Hidalgo, bravo, bravo!

Kommentar zum Thema Wandel

von  eiskimo

Für Anne Hidalgo hatte sich in Deutschland bis vor zwei Tagen kaum einer interessiert. Dass eine Einwanderin aus Spanien seit 2014 Bürgermeisterin von Paris ist, dass die 64jährige dem Parti socialiste angehört und 2021 sogar als Kandidatin für die französischen Präsidentschaftswahlen antrat, war hierzulande kaum eine Nachricht wert.

Jetzt aber horcht man in der Auto-fixierten Bundesrepublik plötzlich auf: Diese Frau hat es tatsächlich geschafft, gegen die Lobby der immer präsenter werdenden SUVs in Paris einen vielleicht wegweisenden Sieg zu erringen. Hidalgo hatte die Einwohner der Hauptstadt darüber abstimmen lassen, die Parkgebühren für großvolumige Besucher-PKW, die mehr als 1,6 Tonnen wiegen, zu verdreifachen. Ziel: Mit einem Stundenpreis von 18 Euro die entsprechenden Fahrzeugbesitzer aus Paris fern- und die Luft damit sauberer zu halten.

Es ist aber nicht nur dieses Votum, das vielleicht andere Großstädte anstiften könnte, weniger öffentlichen Raum dem Auto und dafür mehr davon den Fußgängern und Radfahrern zuzuweisen. Anne Hidalgo steht auch für einen Kulturwandel, für eine andere städtische Lebensqualität, hin zu einer urbanen Kreislaufwirtschaft, die allen zu Gute kommt.

Da ist der Aufreger über die so unfein behandelten SUVs nur eine Etappe. Die Olympischen Spiele in diesem Sommer, die werden spätestens der ganzen Welt aufzeigen, welch spannenden Wandel Paris in den letzten Jahren vollzogen hat. Ein sehr mutiger Aufbruch. Politik mit Frauenpower. Ganz anders als die verzagte Verkehrs-Kosmetik in deutschen Städten. Unter einer sozialistischen Bürgermeisterin namens Anne Hidalgo.




Anmerkung von eiskimo:

Madame Hidalgo hat letztes Jahr ihre Stadt auch von einem anderen gefahrenträchtigen Wildwuchs befreit: Dem E-Scooter

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Kommentare zu diesem Text


 Graeculus (07.02.24, 00:24)
Ein interessantes Experiment, in der Tat. Andernorts (in Spanien) gibt es schon Versuche mit autofreien Innenstädten, kombiniert mit einem optimierten Angebot im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs.

In Paris gestaltet man das, so mein Informationsstand, allerdings pflaumenweich: keine Gültigkeit für Einheimische und auch keines für ebensoschwere Elektroautos (deren Umweltfreundlichkeit ich wegen der Batterieherstellung eher für einen Mythos halte).

 Regina (07.02.24, 05:31)
... und wenn die SUV-Fahrer die Parkgebühr aus der Portokasse zahlen, kann man von dem Geld die Metro Rollstuhl-gerecht einrichten.

 Regina meinte dazu am 07.02.24 um 05:33:
... und den CDG-Flughafen auch.

 eiskimo antwortete darauf am 07.02.24 um 08:15:
@Graeculus
Meines Wissens gilt es auch für E-SUVs ab 2 Tonnen, und ähnlich mutige Verkehrskonzepte kenne ich auch von Italien,  Bologna z.B.

@ Regina
die Metro attraktiver zu machen, für alle, wäre die logische Konsequenz, wenn man die Autos aus dem Zentrum verbannt.
Es gibt Metropolen, da braucht man definitiv kein Auto, weil der ÖNVP so perfekt ist: Singapur macht es vor
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