Wer versteht die Menschen?

Anekdote zum Thema Verständnis(los)

von  Graeculus

Am Montag saß ich spätabends im letzten Bus von Pforzheim nach Dobel. Nicht viele Menschen außer mir saßen darin – eigentlich nur eine Frau mittleren Alters, die sich in meine Nähe setzte. Kurze, leicht ergraute Haare, Brille, lila Hose, Gesundheitsschuhe.

Wir unterhielten uns sogar kurz, und zwar darüber, warum eine bestimmte Haltestelle so heißt, wie sie eben heißt. Nichts Auffälliges schien an dieser Frau, auch nicht an ihrer Sprache. Sehr höflich war sie. So dachte ich mir nichts und döste vor mich hin.

Dann aber packte sie ein Buch aus und begann zu lesen. Sie las sich? mir? uns? laut! aus der Bibel vor. Auf Französisch.

Wenn das jemand verständlich findet und erklären kann – ich kann es nicht.


Was wissen wir über das Leben? Nicht mehr als fünf Prozent. In diesen fünf Prozent ist keine Antwort enthalten. Alles Übrige liegt im Nebel.

[Viktor Jerofejew: Der Große Gopnik. Berlin 2023, S. 240]


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Kommentare zu diesem Text


 Regina (01.11.23, 08:52)
Nun, in der Nähe der Grenze muss man mit französisch sprechenden Menschen rechnen. Und mit Bibelfreaks gelegentlich auch anderswo. Was ist daran unverständlich außer der Fremdsprache, die man vllt. nicht genügend beherrscht?

 LotharAtzert meinte dazu am 01.11.23 um 09:04:
Ja. Und daß Leben rückwärts gelesen Nebel heißt, ist auch eine alte Kamelle. :)

 Graeculus antwortete darauf am 01.11.23 um 18:09:
An Regina:

Die Frau sprach, wie ich vorher feststellen konnte, makelloses Deutsch. Erstaunt hat mich, daß sie aus der Bibel 1. laut und 2. auf Französisch vorlas. Beides ist ja nicht dadurch zu erklären, daß Württemberg das Land des Pietcong ist, d.h. daß es hier relativ viele Bibelfreaks gibt. Denn obwohl es das ist, habe ich hier noch nie jemanden in einen öffentlichen Verkehrsmittel laut! aus der Bibel vorlesen hören. Und dann auch noch in einer Fremdsprache. Das Französisch klang übrigens holprig - also ihre Muttersprache war das nicht.
Möglicherweise lernte sie Französisch anhand der Bibel?

 Graeculus schrieb daraufhin am 01.11.23 um 18:13:
An Lothar:

Ja, das Leben ist nebelhaft. Was soll man auch erwarten von einer Welt, die zu 95% aus etwas besteht, von dem nicht einmal die Fachleute eine Ahnung haben, worum es sich dabei handelt: Dunkle Materie und Dunkle Energie?

Und warum haben uns die Großen Weisen von Buddha über Jesus bis hin zu Döbereiner nichts davon gesagt? Wußten die das nicht? Hielten sie es für unbedeutend? 95 Prozent!

 AlmaMarieSchneider äußerte darauf am 01.11.23 um 18:19:
Möglicherweise lernte sie Französisch anhand der Bibel?
Das gibt es tatsächlich. Ich hatte mal eine Schulfreundin, die tatsächlich französisch anhand der Bibel lernte. Aus einer deutsch sprachigen Bibel las sie uns in französisch vor und zog dann eine französische Bibel aus der Tasche um nachzusehen ob alles richtig übersetzt war.

 Graeculus ergänzte dazu am 01.11.23 um 18:45:
Aha! So bekommt die Sache allmählich einen Sinn! Ein bibelgläubiger Mensch lernt Französisch anhand der Bibel. Das erklärt auch, warum sie laut las, denn das gehört ja zum Erlernen einer Fremdsprache dazu.

 Dieter Wal meinte dazu am 01.11.23 um 23:36:
Das gibt es tatsächlich. Ich hatte mal eine Schulfreundin, die tatsächlich französisch anhand der Bibel lernte. Aus einer deutsch sprachigen Bibel las sie uns in französisch vor und zog dann eine französische Bibel aus der Tasche um nachzusehen ob alles richtig übersetzt war.
Alma Marie, Graeculus:


Unser Papa brachte sich auch Französisch mit einer Bibel bei. Mit seinen drei Brüdern unternahmen sie um 1952 eine zweimonatige Fahrradtour durch Frankreich. Wieland hatte nicht die geringsten Hemmungen, Franzosen auch unter fürchterlichsten Grammatikfehlern anzuquatschen, was sehr gut für seine immer bessere Sprachpraxis war. Es soll ihm ein mehr als archaischer Wortschatz bescheinigt worden sein. :D Er behauptete, er hätte die komplette französische Bibel vorher durchgearbeitet. :)

 AlmaMarieSchneider meinte dazu am 01.11.23 um 23:58:
:)

 Graeculus meinte dazu am 02.11.23 um 18:36:
Ich sehe das ein: man kann so Französisch lernen.

 Mondscheinsonate meinte dazu am 02.11.23 um 20:47:
Aber, ich gebe euch zu bedenken, dass es doch echt schwer ist, so eine "alte Sprache" übersetzt zu lernen, nicht?

 Dieter Wal meinte dazu am 02.11.23 um 21:04:
Eher nicht. Unser Papa kam aus Siebenbürgen in Rumänien. Eine romanische Sprache war bereits seine offizielle Muttersprache. Daher kannte er die meisten französischen Begriffe aus dem Rumänischen bereits sinngemäß.

 Mondscheinsonate meinte dazu am 02.11.23 um 21:11:
Sehr spannend. Ich muss das mal probieren.

Antwort geändert am 02.11.2023 um 21:11 Uhr

 Graeculus meinte dazu am 03.11.23 um 23:26:
An Mondscheinsonate:

Was meinst Du mit "alte Sprache", bezogen auf das Französische?
Das Neue Testament ist natürlich in Griechisch geschrieben, aber wenn man es in einer französischen Übersetzung durch lautes Vorlesen kennenlernt, lernt man doch Französisch, nicht Griechisch. Oder?

 Mondscheinsonate meinte dazu am 04.11.23 um 01:59:
Ich meinte poetisch. Die Bibel, zumindest meine, ist sehr altdeutsch geschrieben. Das, auf Französisch, stelle ich mir schwer vor.

 Graeculus meinte dazu am 04.11.23 um 22:56:
Jetzt verstehe ich. Das ist dann etwa so, wie wenn man Englisch anhand der King James Bible lernen will.

 Dieter Wal meinte dazu am 04.11.23 um 23:15:
Korrekt. Es fehlt "nur" der moderne Wortschatz. Franzosen dürfte das Französisch meines Vaters wie Catweazle auf Französisch vorgekommen sein.

 Graeculus meinte dazu am 04.11.23 um 23:52:
Sprechen vielleicht orthodoxe Juden so, d.h. Hebräisch à la Thora?

Eigentlich eine hübsche Idee. Ich könnte bei Netto an der Kasse in Hexametern sprechen und mit der Hausverwaltung in Pentametern. "2,50 für ein Stück Butter? Welch großes Wort ist dem Gehege deiner Zähne entflohen!"
Agnete (66) meinte dazu am 08.11.23 um 18:57:
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 eiskimo (01.11.23, 09:07)
Nichts passiert rein zufällig. Da steckt natürlich ein Plan hinter, dass etwas Höheres zu Dir spricht und Du endlich die Augen öffnest ... und Französisch lernst!
Grins!

 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:15:
Eine höhere Macht? Darauf bin ich gar nicht gekommen. So ganz schlau kann sie aber nicht sein, diese höhere Macht, denn wenn sie mich gekannt hätte, hätte sie es nicht mit der Bibel, sondern mit Voltaire versucht.

Antwort geändert am 01.11.2023 um 18:16 Uhr

 eiskimo meinte dazu am 01.11.23 um 18:26:
upps, ich habe erst "Voltaren" gelesen. Pardon!
Voltaire ist natürlich eine ganz andere Herausforderung. Da hättest Du nicht bei gedöst...

 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:47:
Jetzt mal Ernst beiseite: Wer bei Voltaire Voltaren liest, der liest auch bei Diderot Didi Hallervorden, oder?

Nein, bei Voltaire hätte ich nicht gedöst.

 Möllerkies meinte dazu am 01.11.23 um 22:04:
@Graeculus: :D

Antwort geändert am 01.11.2023 um 22:08 Uhr

 niemand (01.11.23, 09:41)
Die Menschen verstehen sich nicht, haben aber den Ehrgeiz sich
zu begreifen  :O 

LG niemand

 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:17:
Bei mir stark entwickelt, dieser Ehrgeiz. Weit bin ich damit offenbar nicht gekommen, wenn mich schon eine Frau im Bus dermaßen verstören kann.

 Mondscheinsonate (01.11.23, 09:53)
Also, in Wien hüpft einer im letzten Moment in die U6, ich sah ihn öfters, stellt sich hin und predigt immer, aber auf Englisch. Aber, schöne Predigten, nicht, dass Satan uns alle fressen wird, jedoch zu arg laut und leidenschaftlich. 
Welche Stelle war es denn? Kannst du Französisch? Das wäre interessant.

Kommentar geändert am 01.11.2023 um 11:53 Uhr

 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:27:
Wenn ich jetzt überlege, gibt es tatsächlich Parallelfälle. Wie hieß noch dieser Prophet aus Wien? SoLuWiLu?

Witzig fand ich einst einen Balck-Panther-Prediger. In einer Redepause stärkte er sich mit einem Schluck CocaCola. Ein Zuhörer meinte, das sei ungesund und er solle doch lieber Milch trinken. Seine Antwort: "I drink CocaCola because CocaCola is black. I don't drink milk because milk is white."
Kann man so machen.

Zu der Frau: Ich weiß lediglich, daß sie eine Ausgabe des Neuen Testaments benutzte; für die komplette Bibel war das Buch nicht dick genug.
Nein, eigentlich kann ich nicht richtig Französisch; ich konnte aber feststellen, daß das kein flüssiges Französisch, daß Französisch nicht ihre Muttersprache war. Zumal sie vorher mit mir akzentfrei Deutsch gesprochen hatte.
Das machte den Vorgang umso rätselhafter.
Vielleicht lernte sie Französisch (dafür muß man es ja laut sprechen) und tat dies aus irgendeinem Grund anhand der Bibel?

 Mondscheinsonate meinte dazu am 01.11.23 um 18:44:
WaLuLiso😂

 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:53:
Ja! Meine Version war Quatsch: 2x Luft.

So, jetzt trinke ich als alter weißer Mann eine Milch.
Teolein (70)
(01.11.23, 11:52)
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 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:30:
Nein, schlimm war das nicht. Und bibeltreue Menschen (Pietcong) gibt es in Württemberg reichlich.
Aber die predigen hier nicht französisch. Wenn es denn Aramäisch gewesen wäre, die Sprache Jesu, das hätte was gehabt!

 Möllerkies (01.11.23, 12:21)
Hmm, habt ihr vielleicht über die Haltestelle Birkenfeld Kreuzstraße gesprochen? Und las sie daraufhin Mt 27, 31-56 vor?

Kommentar geändert am 01.11.2023 um 14:16 Uhr

 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:31:
Interessanter Erklärungsansatz. Leider hieß die Haltestelle Neuenbürg Wilhelmshöhe. Und da sehe ich keinen biblischen Bezug.

 diestelzie (01.11.23, 12:46)
Warum willst du es denn verstehen? Ist es nicht schöner, den Augenblick fasziniert zu erleben? 
Es braucht nicht immer eine Erklärung, außer vielleicht, dass sie es tat, weil sie es wollte. 

Liebe Grüße 
Kerstin

 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:34:
Das ist eben meine Eigentümlichkeit, Kerstin: ich möchte die Welt verstehen. Und verstehe sie nicht. Ein unruhiger Geist, dem das Verstummen in der Faszination des Augenblicks selten gelingt.
Eigentlich sollte es doch für alles eine Erklärung geben, oder?
Ich ahne: Du sagst dazu nein.

 diestelzie meinte dazu am 02.11.23 um 12:21:
Genau 😃 
Es muss einfach Dinge zwischen Himmel und Erde geben, die wir nicht erklären können. Wozu bräuchten wir denn sonst noch unsere Fantasie?

 Graeculus meinte dazu am 02.11.23 um 18:35:
Phantasie - gestatte, daß ich Dir widerspreche - braucht man auch zum Forschen und zum Erfinden ... was letztlich ein Erklären nicht ausschließt.

Nun, letztlich wird mir gar nichts anderes übrigbleiben, als mich mit Deinem Standpunkt abzufinden.

 diestelzie meinte dazu am 02.11.23 um 19:17:
Du bist ein sehr kluger Mann 👍😊.

 Graeculus meinte dazu am 03.11.23 um 23:28:
Da ich einige sehr kluge Menschen kenne, habe ich da so meine Zweifel. Es ist alles relativ.
Aber: Danke!

 Augustus (01.11.23, 13:03)
Einiges deutet darauf hin, dass die Frau sexuell enthaltsam lebt. Die Enthaltsamkeit deutet wiederum auf eine überhöhte Vorsicht hin vor Krankheiten. Beides vereint flankiert eine strenge Religiosität. 
Die Frau zitiert aus der Bibel in der französischen Sprache, weil die Bibel auf französisch geschrieben ist und die Frau selbst Französin ist. Die Anwesenden können sie zwar hören, aber nicht verstehen, es sei denn einer der Fahrgäste  kann französisch. Jemand der eine Bibel unterwegs führt, liest auch täglich in ihr. 
Das laute Vorlesen könnte implizieren, zu zeigen, „ich bin christlich streng gläubig“, also eine verdeckte Mitteilung an die Anwesenden, an Dich. Darin versteckt könnte die Mitteilung liegen, wenn ich über ein Thema mit Fremden spreche, dann nicht über Betitelung von Bushaltestellen, sondern von Gott, Christus und die Bibel.

 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:36:
Das stimmt in einem wichtigen Punkt nicht: Diese Frau war keine Französin. Bei unserem vorangehenden Gespräch konnte ich feststellen, daß sie akzentfrei Deutsch sprach, während ihr Französisch ungelenk, ungeübt klang.
Möglicherweise, so denke ich mir jetzt, lernte sie Französisch und lernte es aus irgendeinem Grunde anhand der Bibel.
Wenn man eine Fremdsprache lernt, muß man sie sprechen.

 TrekanBelluvitsh (01.11.23, 14:46)
Hat sich das Buch neu gekauft und war ganz begierig es zu Ende zu lesen, weil sie sicher war, dass irgendetwas mit Drachen kommt.

 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:38:
Daß jemand im Bus liest, ist gut möglich - auch wenn die meisten heute lieber auf ihr Smartphone schauen.
Aber daß jemand das Gelesene in einer Fremdsprache laut vorträgt, das habe ich noch nie erlebt.
Außerdem ... kommen im Neuen Testament Drachen vor?

 Dieter Wal meinte dazu am 02.11.23 um 05:57:

 TrekanBelluvitsh meinte dazu am 02.11.23 um 11:55:
Ich bitte euch!

-) Stöcke die zu Schlangen werden,
-) Ein Meer wird geteilt,
-) Der Held geht übers Wasser,
-) Trompeten, die Mauern zum Einsturz bringen,
uvm.

Das ist Fantasy at its best! Da müssen einfach am Ende Drachen kommen.

 Graeculus meinte dazu am 02.11.23 um 18:32:
Aha, tatsächlich Drachen. Und Fantasy-Stoff. Allerdings hatte die Frau nur das Neue Testament bei; das kann ich sagen, weil ihr Buch für die gesamte Bibel zu schmal war.

 Dieter Wal meinte dazu am 02.11.23 um 20:40:
Prosalyrische Fantasy auf höchstem literarischen Niveau. Dagegen sind die systopischen Gedichte in "Menschheitsdämmerung" fast lahm, und ich halte diese für äußerst beeindruckend.

 TrekanBelluvitsh meinte dazu am 03.11.23 um 01:37:
@ Graeculus:

Weshalb liest man den 2. Teil von etwas? Klar, weil man den 1. Teil klasse fand. Allerdings ist in diesem 2. Teil etwas weniger Action, dafür mehr Personenentwicklung. Hoffe, du hast ihr nicht erzählt, dass Jesus am Ende stirbt. Das nimmt die Spannung.

 Graeculus meinte dazu am 03.11.23 um 23:30:
An Dieter Wal:

Was meinst Du mit "dystopischen Gedichten in 'Menschheitsdämmerung'"? Ein solches Werk kenne ich nicht.

 Graeculus meinte dazu am 03.11.23 um 23:34:
An Trekan:

Es ist möglich (auch wahrscheinlich?), daß sie das Neue Testament für das Sequel des Alten gehalten hat. Irgendwie ist das ja auch so gemeint, oder?

Ob ich ihr was verraten habe? Wenn ich von jemandem den Eindruck habe, er sei ein christlicher Fundi, kann ich sehr zurückhaltend werden.

 Dieter Wal meinte dazu am 04.11.23 um 01:02:

 Graeculus meinte dazu am 04.11.23 um 22:55:
Danke für den Hinweis. Hatte ich nie von gehört. Du kennst wahrlich viele Bücher.

 Dieter Wal meinte dazu am 05.11.23 um 00:09:
Wenn man diese legendäre Anthologie kennt, versteht man, welche Funktionen der literarische Expressionismus hatte. Das ist "die Bibel der expressionistischen deutschen Lyrik".

 AngelWings (01.11.23, 15:25)
So lange man nicht Bibel des Devil führe ließ! 😈

Lila Teufel!

 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:39:
Die Satansbibel, das hätte noch gefehlt! Aber tragen Satanisten lila Hosen und Gesundheitsschuhe?

 Saira (01.11.23, 17:53)
Hallo Graec,

ich denke, diese Frau vertraute dir und hatte keine Scheu, dir aus der Bibel vorzulesen.

Wahrscheinlich bist du ein gemütlicher Typ :)

Liebe Grüße
Sigrun

 Graeculus meinte dazu am 01.11.23 um 18:41:
Angst löse ich, glaube ich, in der Tat nicht aus. Sonst hätte sie sich nicht in meine Nähe gesetzt. Gut, vielleicht war das ein Versuch, mich mit der Bibel, Gottes Wort, zu konfrontieren. Aber auf Französisch? Und Französisch war für sie erkennbar eine Fremdsprache - im Gegensatz zu Deutsch, das sie fließend sprach.

 Terminator (01.11.23, 22:02)
Am 11.10. saß ich im Zug von Stuttgart nach Karlsruhe und hielt spontan in Pforzheim an, um mir die Innenstadt anzusehen. Ich kam an einer bereits bepolizeilichten Unfallstelle vorbei und aß beim Asiaten in der Bahnhofstraße. Um Zeit zu sparen, bezahlte ich sofort, mit Trinkgeld. Das Essen war dann in der Tat vortrefflich. Verstanden mich aber die Damen am anderen Tisch, die nach mir kamen, als ich nach dem Essen gleich aufsprang und mit meinem sauteuren schwarzen Reisekoffer von Victorinox schnellen Schrittes wieder zum Bahnhof ging? Ich weiß es nicht, ich schaute nicht zurück.

 Graeculus meinte dazu am 02.11.23 um 18:21:
Hätte ich dies beobachtet und nicht beobachtet, daß Dir ein empörter Kellner nachgelaufen wäre, hätte ich mir ohne weiteres gedacht: der hat wohl schon bezahlt, ohne daß ich es bemerkt habe.

Was für ein Asiate auf der Bahnhofstraße war das? Erinnerst Du Dich noch an den Namen? (An guten Restaurants sind wir interessiert.)

 Terminator meinte dazu am 02.11.23 um 22:06:
Das wird  Anami gewesen sein.

 Graeculus meinte dazu am 03.11.23 um 23:35:
Danke für den Hinweis. Kenne ich nicht, könnte ich aber mal vorbeischauen. Habe mir die Speisekarte angeschaut.

 LotharAtzert (02.11.23, 09:57)
„Und warum haben uns die Großen Weisen von Buddha über Jesus bis hin zu Döbereiner nichts davon gesagt? Wußten die das nicht? Hielten sie es für unbedeutend? 95 Prozent!“
Uns? Deine Genannten sprachen nicht von „uns“, sie sprachen zu denen, deren Herz und Verstand so weit geöffnet war, daß sie für die Botschaft empfänglich wurden und sprechen noch immer aus ihren Werken und durch fortgeschrittene Schüler.
Buddha zum Beispiel sprach von der Dreiheit Buddha-Dharma-Sangha und daß man sich an sie halte. Wer nicht beim Sangha sucht, sondern zwischendrinn beim Kant, Schopenhauer wasweißich, der ist nicht ernsthaft an der Verwirklichung interessiert, vielleicht später einmal, aber solange einer bei den Vielen Zuflucht nimmt, ist das nicht der Buddhadharma.
„Wußten die das nicht?“ – anders rum, dein „wir“ weiß es nicht. Was die Weisen für unbedeutend hielten und sicher auch noch halten, ist der Eigendünkel, der die Menscheit im Kali Yuga für große Gedanken täglich unempfänglicher macht, bzw für die schlimmsten Verbrechen empfänglich macht. Man kann das sogar bei kV sehen, allerdings nur, wenn man die Eier hat, es auch sehen zu wollen. Was hab ich nicht alles versucht, um den Leser zur wunderbaren Döbereiner-Lektüre zu bringen – nicht ein Einziger las ihn bis heute. (Nur Babette und die tat das schon vor meiner Zeit) Da weiß ich natürlich, daß auch ich hier fehl am Platze bin und schreib manchmal was Nettes und manchmal was Nichtnettes, so wie ein Bächlein plätschert und aus die Maus. Deine Frage „Wer versteht die Menschen“ ist anbiedernd, ja fast schon ein Hilferuf in die Gosse. Schon Diogenes fand keine und du wirst auch keine finden, solange du nicht aufwärts blickst, zu denen, die darüber lächeln.
 
Sowohl Döbereiner (-der vom Buddhismus nicht viel hielt – er kannte das Vajrayana gar nicht, gleiches gilt für Schopenhauer), als auch die Buddhisten, sprechen von Samen, die sie ausstreuen, die irgendwann einmal aufgehen werden (was ich bezeuge: so manches ging mir bereits auf und ich bin sehr dankbar dafür) – aber derzeit sieht es rech dunkel aus, ohne daß Besserung absehbar ist. Besserung für wen? Also für das Praktizieren ist es egal. Tag für Tag guter Tag.

 Graeculus meinte dazu am 02.11.23 um 18:30:
Der Buddha hätte die Frage nach den Bestandteilen des Universums sicher zu den für den Heilsweg irrelevanten gerechnet.
Aber seien wir redlich: Weder der Buddha noch der Döbereiner haben von Dunkler Materie und Dunkler Energie etwas geahnt. Für Döbereiner, den ich Dir gemäß als Astrologen verstehe, hätte sich die Frage stellen können, ob sie irgendeinen Einfluß aus uns haben - was bei 95 % gar nicht ganz unwahrscheinlich ist.

Mein Gefühl des Nichtverstehens ist durch religiöse Annahmen immer nur bestärkt, nicht gemindert worden.
Wovon ich aber etwas verstehe, das ist der Diogenes von Sinope: eine interessante, aber auch sehr arrogante Gestalt, über die in der Antike viel - auch kritisch und/oder humorvoll - geschrieben worden ist. Dabei hat mich weniger die Geschichte mit "Ich suche einen Menschen" beeindruckt (das ist eher arrogant) und wesentlich mehr das, was er gesagt hat, als er eines Tages auf dem Sklavenmarkt zum Verkauf stand.
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