Ich seh mein Kind in Stille liegen,
vom Schlaf so leise, sanft umwiegen.
Die Lider schwer, der Atem sacht,
ein Kind, zur tiefen Ruh gebracht.
Der Mund noch weich vom Tageslachen,
die Stirn voll ungelebter Sachen,
die Wangen rund, vom Traum bewacht,
so schlief er leicht in dunkler Nacht.
Die kleinen Hände, zart und schmal,
noch ungeübt in Last und Zahl.
Auf seinem Bauch so still sie ruhn,
als würd die Zeit dort Pause tun.
Die Finger fein wie Morgenschein,
noch ohne Last und ohne Pein.
Sie halten nichts als Schlaf und Traum,
noch keinen Schwur, noch keinen Raum.
Und seine Füße, klein und warm,
noch fern von Weg und Lebensarm,
sie ruhen, als sei Gehen fern,
als gäb es noch nicht Ziel noch Stern.
Seine Haut, so hell im Dämmerlicht,
erzählt von einem jungen Ich,
von Spuren, die noch werden sollten,
von Jahren, die sich erst noch rollten.
Und während er so ruhig hier liegt,
seh ich, wie seine Zukunft fliegt:
den Mann, der nun im Leben steht
und selbst schon kleine Träume sät.
Und ich, ich steh am Bettrand hier
und schau durch ihn hindurch zu dir –
zu dem, der du nun draußen bist,
der längst schon selbst ein Papa ist.
Du bist nun Vater, stark und weit,
gehst mit den Deinen durch die Zeit,
doch hier, in dieser stillen Nacht,
bist du mein Sohn, vom Traum bewacht.
©Sigrun Al-Badri/ 2026