Einsame Ameisen in einem Aschenbecher
Kurzgeschichte zum Thema Begegnung
von SiebenÄpfel
Kommentare zu diesem Text
Sehr spannend erzählt. Rundum gut geschrieben. Nur ein Wort stört mich: Frl. Klopp "rannte" – das geht etwas ins Komische, wenn ich es mir vorstelle.
Willkommen bei kv + weiterso (schreiben)!
Liebe Grüße
Inge
Willkommen bei kv + weiterso (schreiben)!
Liebe Grüße
Inge
Hallo Inge, hättest du einen Vorschlag, was ich statt „rannte“ schreiben könnte? Was hältst du von „stob davon“? Liebe Grüße!
Auch stieben find ich für eine ältere Dame unpassend – obwohl sprachlich durchaus geeignet.
In dem Absatz "Ich lief ..." geht sie langsam und macht kleine, vorsichtige Tritte, so lange sie sich unbeobachtet wähnt. Und dann rennen oder stieben?
Ich würde es unspektakulär formulieren, zumal unklar ist, ob Frl. Klopp sich beobachtet oder verfolgt fühlt. Wenn dem so wäre, würde das ihre Zick-zack-Route durch die Altstadt erklären, Sinn ergeben. Im kurzen Stehenbleiben entscheidet sie sich dann, und
zum Beispiel: verschwand in Richtung Kanal.
So mein Vorschlag.
In dem Absatz "Ich lief ..." geht sie langsam und macht kleine, vorsichtige Tritte, so lange sie sich unbeobachtet wähnt. Und dann rennen oder stieben?
Ich würde es unspektakulär formulieren, zumal unklar ist, ob Frl. Klopp sich beobachtet oder verfolgt fühlt. Wenn dem so wäre, würde das ihre Zick-zack-Route durch die Altstadt erklären, Sinn ergeben. Im kurzen Stehenbleiben entscheidet sie sich dann, und
zum Beispiel: verschwand in Richtung Kanal.
So mein Vorschlag.
Antwort geändert am 22.06.2026 um 19:56 Uhr
Liebe Inge, hmmmmmm... verschwand habe ich leider schon an einer anderen Stelle. Ich denke noch ein bisschen darüber nach. Vielen lieben Dank für deine teilnahmsvolle und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Text! Ich freue mich sehr darüber! Liebe Grüße!
Das Verschwinden war bewusst nicht wirklich konstruktiv von mir gewählt; nur eine Anregung an Dich. Schließlich ist es Dein Text, in den ich nicht lektorisch eindringen will.
Dass ich mich überhaupt einbringe, liegt an Deinem Schreibstil, der Wortwahl – und natürlich am Plot. Alles fein kombiniert und gekonnt präsentiert: Ein literarisches Überraschungsmenü zum Einstand!
Auch Deine Bereitschaft zum Ändern finde ich gut, ist nicht selbstverständlich.
Nochmals also ein herzliches Willkommen hier!
Inge
Dass ich mich überhaupt einbringe, liegt an Deinem Schreibstil, der Wortwahl – und natürlich am Plot. Alles fein kombiniert und gekonnt präsentiert: Ein literarisches Überraschungsmenü zum Einstand!
Auch Deine Bereitschaft zum Ändern finde ich gut, ist nicht selbstverständlich.
Nochmals also ein herzliches Willkommen hier!
Inge
Eine Kurzgeschichte mit einem Ende, das für unterschiedliche Deutungen offen ist.
Meine Deutung: Tragik zieht Tragik an.
Gruß
Ekki
Meine Deutung: Tragik zieht Tragik an.
Gruß
Ekki
Hallo Ekki, interessant! Ich nehme an, mit der ersten Tragik meinst du den Tod der Großmutter und mit der zweiten den Tod von Fräulein Klopp. Aber liegt die eigentliche Tragik nicht darin, dass Erzählerin und Fräulein Klopp nicht zusammenfinden?
Zuerst auch von mir ein herzliches Willkommen. Und ein "Wow" zu diesem Text, der mich tief beeindruckt! Besonders wegen seiner unheimlichen, dichten Atmosphäre.
Für mich liegt der eigentliche Schlüssel dieser Geschichte im Verdacht einer tiefen Empathielosigkeit des weiblichen Erzähl-Ichs.
Während Fräulein Klopp (die namentliche Bezeichnung gefällt mir übrigens auch sehr) über den Verlust ihrer besten Freundin geradezu verrückt vor Schmerz wird, betrachtet die Enkelin den grauenvollen 'Feuertod' der Großmutter mit einer fast klinischen, erschreckenden Kälte. Diese emotionale Taubheit sehe ich in der Szene bei der Trauerfeier gegipfelt:
Während um sie herum das absolute Grauen in Form von sieben leeren Särgen begraben wird - eine Zahl, die nicht zufällig eine tiefe mythologische Bedeutung besitzt -, bleibt sie vollkommen ungerührt. Statt Trauer zu empfinden, seziert sie distanziert ihre Umgebung, beobachtet bspw. die Lippenbewegungen einer Frau und das Herumfummeln an einem Luftballon.
Diese Kälte zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Text - bis zum geheimnisvollen Ende auf der Müllhalde, wo sie dem brutalen Verbrechen an Fräulein Klopp tatenlos zusieht. Ihre obsessive Suche nach der alten Frau ist in Wahrheit deshalb m. E. keine Suche aus Mitgefühl, sondern ein von Schuldgefühlen und/oder gar Täterwissen?? (könnte ich spekulieren) getriebenes Belauern.
Die panische Flucht von Fräulein Klopp bekommt dabei eine ganz neue, tragische Dimension, wenn ich nun sogar eine optische Ähnlichkeit der Enkelin mit der verstorbenen Großmutter vermute:
Die traumatisierte Freundin flieht irgendwie unbewusst vor dem lebendigen Geist der Toten und der fleischgewordenen Kälte dieser Familie.
Dass die Erzählerin/Enkelin am Ende beim Notruf anonym bleibt und einfach auflegt, besiegelt m. E. diese Kälte endgültig.
Ein (für mich) psychologisch meisterhaftes 'Stückchen Literatur', das mich zum langen Nachdenken anregt! Genau das ist es, was ich mir (und explizit hier bei kv) wünsche!
Herzliche Grüße - Vaga
Für mich liegt der eigentliche Schlüssel dieser Geschichte im Verdacht einer tiefen Empathielosigkeit des weiblichen Erzähl-Ichs.
Während Fräulein Klopp (die namentliche Bezeichnung gefällt mir übrigens auch sehr) über den Verlust ihrer besten Freundin geradezu verrückt vor Schmerz wird, betrachtet die Enkelin den grauenvollen 'Feuertod' der Großmutter mit einer fast klinischen, erschreckenden Kälte. Diese emotionale Taubheit sehe ich in der Szene bei der Trauerfeier gegipfelt:
Während um sie herum das absolute Grauen in Form von sieben leeren Särgen begraben wird - eine Zahl, die nicht zufällig eine tiefe mythologische Bedeutung besitzt -, bleibt sie vollkommen ungerührt. Statt Trauer zu empfinden, seziert sie distanziert ihre Umgebung, beobachtet bspw. die Lippenbewegungen einer Frau und das Herumfummeln an einem Luftballon.
Diese Kälte zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Text - bis zum geheimnisvollen Ende auf der Müllhalde, wo sie dem brutalen Verbrechen an Fräulein Klopp tatenlos zusieht. Ihre obsessive Suche nach der alten Frau ist in Wahrheit deshalb m. E. keine Suche aus Mitgefühl, sondern ein von Schuldgefühlen und/oder gar Täterwissen?? (könnte ich spekulieren) getriebenes Belauern.
Die panische Flucht von Fräulein Klopp bekommt dabei eine ganz neue, tragische Dimension, wenn ich nun sogar eine optische Ähnlichkeit der Enkelin mit der verstorbenen Großmutter vermute:
Die traumatisierte Freundin flieht irgendwie unbewusst vor dem lebendigen Geist der Toten und der fleischgewordenen Kälte dieser Familie.
Dass die Erzählerin/Enkelin am Ende beim Notruf anonym bleibt und einfach auflegt, besiegelt m. E. diese Kälte endgültig.
Ein (für mich) psychologisch meisterhaftes 'Stückchen Literatur', das mich zum langen Nachdenken anregt! Genau das ist es, was ich mir (und explizit hier bei kv) wünsche!
Herzliche Grüße - Vaga
Hallo Vaga, erstmal: wow meinerseits und danke! Deine intensive Auseinandersetzung mit dem Text ist mehr als ich mir wünschen könnte! Ich finde deine Lesart sehr interessant, gerade deshalb, weil ich mir beim Schreiben etwas ganz anderes gedacht habe. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass der Text auch so gelesen werden könnte und finde das sehr bereichernd. Möchtest du wissen, was ich mir gedacht habe? Ich möchte es dir nicht überstülpen. Liebe Grüße!