Sigruplaw

Prosagedicht

von  Quoth

Wo Holz vermodert, mürbe wird und sich krümmt,
wo bittrer Schimmel weiß unter brüchige Rinden kriecht,
wo Asseln über Tausendfüßler wimmeln,
Läuse an Dickrüsslern saugen,
Ohrwürmer Schnecken zwicken,
rot bebänderte Kerfe das tote Mäuschen zerschmatzen,
das von Milben und Flöhen schon dürrgelutscht wurde,
wo’s schleimt, spinnt und kotet,
kopuliert, laicht, stinkt und doch
so mulmig/mulchig schwül ist, dass es nachts leuchtet –

da zirpt die bleichweiche Grille,
da knirscht der Buchdrucker gespiegelte Zeilen,
da tickt die Totenuhr,
da birgt sich die goldäugige Erdkröte und
die Schlupfwespe versenkt ihre Eierlast
in fettem Larvenfleisch,
damit ihre Kleinen
es einmal gut haben!

Kreuzweis begatten sich runzlige Nacktschnecken,
Raupen erhärten zu gezackten Chitinpanzern,
denen Spiralzüngler entschlüpfen, die
gierige Spiralzünglerinnen erschnüffeln,
drahtige Zuckschlängler winden sich im Takt ihrer Angstlust,
leichenweiße Fäden ringeln sich träge,
speckrote Regenwürmer protzen mit dem Ring ihrer Fruchtbarkeit –
es west – rottet – dampft!



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Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (30.04.26, 17:11)
Tja,
es lenzt auffallend pollenstark.
Und Mutter Natur erhält alleweil die Art!

Selbst wenn es sich um eine vollkommen bekloppte, schädliche und hässliche handelt.

"Alles was ist, ist notwendig", sagt Schopenhauer. 
Nicht aber vernünftig.  :ermm:
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