Letzens traf ich mich wieder mit Terminator im Café. Die Atmosphäre dort hat ein gewisses Hintergrundrauschen, das den Geist stimuliert. Die Hintergrundgeräusche sind so etwas wie Kitzeln, aber ohne zu Lachen. Wir lachten aber dennoch während der Gespräche über das Gespräch. Terminator war unglaublich wortgewandt – und fing bald an meine sprachliche Marotte künstlich zu imitieren, wodurch er kurzzeitig in einen begnadeten Sprachkünstler schlüpfte, dessen wirbelnden Sätze schneller aus seinem Mund schossen, als meine Gedanken seinen Faden folgen konnten. Seine Sprache und der Flow darin nahmen kurz die Gestalt der Rhythmen eines „Eminem“. Ich rannte – quasi – der Wortkaskade einfach nur hinterher. Ich guckte ihn mit abwechselnder Ungläubigkeit und Amüsiertheit an, das ich bald in Gelächter verfiel.
„Ich führe nicht nur dich vor,“ sagte er, als er endigte, „ich kann hier jeden vorführen. Und wenn Du mir einen „Bürger-Beyond mit drei Pattys“ kaufst, zeige ich es dir.
Wie befohlen machte ich mich auf dem Weg – etwa 10 Meter entfernt, wo wir saßen in der Essens-Lounge des Kaufhauses – ihm den gewünschten Bürger zu beschaffen.
Ich kam an und bestellte. „Gerne hätte einen Beyond-Bürger mit „sechs“(!) Pattys bitte.“ und lächelte. „What the fuck“, antwortete die Service-Kraft hinter der Kasse. „Die Kasse kann das gar nicht registrieren.“ Irgendwie schaffte der Mitarbeiter trotzdem den Bürger in die Kasse reinzubekommen. Dann rief er in die Küche: „Beyond-Bürger mit sechs Pattys!“ Aus der Küche kam die Antwort: „What the fuck!“
Der Bürger war fertig und sah wie das „Hilton-Hotel“ aus, die besten Suits waren die Gurken obendrauf.
„Bitte mein Lieber,“ sagte ich, als ich den Bürger ihm auf den Tisch abstellte. „Das ist keine Retourkutsche von mir, sondern verstehe es als gebührenden Applaus, den deine künstlerische Sprachperformance bewirkt hat.“
„Gut,“ sagte er, „dann halte ich nun mein Wort und führe jeden hier vor.“ Er packte aus seiner Tasche plötzlich eine Gabel und ein Messer hervor und fuhr fort. „Der Kultivierte isst ausschließlich mit Messer und Gabel.“ Ich krümmte mich wieder vor Lachen.
Eine Person am Nachbartisch guckte rüber und sagte: „Da hast du dir was vorgenommen, bei so einen aufgestapelten Bürger.“ Ich antwortete: „Diesen hat er sich redlich verdient.“
Danach wechselten wir die Location und transferierten uns 20 Meter weiter in einen Café, Eis zu essen. Dabei präsenteire ich ihm eine 5 seitige Arbeit, die er sich durchlas. Ich erklärte ihm den Kern der Arbeit und sagte: „Du bist gar nicht schockiert aus der Konsequenz dieser Arbeit.“ Er antwortete: „Mich kann gar nichts mehr schockieren in dieser Welt. Es ist graue Theorie, von der These ich sowieso bereits ausgehe, dass sie korrekt ist. Du bestätigst vielleicht hier das, was wir beide bereits schon intuitiv wissen. Abgesehen davon, ich bin gerade philosophie-geschichtlich unterwegs, sodass die mehr in der Welt der Sprache als in mathematischen Gleichungen unterwegs bin.“
Mein Gott! Wie die Zeit verfolg, die Stunde schlug 20:00 Uhr und es fühlte sich wie als verginge in den drei Stunden nur eine Stunde. Wir wurden geben zu gehen, da das Café schließen würde. Terminator eilte zur Toilette und ich nutzte die Gelegenheit die Kellnerin, übrigens eine angenehme Inderin in ein Smalltalk zu verwickeln und wechselte mit ihr ein paar belanglose Informationen in englischer Sprache aus. Sie ist hier in Berlin alleine und arbeitet 4 Tage die Woche und ein Tag ist sie im Rahmen eines Stipendiums auf einer privaten Fachhochschule. Samstag lernt sie oder arbeitet, sodass sie nur den Sonntag frei hat.
Ich verabschiedete mich freundlich und wünschte ihr angenehmen Feierabend.