Kriegskinder
Gedicht zum Thema Krieg/Krieger
von AnneSeltmann
Kommentare zu diesem Text
@ Anne
Meine Eltern und auch Schwiegereltern waren zwar keine Kinder, aber verletzt genug, um ein Leben lang Symptome zu zeigen, wie zum Beispiel:
Meine Schwiegermutter hat Mehl gehortet, aus Angst kein Brot mehr zu bekommen, lange noch, fast bis zu ihrem Ende. Die beiden Väter sprachen ein Leben lang kaum über ihr Befinden und ihr Trauma. Bloß nichts von sich verraten, bloß keinen Krümmel verschwenden etc. Sie waren alle depressiv und haben das an uns weiter gereicht, ohne Vorsatz, einfach nur weil sie nicht anders konnten. Was mir an Deinem Gedicht besonders gefällt ist, dass Du nicht zu stark ausmalst, was natürlich knapp am Kitsch enden könnte. Du schaffst es mit relativ schlichten Worten ein Gedicht zu schaffen, das tief ist,
Das ist für mich gute Dichtung. LG Irene
Meine Eltern und auch Schwiegereltern waren zwar keine Kinder, aber verletzt genug, um ein Leben lang Symptome zu zeigen, wie zum Beispiel:
sie tragen
den hunger weiter
in schubladen voller vorräte
den hunger weiter
Das ist für mich gute Dichtung. LG Irene
Kommentar geändert am 15.05.2026 um 16:39 Uhr
Guten Morgen liebe Irene!
Meine Eltern haben den Krieg hautnah erlebt, mein Vater war in Russland Gefangener. Beide haben das Grauen kennengelernt... sie haben wenig darüber gesprochen. Mein Vater mehr, um diese Dinge vielleicht aus seinem Kopf zu bekommen.
Meine Mutter hat als Kind arg hungern müssen, dementsprechend hat sie alles essbare gehortet und im Erwachsenenalter viel gegessen, so als wenn es das letzte Mal wäre.
Ich danke dir für deinen Lob!
Liebe Grüße
Anne
Meine Eltern haben den Krieg hautnah erlebt, mein Vater war in Russland Gefangener. Beide haben das Grauen kennengelernt... sie haben wenig darüber gesprochen. Mein Vater mehr, um diese Dinge vielleicht aus seinem Kopf zu bekommen.
Meine Mutter hat als Kind arg hungern müssen, dementsprechend hat sie alles essbare gehortet und im Erwachsenenalter viel gegessen, so als wenn es das letzte Mal wäre.
Ich danke dir für deinen Lob!
Liebe Grüße
Anne
Antwort geändert am 17.05.2026 um 05:27 Uhr
Liebe Anne,
du fängst diese stille, bleibende Last ein, die Kinder des Krieges unter der Haut tragen, und doch lässt du einen Lichtblick durchscheinen: das Kind, das „eigentlich nur leben wollte".
Du nutzt kleine Alltagsbilder: der fallende Teller, die Schubladen voller Vorräte und damit zeigst du, wie Traumata sich in jedem Winkel des Lebens festsetzen. Es ist leise, aber unglaublich eindringlich.
Dass du dich durch mein Anti-Kriegs-Gedicht inspiriert gefühlt hast, ehrt mich sehr. Dein Text ist ein eigenes, kraftvolles Zeugnis: sensibel, schonungslos und doch voller Menschlichkeit.
Herzliche Grüße
Sigrun
du fängst diese stille, bleibende Last ein, die Kinder des Krieges unter der Haut tragen, und doch lässt du einen Lichtblick durchscheinen: das Kind, das „eigentlich nur leben wollte".
Du nutzt kleine Alltagsbilder: der fallende Teller, die Schubladen voller Vorräte und damit zeigst du, wie Traumata sich in jedem Winkel des Lebens festsetzen. Es ist leise, aber unglaublich eindringlich.
Dass du dich durch mein Anti-Kriegs-Gedicht inspiriert gefühlt hast, ehrt mich sehr. Dein Text ist ein eigenes, kraftvolles Zeugnis: sensibel, schonungslos und doch voller Menschlichkeit.
Herzliche Grüße
Sigrun
Vielen Dank, liebe Sigrun. Wenn ich in ein Gedicht eintauche, so wie in deinem, dann spüre ich es förmlich und ich muss es sofort niederschreiben. Es hat mich tief bewegt!
Danke!
Herzliche Grüße zurück
Anne
Danke!
Herzliche Grüße zurück
Anne
Gegen das Schweigen:
Es erstaunt mich zutiefst – und erschreckt mich zugleich –, wenn ich sehe, wie präzise und tiefgreifend dieses Trauma an die Generation der Boomer weitergegeben wurde.
Deine Zeilen, Anne, treffen eine nackte Realität. Die „Schubladen voller Vorräte“ und das „Ohr in der Vergangenheit“ sind keine Metaphern, es waren die Kulissen unserer Kindheit. Es war das Erbe einer Eltern-Generation, die vergessen und uns gleichzeitig beschützen wollte.
Der eiserne Satz unserer Eltern: „Es gab ein Drittes Reich, es war schrecklich. Es reicht, mehr braucht Ihr nicht wissen!“ wurde für uns Boomer zum Gefängnis einer verordneten Unwissenheit. Uns wurde zwar zugerufen: „Wehret den Anfängen!“ – aber wie erkennt man den Anfang, wenn das Ende nie ausgesprochen werden durfte?
Wenn die Väter schwiegen und flüchteten (wie in der absoluten, fast eisernen Korrektheit eines Beamtenlebens, um den inneren Kanonendonner zu übertönen) und die Mütter noch im Alter zitternd von den „Christbäumen“ am schwarzen Nachthimmel erzählten, dann wanderte das Trauma ungefiltert weiter. Von den zitternden Händen der Eltern direkt in die ratlosen Seelen der Kinder.
Danke für dieses leise, aber unerbittlich wahre Zeugnis.
EVdR
Es erstaunt mich zutiefst – und erschreckt mich zugleich –, wenn ich sehe, wie präzise und tiefgreifend dieses Trauma an die Generation der Boomer weitergegeben wurde.
Deine Zeilen, Anne, treffen eine nackte Realität. Die „Schubladen voller Vorräte“ und das „Ohr in der Vergangenheit“ sind keine Metaphern, es waren die Kulissen unserer Kindheit. Es war das Erbe einer Eltern-Generation, die vergessen und uns gleichzeitig beschützen wollte.
Der eiserne Satz unserer Eltern: „Es gab ein Drittes Reich, es war schrecklich. Es reicht, mehr braucht Ihr nicht wissen!“ wurde für uns Boomer zum Gefängnis einer verordneten Unwissenheit. Uns wurde zwar zugerufen: „Wehret den Anfängen!“ – aber wie erkennt man den Anfang, wenn das Ende nie ausgesprochen werden durfte?
Wenn die Väter schwiegen und flüchteten (wie in der absoluten, fast eisernen Korrektheit eines Beamtenlebens, um den inneren Kanonendonner zu übertönen) und die Mütter noch im Alter zitternd von den „Christbäumen“ am schwarzen Nachthimmel erzählten, dann wanderte das Trauma ungefiltert weiter. Von den zitternden Händen der Eltern direkt in die ratlosen Seelen der Kinder.
Danke für dieses leise, aber unerbittlich wahre Zeugnis.
EVdR
Liebe Anne,
ein Trauma lebt in der Seele bis ins hohe Alter weiter, kehrt mit Erinnerungen plötzlich zurück, die genauso empfunden werden wie in der Realität vergangener Zeit, mit Tränen oder Schmerz,
liebe Grüße Heidrun
ein Trauma lebt in der Seele bis ins hohe Alter weiter, kehrt mit Erinnerungen plötzlich zurück, die genauso empfunden werden wie in der Realität vergangener Zeit, mit Tränen oder Schmerz,
liebe Grüße Heidrun
Liebe Heidrun,
ja, genau das macht ein Trauma so schwer greifbar – die Zeit vergeht, aber bestimmte Erinnerungen altern nicht mit. Sie bleiben irgendwo im Inneren lebendig und können durch einen Geruch, ein Geräusch oder einen einzigen Gedanken plötzlich wieder da sein, als wäre alles erst gestern gewesen.
ja, genau das macht ein Trauma so schwer greifbar – die Zeit vergeht, aber bestimmte Erinnerungen altern nicht mit. Sie bleiben irgendwo im Inneren lebendig und können durch einen Geruch, ein Geräusch oder einen einzigen Gedanken plötzlich wieder da sein, als wäre alles erst gestern gewesen.
Teo (73)
(16.05.26, 14:59)
(16.05.26, 14:59)
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Lieber Teo!
Danke Dir. Ich glaube, „lapidar“ war es eigentlich nicht gemeint. Eher zurückgenommen, still und ohne große dramatische Worte. Gerade weil Kriegskinder oft gelernt haben zu schweigen, wollte ich das Gedicht nicht laut machen. Der Schmerz steckt dort eher zwischen den Zeilen – in den kleinen Dingen wie einem fallenden Teller, Vorratsschubladen oder dem Schlaf „mit einem Ohr in der Vergangenheit“.
Liebe Grüße
Anne
Manchmal erzählen leise Bilder mehr über Angst und Erinnerung als große Worte es könnten.
Danke Dir. Ich glaube, „lapidar“ war es eigentlich nicht gemeint. Eher zurückgenommen, still und ohne große dramatische Worte. Gerade weil Kriegskinder oft gelernt haben zu schweigen, wollte ich das Gedicht nicht laut machen. Der Schmerz steckt dort eher zwischen den Zeilen – in den kleinen Dingen wie einem fallenden Teller, Vorratsschubladen oder dem Schlaf „mit einem Ohr in der Vergangenheit“.
Liebe Grüße
Anne
Manchmal erzählen leise Bilder mehr über Angst und Erinnerung als große Worte es könnten.
Teo (73) meinte dazu am 17.05.26 um 10:46:
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