Ich habe dich nicht
auf einer Straße gefunden
und auch nicht im Sommerlicht meines Gartens.
Ich fand dich
zwischen zwei Seiten,
wo die Stille wohnt.
Dort lagst du,
in schwarzer Tinte verborgen,
wie ein Herz,
das erst zu schlagen beginnt,
wenn jemand den Satz berührt.
Manchmal öffne ich ein Buch
wie andere ein Fenster zur Nacht
und plötzlich
weht eine fremde Zeit
durch mein Zimmer.
Dann sitzen wir zusammen,
du und ich,
am Rand eines Absatzes,
während Wörter
wie Zugvögel über die Seiten ziehen.
Du sprichst nicht laut,
doch ich höre dich
in den Zwischenräumen der Sätze,
dort, wo die Sprache
ihre Schuhe auszieht.
Und wenn ich lese,
geschieht etwas Seltsames:
Meine Hände halten Papier,
doch meine Seele
ein Leben.
Denn Bücher sind keine Dinge.
Sie sind
schlafende Universen,
die darauf warten,
dass jemand sie liebt
und aufschlägt
wie eine Tür aus Sternen.
Und jedes Mal,
wenn ich eine Seite umblättere,
ist es ein wenig so,
als streifte meine Hand
durch das Haar der Zeit.
©Sigrun Al-Badri/ 2026