

aus einem Hohlraum

hinter der Stirn


Nicht Haltung

nicht Rückgrat

kein Nachhall im Hirn

immer nur sinnlos

zu Neuem bereit -


es fließt kein Blut

durch die Adern der Zeit





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Kommentare zu diesem Text


 S4SCH4 (24.09.26, 19:32)
Ja, das trifft den Zeitgeist, einer der tatsächlich ziemlich blutleer um sich greift und im Wahn „die Löcher stopft“, wobei fraglich ist, ob das überhaupt Löcher in diesem Sinne seien oder nicht vielmehr Lüftungsgelegenheit für die dampfende Hexenküche, in der man sich befindet.

Und ja, der Aktivismus dieser Zeit ist darauf ausgerichtet, „zu neuem bereit“ zu sein, und das, oft aber erst, nachdem man lange genug zugesehen hat, wie der Karren an die Wand fährt. So wechseln sich die immer gleichen „Macher“ ab und es bleibt nicht mehr als Unmut über, neben der Vergesslichkeit einer Gesellschaft, deren Anführer nur neue Kleider brauchen, um etwas „getan“ zu haben.
Mal tragen jene den Doktorkittel, mal Gewerkschaftsfarben, manchmal Arbeiteruniform und oft Krawatte und Schlips bzw. Hosenanzug. Der ewige Karneval auf einer Bühne, die für viele die Welt bedeutet und immer mehr zu einem Bretterverschlag verkommt, den man mit gesengtem Kopf anstarrt und hofft etwas Konfettischnipsel vor die Augen zu bekommen oder nur eine ernstgemeinte Träne. So bleiben das versiegende Leid und die oberflächliche Freude als Lebenssaft übrig, um die Zeit möglichst spürbar über die Bühne zu bringen.

Kommentar geändert am 24.09.2026 um 19:35 Uhr
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