Der Staub zerfallener Häuser

Text zum Thema Krieg/Krieger

von  AnneSeltmann


Wenn die Stille einkehrt,
kommt sie nicht leise.
Sie trägt den Staub zerfallener Häuser
in den Taschen,
den Geruch von Eisen,
den Schlaf der Kinder,
die keiner mehr weckt.

Die Fenster sehen hinaus
wie blinde Augen.
Über den Straßen
hängt der Abend
schief und ausgefranst.

Jemand sammelt
einen Knopf auf,
eine verbrannte Fotografie,
den halben Satz
eines Briefes.

Die Hunde bellen nicht mehr.
Selbst der Wind
spricht vorsichtiger.

Und plötzlich
ist jedes Geräusch
zu groß:
ein Löffel im Glas,
ein Schritt im Flur,
das Atmen der Mutter
neben der Tür.

Wenn die Stille einkehrt,
beginnt das Zählen.
Nicht der Siege.
Nicht der Länder.
Sondern der Namen.

Und irgendwo
unter derselben müden Nacht
legt ein Mensch
die Hand auf die Erde,
als könnte sie
den Schmerz behalten
und endlich lernen,
kein Schlachtfeld mehr zu sein



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