Wie Gott mit seiner Schöpfung richtig böse ins Gericht ging

Parodie zum Thema Tragik

von  eiskimo

Anfangs hatte Gott noch gerne zurückgeschaut auf Genesis I, auf seine Schöpfungsgeschichte. Sieben Tage, die er echt im Flow gewesen war. Danach... Cut, der Zeitsprung. Die Menschen hatten alleine weitermachen dürfen, nach eigener Zeitmessung, nach eigenem Plan.

Am 8. Tag – abends, es war eine Art Götterdämmerung – musste Gott erkennen, dass sein so gut gemeintes Projekt „Erde“ wohl zum Flop wurde. Denn was er einmal so gutgläubig in die Selbstverantwortung entlassen hatte, das lief da unten total aus dem Ruder. Sodom und Gomorrah. 

„Okay, Menschheit,“ sagte er grimmig, „wir können auch anders!“

Und wie!

Am 9. Tag ging es dann zur Sache, sehr zielgerichtet und gleich viral: Gott legte das komplette Internet lahm, jawohl, world wide, urbi et orbi! Das schlug ein, denn damit hatte er – halleluja! - die gesamte Cyberkriminalität, die wilde Tiktok-Zappelei und vor allem die abartige Kinderpornographie, die ihn zuletzt ja besonders aufgebracht hatte, ausgemerzt. Wummm!

Er sah, dass das gut war, aber halt noch nicht gut genug.

Darum sein nächster Coup gleich am Tag Nr. 10: Er ließ alle illegalen Spekulationsgewinne, Cum-Ex-Gelder, hinterzogenen Steuern sowie im Ausland versteckten Golddepots - wummm! - in Staub zerfallen. Und siehe: Auch die unfassbar vielen reich Gewordenen mussten jetzt für ihren obszönen Lebensstil wieder arbeiten gehen.

Gott sah, dass das allen gut tat, aber es war noch längst nicht alles gut.

Am 11. Tag machte Gott also den nächsten reinigenden Eingriff: Er nahm weitere missratene Menschenkinder aufs Korn, diesmal diejenigen, die nur aus Spaß und Bequemlichkeit unnötig viel Lärm und Abgase unter sein Firmament pusteten. Fette Motorräder und SUVs, Jetskis und Privatjets, nervende Rasenmäher und Laubsauger – diese zum Himmel schreienden Nervensägen litten plötzlich unter akutem Rostbefall, der sie – wummm! - auf Dauer verstummen ließ. Auch hier sah Gott, wie gut das tat, so gut, dass er weiter aufzuräumen gedachte.

Also griff er am 12. Tag massiv hinein in das nächste Rattennest: die irdische Alkoholindustrie. Sein Handlungsvorbild dabei: Die Hochzeit zu Kanaan, aber nicht Wasser zu Wein, sondern diesmal umgekehrt. Wummm! Schlagartig war da unten der ganze hochprozentige Fusel verwässert, so dass dieses Saufgut gänzlich fad und uninteressant war.

Klar, dass Gott auch dies wieder gut fand. Aber da schlich der Teufel herbei, und Gott sah natürlich sofort dessen Grinsen, dieses teuflische. Prompt wusste er, dass all seine Sanierungsmaßnahmen längst nicht vollkommen waren.
Deshalb besserte er sein Eingreifen noch am selben Tag nach: Auch alle anderen Drogen und Rauschmittel segnete er mit reichlich Wasser, so dass sie am Schwarzmarkt – wummmm! - unverkäuflich wurden. Die Dealer und Junkies, die den Stoff trotzdem weiter verwendeten, strafte er exemplarisch, und zwar mit Spontanlepra, Gehirnakne oder Knochenfäule.

Um es vorwegzunehmen: Das große Aufräumen war damit noch immer nicht vorbei. Klar, dass da auch der Teufel wieder zündelte. Heimtückisch, mit trumpesken Sprüchen und perfider Propaganda. Und Gott musste sehen, dass die Schlawiner da unten noch einmal richtig gegen Ihn aufmuckten.

Am 13. Tag war deswegen sozusagen Sabbath. Gott entschloss sich, das Übel bei der Wurzel packen, und so nahm er sich einen ganz dicken Brocken vor. Wen wohl? Die vielen Demagogen, Aufwiegler und geistigen Brandstifter. Doppel-wummm!

Um nicht erneut nachbessern zu müssen, hatte er nicht nur die Hassprediger, Rassisten und Kriegstreiber aus ihren Verstecken geholt, sondern gleich auch ihre tumb johlenden Follower – also jede Menge Spinner und Verbrecher. Einmal hops genommen, schickte er sie dann alle zusammen unbarmherzig in die Wüste. Jawohl! Da konnten sie mal in Echt nacherleben, was ethnische Säuberung, Flucht oder Umsiedlung konkret mit ihren Opfern gemacht hatte.

Alles gut? War da nicht schon Tag Nummer 14 angebrochen - laut Bibel eigentlich in Ruhetag?

Nix da. Gott mochte noch nicht ruhen. Er durfte noch nicht …denn was musste er da mit ansehen?

All die Braven, die Angepassten, die Nicht-Alkoholiker, Nicht-Chaoten, Nicht-Spekulanten, die weder Dealer noch Drogenopfer je wahrgenommen hatten, die weg gehört hatten, als die Volksverhetzer und Menschenjäger am Werk waren; all jene, die immer nur ihre Ruhe haben wollten, die im entscheidenden Moment lieber schwiegen - ja, die strömten jetzt in die Kirchen und Wallfahrtsorte, sie hatten alte Gebetbücher ausfindig gemacht und fingen tatsächlich an, Lobgesänge auf IHN da oben anzustimmen. Sie flehten um Gnade, baten um Vergebung, zündeten Kerzen an.

„Hörst Du nicht die Gerechten, die Deinen Namen rufen und Dich und die Schöpfung preisen?“ flüsterte der Teufel. „Siehst Du nicht ihre Reue? Und hast Du kein Erbarmen, Du, der immer Versöhnliche?“

Gott schob den Teufel mit einer barschen Handbewegung beiseite. „Weiche von mir, Satan!“ Und dann stieg er auf seinen Thron. „Wer zeitlebens zu feige oder zu bequem war, sich dem Bösen entgegen zu stellen, hat meine Liebe verwirkt.“

Kurz darauf zuckte der Teufel nur zusammen. Es hatte noch einmal „wummm!“ gemacht.






Anmerkung von eiskimo:

Der Text ist ein Remake von vor drei Jahren

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