In meiner Kindheit schickte meine Mutter mich manchmal zum Pferdeschlachter Berg in der Fischerstraße. Sie selbst ging nicht dorthin, weil es ihr wahrscheinlich zu peinlich war. Ich war mit einer Schüssel bewaffnet, in die eine Portion gelben Pferdefettes eingefüllt wurde. An den Geruch kann ich mich leider nicht mehr genau erinnern, nur dass er etwas fahl war. Pferdefleisch war damals finanziell günstiger als Rinder- und Schweinefleisch und mit einem gewissen Makel behaftet. Ganz anders als in Frankreich, wo ich, als ich in Paris war, Restaurants namens “Hippo” sah, in denen man Pferdefleisch essen konnte. Die Franzosen haben ein ganz anderes Verhältnis zu Pferden, wenn es ums Essen geht. Sie bieten Fohlencarpacclo und Hafflingerschnitzel als Delikatessen an. In Deutschland hat man hingegen im ersten Weltkrieg Pferden Gasmasken aufgesetzt und man nimmt Pferdemark als Haarspülung.
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